Refugees welcome

Blogger-Fuer-Fluechtlinge

Ich habe mich schon ernsthaft gefragt, ob es nicht genügt, privat eine eindeutige Haltung einzunehmen und meine Minimarke mal schön außen vor zu lassen. Doch nach diesen letzten Wochen, in denen so viel Schockierendes passiert ist, ist mir klar, dass ich das auch auf diesem Kanal machen will.

Es erbost mich, wenn einige meiner Mitbürger denken, dass sie selbst aufgrund von Flüchlingshilfe zu kurz kommen könnten. Ich war völlig von den Socken, als ich auf Menschen traf, die fast jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen, aber es draußen im Leben mit dem Praktizieren der Nächstenliebe so gar nicht hinbekommen. Oder noch schlimmer: Die finden, dass selbige nur partiell einem bestimmter Teil der Weltbevölkerung wiederfahren soll.

Ich will Euch eine kleine Geschichte aus meiner Vergangenheit erzählen, die mit einem Satz endet, der mir bis heute sehr präsent ist und den wir uns alle hinter die Löffel schreiben sollten.

1992, ich war 18 Jahre alt und München überschwemmt von Menschen, die aufgrund des Balkankrieges ihre Heimat verlassen hatten. Ein Kumpel fragte mich damals, ob ich nicht Platz für einen jungen Mann hätte, der nicht mehr bei ihm in der Wohnung bleiben könne, der Vermieter hätte sich beschwert.

Ich war viel zu jung und idealistisch, um lange zu überlegen.
So wohnte ich knapp acht Monate lang mit I. aus Kroatien zusammen, der mit seinem jüngeren Bruder geflüchtet war.
Auch I. erzählte damals, nie hätte er gedacht, dass er einmal sein Land verlassen müsste. Dass sein Vater sie vor lauter Sorge vor dem Militär zu einem Weggang gedrängt hat, dem sie irgendwann halbherzig zustimmten und schließlich einen Zug gen München bestiegen nur ein paar Tage bevor junge Männer aus den Zügen herausgeholt und direkt zum Kriegseinsatz verfrachtet wurden. Ich habe damals schlimmste Geschichten von seiner Freundin und Mutter erfahren, die als Frauen ausreisen durften und ab und zu zu Besuch kamen. Keiner hat mit einer solchen Entwicklung gerechnet.

20150828_114451Als I. München verliess, drückte er mir vorher eine Pappe mit seiner Heimatadresse in die Hand mit den Worten:

Tina, just in case. Even if I´m not at home they know how to contact me. You´ve seen it, it can also happen here, it can happen to everyone!

Habe ich nicht ein Riesenglück, dass ich bisher nicht anrufen musste?

Also, klare Position: Es geht nicht mehr ohne Mundaufmachen. Und wer etwas übrig hat und dazugeben möchte, den bitte ich, bloggerfuerfluechtlinge oder eine der zahlreichen anderen Geld- und Sachspendenaktionen wie z. B. Refugees welcome – Karoviertel hier in Hamburg zu unterstützen. Jemandem in so großer Not zu helfen muss nationenunabhängig sein.

Ich wünsche Euch ein gutes Wochenende!

Tina

#BloggerfuerFluechtlinge

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