Kannst kommen, Sommer! Plaid Rockabilly Dress von Gretchen Hirsch

Plaid Rockabilly Dress Gretchen Hirsch 1

Ihr merkt schon, ich habe immer noch so einige Gretchen-Schnitte aufzuarbeiten. Das Plaid Rockabilly Dress musste zum Beispiel ganze zwei Jahre auf die Realisation warten und das, obwohl ich sogar schon den passenden Stoff dafür hatte, der mitnichten ‚plaid‘, also kariert war, und den ich noch aus meiner Zeit im Stofffachgeschäft gehortet hatte.
Dabei handelt es sich um einen sehr dünnen und somit sommertauglichen Jeansstoff mit winzigen hellblauen Polka Dots. Der Stoff und ich sind übrigens auch nur wegen dieses dezenten Punktdurchmessers zusammengekommen, denn ein Kleid mit größeren oder gar großen Polka Dots wäre mir wirklich ein arger Graus.

Plaid Rockabilly dress Gretchen Hirsch 4

Das Schnittmuster  für das Plaid Rockabilly Dress stammt aus dem Buch ‚Gertie´s Ultimate Dress Book‘ und ist definitiv eines der leichter zu nähenden Modelle mit Puffärmeln sowie verspielten Details an Kragen und Saum. Letztere waren mir aber schon wieder zu krass, denn auf Zickzackband bin ich bisher nicht gerade abgefahren und einen harten Kontrast wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Aber wer weiß, Geschmäcker können sich ändern und vielleicht packt es mich ja eines Tages noch…für dieses Kleid habe ich mich aber einmal wieder für eine Paspel in einem blassen Blauton entschieden, die meiner Meinung nach den Kragen betont, aber zugleich auch „entschärft; denn um ehrlich zu sein, bei der ersten Anprobe fand ich den noch nicht festgenähten Kragen an mir nicht so prickelnd, viel zu Western-, viel zu Cowgirl-mäßig kam mir das vor, als ob ich dazu am besten nur meine uralten Biker Boots aus dem Keller anziehe und mir schnellstmöglich ein Accessoire wie zum Beispiel ne Mistgabel anschaffen sollte. Na, was soll ich sagen: Die Paspel hat´s irgendwie rausgerissen für mich, jetzt gefällt es mir!

Plaid Rockabilly Dress Gretchen Hirsch 5

Selbstverständlich ging es auch diesmal nicht ohne Anpassung. Wie schon bei meiner geliebten Vintage Jeans von Gretchen liegt mein Taillenumfang in der ihren Büchern zugrunde liegenden Größentabelle eine ganze Größe über der für Brust und Hüfte, also 6 – 8 – 6. Klingt irgendwie fast wie 60 – 90 – 60, nicht war?! Ist aber absolut weniger als halb so schlimm! ;)

Plaid Rockbilly Dress Gretchen Hirsch 2

Als alle Schnittteile vernäht bzw. geheftet waren, bin ich vor dem Einsetzen des rückwärtigen Reißverschlusses einmal ins Kleid hineingestiegen, weil ich ja aus Fehlern lerne und mir sicher war, dass ich wie sonst auch eine Hohlkreuzanpassung vornehmen muss. Das war diesmal jedoch gar nicht notwendig, was mich echt überrascht hat! Dass aber einmal etwas wie angegossen sitzt, gibt es bei mir trotzdem nicht: Korrekturbedürftig waren die Abnäher im Vorderteil, die sowohl verlängert als auch vertieft werden mussten, denn da war definitiv zu viel Platz für meine Körbchengröße.

Plaid rockabills Dress Gretchen Hirsch 3

Der Rest war dann, ich traue mich das allmählich zu sagen, Routine. Nahtverdeckter Reißverschluss rein, hintere Naht schließen, säumen: Fertig war das sehr luftige, aber figurbetonte Sommerkleidchen mit Platz für ein Mittagessen (und Eis hinterher)! Nun fehlt nur noch ein real McCoy-Sommer, damit ich es auch ausführen kann.
Irgendetwas sagt mir, dass das dieses Jahr klappen wird!

