Floating in a most peculiar way*

*Space Oddity, 1969

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My first Bowie record: Hülle abgegriffen, Platte unzerkratzt

Es hat mir keine Ruhe gelassen. Und da Berlin schließlich nur anderhalb Zugstunden von Hamburg entfernt ist und ich mit Bahncard und Sparpreis da letztendlich doch günstig hingekommen bin, habe ich das einfach gemacht. Mit Nudelsalat und Äpfeln im Gepäck und großer Vorfreude im Herzen.

Ihr müsst wissen, dass David Bowie der Held meiner späten Jugend ist. Und ne internationale Ausstellung über sein Schaffen, die dann irgendwie doch fast um die Ecke haltmacht, kann ich mir da nicht entgehen lassen. No, sir.

Ich hatte mir ein Online-Ticket geholt mit – Achtung – Einlasszeit. Fand ich erst befremdlich, aber macht Sinn, fand ich hinterher. Außerdem musste ich nicht in der Schlange warten, denn ich hatte ja mein Zeitfenster, in dem ich durchgewunken wurde. Fing gut an.

Ausgerüstet mit Audiosystem und Kopfhörer – „Nur aufsetzen, Sie müssen nix machen, habe alles eingestellt für Sie“ – enterte ich den ersten Ausstellungsraum. Und war für mehrere Stunden in einem überwältigenden, spektakulären Paralleluniversum. Wham bam, thank you, Ma´am!

Ich kann gar nicht gut beschreiben, was die Mischung aus Fotos, Texten, Kostümen, Gemälden, Musik, Interviews und O-Tönen mit mir machte. Das Konzept aus physischen Ausstellungsstücken, Audio und Video ist in jedem Fall derart ausgeklügelt und läuft tatsächlich ohne Zutun des Besuchers, dass ich mich nach einer Weile völlig losgelöst vom Rest der Menge durch die Ausstellung bewegte (und es waren nicht wenige Menschen mit mir dort). Unfassbar. Ich bin zeitweilig mit Gänsehaut herumgelaufen, obwohl´s da drin ziemlich mollig gewesen ist.

Neu für mich war, dass Bowie seine Texte mit der sog. Cut up-Methode verfasst. Sätze und ganze Texte werden dabei in einzelne Wörter  oder zusammenhängende Ausdrücke zerschnitten und neu zusammengesetzt. Der Sinn bleibt erhalten, aber der Text wird völlig neu „abgemischt“.

Aus dem Raum mit Konzertmitschnitten, die auf drei der hohen Wände zum Teil gleichzeitig projiziert wurden, kam ich lange nicht hinaus. Je nachdem, wo im Raum ich mich befand, konnte ich dem dazugehörigen Ton zu den bewegten Bildern lauschen. Fast Konzertatmosphäre; aber nur fast. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings schon so durch, dass ich mir manchmal nicht mehr sicher war, ob die anderen überhaupt noch dasselbe SEHEN wie ich. :)

Nach fast dreieinhalb Stunden stolperte ich aus dem Gropius Bau und David Bowies Kunstwelten. Ich musste mich tatsächlich erst einmal setzen. Und stellte fest, dass es bereits „Unterzweistundenzeit“ war, bis mein Zug zurück nach Hamburg ging.
In zwei Stunden kann man in Berlin echt keine großen Sprünge machen. Gern wäre ich noch zu Modulor gefahren, nicht eigentlich weit weg, aber dann hätte ich wohl ziemlich sicher meinen Zug verpasst ob all der tollen Materialien. :)

So bin ich dann einfach nur ein Stück weitergefahren, wo es ein bisschen gemütlicher war als am Potsdamer Platz, habe mir ein Eis gekauft, mich in die Sonne gesetzt und all die Eindrücke sacken lassen. Was für ein Tag. Und was für ein kreativer, cleverer Mann, der es seit fünfzig Jahren schafft, immer wieder neue Kunstfiguren zu erschaffen. Bei ihm möchte man Zuhause gern mal Mäuschen sein. Denn wie eine Headline im Martin Gropius Bau besagt:

DAVID BOWIE IS NOT DAVY JONES.

Definitiv nicht.

Aber immer noch der Held meiner Jugend.
Die Mauer ist längst weg, aber Heroes immer noch in meinem Ohr. Und zwar textsicher.

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Kontaktbogen Diamond Dogs, 1974

 

DAVID BOWIE

verlängert bis 24. August 2014

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
http://www.gropiusbau.de

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3 Gedanken zu “Floating in a most peculiar way*

  1. […] Zeit!, Sonne, Regen, neue Ideen, La Balkonia oheeeeee!, selbstgezogene Erdbeeren, Paprika und Salatköpfe, FreiluftKino aufm Rathausmarkt, Schwimmen und Tauchen wie verrückt, Kinder, die sich gegenseitig mit Pigmentpulver bewerfen und hinterher behaupten, dadurch hätten sie ihre innere Mitte gefunden, Siedler und Café International spielen, mit Papier arbeiten, die alte Heimat München, Valencia, La Granadella und meine kleine Eskapade, den Tagesausflug nach Berlin. […]

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