Hey Ho Flatstock!

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Meeensch, ist ja schon wieder Reeperbahn Festival! Und so viel Zeit muss sein, um zwischen ordentlicher und außerordentlicher Arbeit auf einen Sprung bei der Flatstock Poster Convention vorbeizuschauen. Feinste Posterart aus der ganzen Welt wird dort ausgestellt und kann selbstverständlich auch käuflich erworben werden. Ich sag´ Euch, Stielaugen Galore, wenn man sich für Grafik und Siebdruck interessiert und Konzertposter im Besonderen!

Ich habe mich in Sekundengeschwindigkeit in einen Siebdruck verknallt, was dazu führte, dass ich minutenlang vor dem Poster stand, was wiederum dem Künstler hinter Clockwork Pictures nicht verborgen blieb. Er fragte mich, ob ich die Band The Handsome Family kennen würde, was ich verneinen musste. Der Druck hatte mich nichtsdestotrotz in seinen Bann gezogen, die Abbildung eines Mannes, der grübelnd/wartend in einem düsteren Zimmer sitzt.
Erst als er mich fragte, ob ich die Serie True Detective gesehen hätte, fiel der Groschen. Ich konnte dann immerhin behaupten, ich würde doch mindestens EINEN Song dieser Band kennen, einen ziemlich großartigen dazu. Und im Bild im Sessel vor dem Bett, das kapierte ich dann auch, da sitzt Detective Rust Cohle, in der Serie ganz großartig verkörpert von Matthew McConaughey, der da neben dem nicht minder großartigen Woody Harrelson gespielt hat.
Oha! Entfuhr es mir doch glatt: Now I know why I´m so attracted to it! ;)
Ich hab´s gekauft. Und habe noch am selben Abend Geld in einen neuen Rahmen statt in das Konzert der Handsome Family investiert, die just gestern hier in Hamburg im Knust gespielt haben.

Also, Leute, Empfehlung fürs WE, denn da kann man ruhig mal zwischen zwei Reeperbahn Festival-Konzerten hindurchschlendern:

23. bis 27. September 2015
Flatstock Poster Convention im Rahmen des Reeperbahn Festivals
Spielbudenplatz
Hamburg – St. Pauli

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Kunst für alle!

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Das traf sich so was von gut!

Der Offspring und ich haben erst vor wenigen Wochen ausgiebig über Keith  Haring gesprochen und zwar im Zusammenhang mit LUNA LUNA, einem Jahrmarkt-Kunst-Projekt, das 1987 stattfand. Ich habe das Buch über die Entstehung noch hier, mit anderen Worten, ich fand es auch 1995 noch ziemlich gut, sodass es in einer Hamburg-Umzugskiste landete.

In München hat es dann auch nur eine Litfaßsäule mit Plakatwerbung gebraucht, um mich zu begeistern. Wann hat man schon die Möglichkeit so viele Haring-Originale auf einem Haufen zu sehen?!
Eben!

„Aber ich geh´ nur mit Dir hin, wenn wir nicht vor jedem Bild 10 Minuten stehen bleiben!“
„Keine Sorge, min Jung´, höchstens drei!“

In der Ausstellung finden sich viele Werke aus den Siebziger- und frühen Achzigerjahren und eine nicht kleine Menge seiner Subway Drawings, Kreidezeichnungen auf abgedeckten Werbetafeln aus der New Yorker U-Bahn, für die er alle naslang einkassiert wurde. Anhand der weichen Kreidestriche kann man erahnen, dass sich unzählige Schichten Papier unter der Malfläche befunden haben müssen; und dass davon überhaupt offiziell so viele erhalten sind und dann auch noch gerade in good old Bavaria abhängen, hätte ich nicht erwartet. Es zaubert einem doch immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, dass da jemand nicht nur von ‚art is for everybody‘ gesprochen hat, sondern es auch noch mit wachsendem Erfolg genau so gehalten hat.

Als Teenie kam ich an Keith Haring nicht vorbei, genausowenig wie an Madonna. Ich hielt beide für extrem coole Säue, wenn ich das mal so salopp sagen darf, und beide habe ich nicht nur für ihr Schaffen, sondern auch für ihre eindeutige Haltung bestimmten Dingen gegenüber sehr bewundert. Auch die Ausstellung zeigt viele Werke, in denen Haring seine Einstellung zu sozialen und politischen Missständen zum Ausdruck bringt. Und obwohl man dort eine große Fülle an Informationen vorfindet, ist es doch keine Ausstellung, bei der man ‚ab Raum 8‘ irgendwie nur noch schnell hindurchwandert. Wenn Ihr also die Möglichkeit habt und in der Nähe seid, schnappt Euch Eure Nachkommen und Vorfahren (jahaaa, auch meine Mutter musste mit!) und bringt ihnen the one and only Keith Haring näher, denn einen anderen werden wir laut seiner eigenen Aussage nicht bekommen!

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bis 30. August 2015

Keith Haring – Gegen den Strich
Kunsthalle Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstr. 8
80333 München

http://www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/keith-haring/

 

When I die there is nobody to take my place.
(Keith Haring)

Hafengeburtstag 2015 – always hardcore?