Marokkanischer Mini-Teppich aus Baumwollkordel

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel

Ich gucke mir schon sehr gern farbenfrohe Häkelgeschichten bzw. Crocheting-Arbeiten an, und besonders einige gehäkelte Läufer (ja, ernsthaft!), die ich gesehen habe, finde ich richtig schick (auch ernst gemeint!)!
Da ich selbst es aber mit Häkeln und Stricken irgendwie so gar nicht halte, habe ich etwas ausprobiert, was vom Effekt her auch als „Quick and dirty“-Variante dessen betrachtete werden kann. Also, nur auf die Entfernung natürlich, aber ich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis.

Für meinen Mini-Teppich habe ich 30 Meter naturweiße Baumwollkordel mit einem breiten, großen Zickzackstich immer rundherum aneinandergenäht und das Ganze der Stabilität wegen noch ein zweites Mal mit einer Zickzack-Naht fixiert. Indem man einen Anschiebetisch benutzt, stellt man auch sicher, dass die Kordel jeweils immer parallel zum bereits genähten Teil festgenäht wird, schließlich wollen wir keine große Kordel-Schüssel, sondern eine Fläche, die plan liegt! Wenn es aber doch passiert und sich ein Teil ein wenig hervorwölbt, so kann man mit dem Dampfbügeleisen kleine Unebenheiten noch ganz gut korrigieren.

Marokannischer Teppich aus Baumwollkordel 2

Weil mir der Läufer unifarben dann doch zu schlicht für unseren Haushalt war, habe ich ein einfaches, aber effektvolles marokkanisches Muster auf zwei aneinandergeklebte Bögen Freezer Paper kopiert, mit dem Cutter das Muster ausgeschnitten und das Papier dann vorsichtig auf den kleinen Teppich aufgebügelt. Mir gefallen die Texturen marokkanischer und im Allgemeinen arabischer Muster sehr. Für den Teppich durfte es jedoch keine allzu komplizierte, detailreiche Verzierung sein, aber ich finde, auch diese großflächige hier entfaltet schon eine leicht orientalische Wirkung.

Die Aussparungen der papierenen Druckvorlage habe ich mit dunkelblauer Textilfarbe für helle Stoffe ausgefüllt und dafür einen ganz normalen Borstenpinsel benutzt. Das Schöne ist, das die Farbe mit nur einem bis zwei Anstrichen nicht alle Stellen der Kordel erreicht, sodass an manchen Stellen immer noch ein wenig Naturweiß durchschimmert, was mir persönlich famos gut gefällt.

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel 3

Nach der Trocknungszeit von ca. einer Stunde kann man das Freezer Paper dann abziehen, lässt das Muster noch einmal ordentlich über Nacht durchtrocknen und kann dann den Farbauftrag per Bügeln waschecht fixieren.

Unser Mini kommt bei uns nun im Flur zum Einsatz, aber ich kann mir die kleinen Läufer auch sehr gut als Balkon-Deko für den Sommer  oder aus Kordel in dunkleren Farben sogar als Alternative zum Fußabstreifer vorstellen. Wichtig ist nur, dass man darauf achtet, reine Baumwollkordel zu verarbeiten, wenn man den Teppich noch bedrucken möchte. Ansonsten tut´s auch eine Kordel mit synthetischen Anteilen.

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel 4

Für meinen Teppich habe ich folgende Materialien und Gerätschaften benötigt:

  • 30 m Baumwollkordel mit einem Durchmesser von 8 mm
  • farblich passendes Polyestergarn
  • Freezer Paper
  • Cutter / Skalpell
  • Bleistift
  • Textilfarbe
  • Borstenpinsel
  • Bügeleisen
  • Nähmaschine
  • optional Anschiebetisch der Haushaltsnähmaschine (ist heute bei vielen Nähmaschinen standardmäßig als Zubehör dabei)

Boxbag Ysabel von LaLilly Herzileien

 Boxbag Ysabel Midi EBook

+++ Dieser Beitrag enthält Werbung. Das digitale Schnittmuster ‚Boxbag Ysabel‘ wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst. +++

Oha, da hat meiner einer aber sofort laaange Stielaugen bekommen, als ich den Aufruf zum Probenähen des neuen Schnittmusters ‚Boxbag Ysabel‘ vom Blog und Schnittmusterlabel LaLilly Herzileien gelesen habe. Da war auf jeden Fall Handlungsbedarf meinerseits angesagt!
Man kann meine Arbeiten zum Probenähen ja an einer Hand abzählen, da ich es aus Zeitgründen recht selten schaffe, aber das Timing war diesmal äußerst günstig, also schickte ich flugs meine Bewerbung ab und erhielt, wie schön, eine Zusage, sodass ich mit dem heutigen Tag schon ganze zwei Hände zum Aufzählen meiner Probenäh-Erfahrung benötige. :)

Eine glückliche Koinzidenz, das alles, denn ich war erst kurz zuvor auf LaLilly Herzileien aufmerksam geworden und folgte ihr auf Instagram vielleicht etwas mehr als eine Woche als der Aufruf kam; dafür hatte ich aber bereits bei meinem ersten Besuch auf ihrem Blog schon weit über zwei Stunden gelesen und herumgeklickt (ich musste eigentlich Licht ausmachen und schlafen!), denn da geht es sehr informativ und smart und ehrlich zu und es ist echt kurzweilig darin zu lesen.

Nun aber zurück zum Probenähen: Ich war nach der Zusage tatsächlich auch ein wenig verschreckt, denn Probenähen fand für mich in der Vergangenheit folgendermaßen statt: Da erhielt ich per Mail die Schnittmusterdateien und die Anleitung und füllte nach dem streng nach Anleitung ausgeführten Nähen und dem Korrekturlesen einen Feedbackbogen aus. Fotos wurden natürlich auch abgeliefert.
Die Zeiten scheinen sich in meiner ca. 15 Monate währenden Abstinenz im Schnittmustertesten sehr gewandelt zu haben, denn nun war ich Teil einer geschlossenen Probenäh-Facebook-Gruppe. Ich fühlte mich wie ein komplettes Greenhorn. Und ich war auch ein komplettes Greenhorn!

Boxbag Ysabel Midi Leder

Alle benötigten Dateien erhielt ich über die Gruppe und auch mein Feedback schrieb ich direkt in Dokumente, die auf Facebook hinterlegt waren, es erfolgte sozusagen eine laufende Korrektur der Anleitung. Gar keine schlechte Lösung, was!?

Viele meiner Kolleginnen waren schon vom ersten Tag an (einem Samstag) so dermaßen fleißig, sodass die ersten Ergebnisse bereits nach einem Tag fotografisch festgehalten und gepostet wurden. Ich fing zu dem Zeitpunkt gerade mal an das Schnittmuster auszudrucken und die Anleitung zu lesen und war deshalb ein bisschen irritiert: Hatten wir  wirklich alle den gleichen Abgabetermin bekommen, denn meiner lag gut zwei Wochen in der Zukunft?  Oder hatte ich etwas überlesen? Ne, die Kolleginnen waren wirklich alle so fix, denn da stand er ja, der Abgabetermin, nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin Schwarz auf Weiß! ;)

Ysabel Mini tragefoto 3

Na, ich fing dann drei Tage nach der Zusage auch mal an zu nähen und traute mich dann abends, ebenfalls einen Schnappschuss meiner ersten Tasche in der Gruppe zu posten. Schließlich muss man ja einmal einen Einstieg finden in so eine neue interaktive Arbeitsform! Und von da an guckte ich mir täglich auch alle Ergebnisse meiner 54 Kolleginnen an, oft noch als stille Leserin, aber nicht immer! Ich arbeite am „Micheinbringen“, versprochen!

Boxbag Ysabel ist, wie der Name bereits ankündigt, ein Taschenschnitt in einem wunderbar kastigen Format.  Das E-Book bietet drei Größenvarianten, sodass man eine klassische Handtaschengröße (Midi), eine kleinere Handtasche für das Nötigste (Mini) sowie eine sog. Microbag nähen kann, also einen absoluten Zwerg, der auch gut als Gürteltasche oder Portemonnaie fungieren kann.
In der Anleitung finden sich verschiedene Möglichkeiten, Klappe und Verschlusslasche zu realisieren sowie zwei Schultergurtvarianten mit Riemenschnalle oder Schieber. Lisa zeigt auch, wie man eine Reißverschlusstasche sowie aufgesetzte Taschen näht, was die Anleitung auch für absolute Anfänger attraktiv macht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich in dem Zuge, dass es auf ihrem Blog ergänzend auch zwei sehr ausführliche Tutorials zu Taschenverschlüssen gibt, die man sich als Anfänger doch einfach mal reinziehen sollte. Da lernt man noch etwas! :)

Ysabel Mini Polsterstoff E-Book

Konzipiert ist der Schnitt für festere Stoffe wie Canvas, Leder und Kunstleder, die je nach Bedarf noch mit Style Vil, Decovil oder kaschiertem Schaumstoff verstärkt werden. Dass auch andere Materialien gut funktionieren und Ysabel eine regelrechte Leinwand für individuelle Ausführungen ist, zeigt die schier unglaubliche Vielfalt des sensationellen Lookbooks, das sämtliche Ergebnisse des Probenähens zeigt. Knaller, echt! Nicht vergessen: Wir waren 55 Probenäher und viele haben alle drei Varianten genäht!

Ich selbst bin bei Handtaschen eher eine Freundin des Einfarbigen, sodass meine Midi und meine Mini recht schlicht ausfielen.
Für die Midi habe ich grünes Spaltleder gewählt und mich sehr eng an die Anleitung gehalten: Riemen-Laschen, Klappe und aufgesetzte Tasche wurden genau so genäht wie angegeben. Einzig die Verstärkung habe ich aufgrund des robusten Materials weggelassen und auch die D-Ring-Laschen aus Leder  nur einlagig verarbeitet.
Die Mini sollte dann ein kleines Retroteilchen werden; sie wurde aus gelbschwarzem Polsterbezugsstoff genäht und mit einer schwarzen Paspel und einem Mappenschloss versehen. Verstärkt ist sie mit Decovil I, was bei der Größe schon furchtbar fummelig war, aber letzten Endes geklappt hat.
Gut finde ich alle beide, obwohl die Mini definitiv noch zur Gürteltasche umfunktioniert wird, denn so ne kleine Tasche umzuhängen ist mir…unheimlich. ;).

Übrigens: Zur Veröffentlichung gibt es das Ebook Boxbag Ysabel bis einschließlich 25. März 2018 zum Einführungspreis mit 40 % Rabatt bei Makerist zu kaufen!

Last but not least möchte ich mich sehr, sehr, sehr herzlich bei meinem partner in crime Anja Jung für die Fotos und bei Leder Detmer für die Erlaubnis, in den Lagerräumlichkeiten zu fotografieren, bedanken!

Rezension: Lässige Rucksäcke einfach selbst genäht

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Neulich in der Zentralbibliothek bin ich mal wieder hoch in die Handarbeitsabteilung in den 2. Stock gestiegen, um nachzusehen, was es interessantes Neues gibt. Die sind da echt auf Zack in Sachen Neueinkauf und oft sind Neuerscheinungen erst einmal ewig ausgeliehen, bis ich sie in die Finger bekomme, aber diesmal hatte ich Glück in doppelter Hinsicht: „Lässige Rucksäcke einfach selbst nähen“ ist erst am 17. Januar 2018 erschienen und ein Titel, den ich Euch wärmstes empfehlen möchte.
Na, klar, gefällt mir nicht jedes gezeigte Modell, aber insgesamt bietet das Buch absolut schicke Rucksackschnitte mit wirklich ganz unterschiedlichen Details von den Verschlüssen bis hin zu den Trägern. Man hört ja oft den abgedroschenen Satz „Da ist für jeden Geschmack etwas dabei!“, aber in diesem Fall möchte ich einfach mal behaupten, dass die Aussage den Nagel auf den Kopf trifft, denn die beiden Autorinnen haben sich wirklich abwechslungsreiche Modelle einfallen lassen und fotografisch schön in Szene gesetzt wurden die Modelle auch!

Adventure time

Retro-Chic

Perfekt für jeden Tag

Aus eins mach zwei

Für alle Lebenslagen

Sporty for you

Beim Durchblättern des Buches fühlte ich mich gleich ganz fürchterlich inspiriert, so viele schöne und ausgeklügelte Details kann man entdecken, die es mich persönlich sofort in den Fingern jucken lassen.

Zumal ja meine Physiotherapeutin, die mich ab und zu „gerade zieht“ auch schon länger insistiert, dass ich aufgrund meiner  Zugehörigkeit zur Generation Umhängetasche so schief sei, dass ich doch besser mal auf einen schicken Rucksack umsteigen sollte. Was mir echt nicht leicht fällt. In dem Buch gibt´s jedoch gleich mehrere Modelle, die mich ziemlich anlächeln, letzten Endes ist meine Wahl nun auf das Modell „Sporty for you“ gefallen (das letzte hier im Beitrag gezeigte Modell), das bei mir natürlich eher im Vintage-Style realisiert werden wird. Ich habe da auch schon eine Idee im Kopf und werde Euch den fertigen Rucksack selbstverständlich nicht vorenthalten. Was ich Euch aber jetzt schon sagen kann: Ich nähe da an die Seiten trotzdem zwei Schlaufen mit D-Ringen dran, sodass ich mir einen Gurt dranklinken und den Rucksack doch ab und zu quer umhängen kann. Das ist der Kompromiss!

Die Anleitung für das ausgesuchte Modell ist für mich klar verständlich und erstreckt sich ausführlich auf zwei Seiten, allerdings mit nur wenigen Zeichnungen zur Veranschaulichung. Alle Modelle sind zudem mit einem Schwierigkeitsgrad von 1 bis 3 versehen, was ich zur erstmaligen Orientierung sehr hilfreich finde, denn für einen Anfänger ist nicht jeder Arbeitsschritt bei Schwierigkeitsgrad 3 so ganz ohne zusätzliches Bildmaterial sofort nachvollziehbar.

Insgesamt ist der Titel optisch wie inhaltlich ein sehr sorgfältig gestaltetes Buch. Eines, das man sich als alter oder neuer Rucksackfreund eventuell auch einmal kauft und nicht nur aus der Bibliothek ausleiht. ;) *

P.S. Eine wichtige Sache muss ich Euch zum Buch jedoch noch mitteilen: Mich interessierte natürlich auch, was die Autorinnen Sandra Bienek und Ina Thelen bisher so gemacht haben und so landete ich auf dem Blog der beiden namens www.sainodernichtsain.de, der noch nicht  sooo sehr gefüllt ist, aber die gewichtige Info enthielt, dass dem Verlag beim Einscannen der beiden Schnittbögen für das Buch ein Fehler unterlaufen ist. Viele Modelle müssen um 125 % vergrössert werden, einige wohl aber auch verkleinert. Ihr müsst Euch für den Moment die Maße in der Anleitung des jeweiligen Rucksacks ansehen und sie mit denen auf dem Schnittbogen abgleichen. Wem das zu mühsam ist, der könnte auch im Copyshop auf 125 % kopieren oder aber auf die 2. Auflage des Buches warten, die jetzt schon in Vorbereitung ist und der selbstverständlich der korrigierte Schnittbogen beigefügt wird. Sobald die 2. Auflage erhältlich ist, kann man sich als Besitzer der 1. Auflage übrigens auch über den Verlag ebendiesen korrigierten Schnittbogen zukommen lassen.
ABER: Diese fehlerhaften Schnittbögen machen den Titel nicht zu einem schlechten Buch! Es lohnt sich wirklich einen längeren Blick hineinzuwerfen! Und sei es gar nicht zum Nachnähen, sondern lediglich zur Inspiration. Das Buch ist nämlich pickepacke voll davon!

*Aber denkt dran: Wenn Ihr das Buch kauft, support your local bookshop, die meisten schicken  mittlerweile Bestellungen auf Wunsch auch nach Hause! Abgemacht?!

Segelboot – Boot + Nähmaschine = Segeltuchtasche

Segeltuchtasche 1Segeltuchtasche 2Segeltuchtasche 3Segeltuchtasche 4

Nicht ganz ohne Stolz präsentiere ich Euch heute meine allererste Tasche aus Segeltuch. Habt Ihr damit schon einmal gearbeitet?
Ich sage Euch ehrlich, hätte ich die Auftraggeberin nicht schon vorher gekannt und sie mir nicht versichert, dass ich mich da auch ausprobieren könnte und Segel im Überfluss (ein ganzes!) vorhanden sei, ich hätte den Auftrag nicht angenommen. Mit null Erfahrung in der Verarbeitung von Segeltuch will man keinen Erstkunden vergraulen und womöglich als Dilettantin dastehen! Oder?!

Obwohl mir die Segeltuchtaschen z. B. von 360° sehr wohl ein Begriff sind und ich sie hier in Hamburg auch oft an mir vorüberziehen sehe, habe ich mir über die robuste Beschaffenheit des Materials nie Gedanken gemacht. Bin halt kein Segler.
Als Lisa dann mit diesem riesigen Segel ankam, das wir erst einmal bei mir zu Hause im Arbeitszimmer deponierten, habe ich schon blöd geguckt. Ich hatte mir ein Segel schlichtweg anders vorgestellt. Ihr lacht jetzt, aber ich hatte ja in meinem ganzen Leben noch keines angefasst und ne 360°-Tasche auch nicht. Dass sich das Material komplett anfühlt wie Plastik, damit habe ich einfach nicht gerechnet. Es ist starr und rutschig und knittert so ein bisschen vor sich hin, genau wie Tyvek, ein Material aus Polyethylen, das z. B. als Innenfutter von Briefumschlägen eingesetzt wird. Damit habe ich schon einmal gearbeitet und mir schwante, dass die gewünschte Segeltuchtasche eine Herausforderung werden wird.

Ich fing also an, indem ich einen vorhandenen Schnitt an den Kundenwunsch anpasste, schnitt dann auf dem Fußboden herumrutschend das Segel zu und fing an, den Korpus bestehend aus fünf Schnittteilen und Baumwollpaspel zu nähen. Danach war ich reif für ein großes Glas Wein mit anschließender Bettruhe. Wie krass war das denn? Ständig wollte mir das Material wegflutschen, Wonderclips hielten erst gar nicht (und die halten sonst immer), Nadeln konnte ich nicht verwenden, kurz: Ohne ständiges Festhalten, Justieren und Nadelversenken, wenn man umgreifen musste, ging GAR NICHTS.
Meine Kollegin in der Schneiderei hatte mir schon, als sie das Segel erblickte, viel Spaß gewünscht und meine Vermieterin meinte nachdem ich fertig war: ‚Ja, ne, Tina, das nächste Mal gehst du aber an die Industriemaschine mit so nem Zeug‘. Das mache ich auch, verlasst Euch drauf!

Es tat echt gut sich im Anschluss an diesen Kampf auf bekanntem Terrain zu bewegen und ein Innenfutter mit Laptopeinschub, Reißverschlusstasche, Einstecktasche und großem Zipper zu nähen. Aus Wachstuch wohlgemerkt, da kenne ich mich besser aus.

Als das erledigt war, hatte ich erst einmal Segeltuchpause, weil der gewünschte Gurt für die Tasche noch nicht da war. Und Bammel hatte ich auch vorm Zusammennähen des Korpus und des Innenfutters, ich musste mich da ungelogen vorher mental drauf vorbereiten, damit ich hinterher nicht wieder Wein trinken und ins Bett gehen muss.
Und es hat was genutzt: Das Zusammenfügen war dann fast gar nicht schlimm und hat mich kaum Nerven gekostet. Auch die vorletzte Etappe, das Wenden und Ausformen des Shoppers lief wider Erwarten ohne Kampf und Krampf ab. Das gab mir die Zuversicht, dass ich auch die letzte Etappe, das knappkantige Absteppen des oberen Taschenrandes, vom Stichbild her perfekt hinbekommen würde. Es ist mir bis auf wenige Stiche auch gelungen. Und ein zweiter Taschenwunsch aus Segeltuch steht auch noch aus. Wir freunden uns schon noch an, wir zwei!

Wer jetzt aber ob meiner Näherei etwas abgeschreckt ist, dem muss ich dieses Material natürlich wieder näher bringen, denn ein Segel ist ja mitunter ein weitgereistes Teil mit Geschichte, was ja an sich schon eine famose Sache ist.
Segeltuch vernähen geht also auch etwas souveräner und unaufgeregter, wie z. B. bei ‚Made in Minga‘ aufm Blog. Dort findest Du die Anleitung für eine, wie ich finde, ziemlich großartige Umhängetasche aus Segeltuch, und dort in München halten auch irgendwie die Wonderclips besser. ;)

Nachtrag vom 4. März 2018:
Ich habe eine Erklärung bekommen, warum ich bei der Anfertigung der Tasche so mit dem Material gekämpft habe. Bei dem verarbeiteten Tuch handelt es sich um ein sehr starkes Segel, das in der Regel für Regatten eingesetzt wird. In der Beschaffenheit der Segel gibt es also durchaus Unterschiede, die sich in der Flexibilität des Materials niederschlagen. Wieder was gelernt, Herrschaften! :)