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Vorneweg: Ich wollte das!
Als die weltbeste Marktkollegin Anja mit dem Vorschlag kam, sich bei Harbour Pride mit einem Stand zum 826. Hafengeburtstag anzumelden, war ich Feuer und Flamme, denn Probieren geht über Studieren und überhaupt!
Aber, Leute, als es dann soweit war, ist uns der A…. doch ein wenig auf Grundeis gegangen, fegte doch just drei Tage vor Beginn ein Orkan über Hamburg, der echt nicht ohne war. Prompt kam auch die Auflage vom Ordnungsamt, die Marktzelte an jedem Pfosten mit mindestens 25 kg Gewichten zu beschweren. Müde lächelnd blickte ich auf meine kleinen 10-l-Kanister, die ich zu diesem Zweck mitgenommen hatte, denn vollkommen doof bin ich ja auch nicht. Okay, also größere Kanister. Anja hatte dann die zündende Idee mit den 9 l-Sixpacks Wasser aus dem Discounter, von denen wir dann zwölf kauften und die wir jetzt gerade austrinken. Auflage kostengünstig erfüllt.
Alles weitere lief dann irgendwie wie am Schnürchen. With a little help from my Schwager waren die Sixpacks schnell verschnürt und das Zelt gesichert. Das Wetter, das sich noch kurz zuvor von einer eher schlechten Seite gezeigt hat, war bis auf einen  Guß am Samstagvomittag recht ordentlich, zum Teil total sonnig. Es wurde nichts gestohlen, kein alkoholisierter Mensch ist in unseren Aufbau gefallen und hat dann obendrein noch sein Bier auf die Waren verschüttet, wir haben uns nicht verletzt und die Zusammenarbeit lief zahnradmäßig super!
Wir hatten tolle Unterstützung von Anjas Onkel Georg, einem Ex-Seemann, der uns viel über das Tuten der Schiffe und das Seemannnsalphabet beigebracht hat.
Nota bene: D heißt eingeschränkt manövrierfähig, F manövrierunfähig, Du weißt ja nie, wann Du das mal gebrauchen kannst! Und ich habe Freitagnacht direkt nach dem Kauf einer Koje-Rucksackbeutel-Taufe an unserem Stand beigewohnt, was ich sehr entzückend fand und die Namenswahl übrigens auch, die auf Jette fiel. :)

Zwei Tage Hafengeburtstagstrubel von morgens bis in die Nacht fühlen sich zwar hinterher an wie nach einem Mega-Zechgelage mit starken Katersymptomen, aber alles in allem war´s denn doch ne gute Erfahrung! Ich bin zufrieden!

Dank an Philipp für die Aufbauhilfe, Peter fürs Herumkutschieren, Georg fürs Catering und die Mithilfe im Verkauf, Maike und Daniel von BRANDGUT fürs Nervennahrung-Vorbeibringen!
Rebi, Dani, Tina, Birgit und Thomas, danke für Euren Besuch, ist immer saugut, bei so einer Veranstaltung bekannte Gesichter zu sehen!
Vielen Dank an Peter und Jakob für die Unterstützung in den anstrengenden, arbeitsintensiven, aufregenden Tagen davor und währenddessen, Ihr seid eh die Allertollsten!

Ach so, und: Danke, Hafen, Du alter, knarziger Seebär, für Deine Gastfreundschaft!

Scham…

…und Ekel befällt mich, wenn ich an diese sehr gute, weil so erschütternde und aufrüttelnde Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe denke, die ich diese Woche mit Frau Nähzimmer besucht habe.

Fast Fashion befasst sich kritisch mit sämtlichen Aspekten der Mode- und Bekleidungsindustrie. Dabei geht´s um Mangel und Überfluss, globale Gewinnspannen und lokale Löhne, darum, was wir Menschen Tieren und anderen Menschen antun; es geht um den mörderischen Einsatz von Pestiziden im konventionellen Baumwollanbau, um chemische Produktionsprozesse und darum, wie der Inhalt unseres Kleiderschranks aussehen könnte, würden wir auf Slow Fashion setzen. Nicht nur Ansätze wie Re- und Upcycling werden da erneut vorgestellt, sondern z. B. der des Zero Waste, also einer Produktionskette, in der so gut wie keine Textilabfälle anfallen.

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Ja, weiß ich alles längst, denkt da so mancher, finde ich ja auch schlimm, habe aber trotzdem keinen Goldesel, um die Mehrkosten fair und nachhaltig produzierter Kleidung zu tragen, ein anderer. Ich glaube, viele von uns haben diesbezüglich bereits ein Gewissen entwickelt, aber beim Klamottenkauf tatsächlich Engel auf der linken und Teufel auf der rechten Schulter sitzen. Und stellt sich die Frage, kaufe ich das Shirt mit dem Fair Trade-Siegel oder genehmige ich mir für denselben Geldbetrag drei modisch geschnittene Oberteile einer konventionell produzierenden Bekleidungskette, siegt häufig der kleine Rote mit den Hörnern. Dabei darf man sich ruhig noch einmal vergegenwärtigen, dass auch viele große Marken-Labels, für deren Produkte wir viel Geld hinblättern, weder fair noch nachhaltig produzieren. Ich für meinen Teil bin echt angewidert, wenn ich mir vorstelle, dass sich für mein Kleidungsstück Arbeiter auf konventionellen Baumwollplantagen mit Pestiziden so vergiften, dass sie es nicht einmal lebend ins Krankenhaus schaffen, und Näherinnen zwar ohne Unterlass arbeiten, aber am Ende des Monats einen Lohn nach Hause tragen, der nur einen Bruchteil der monatlichen Ausgaben deckt.

Wer sowieso schon irgendwie fühlt, dass er zum endgültigen Umdenken und Handeln nur noch den allerletzten Schubs braucht, möge sich diese Ausstellung ansehen. Alle anderen selbstverständlich auch.
Im Netz geistert eine Typonachricht herum mit dem sinngemäßen Wortlaut: Erst bei Primark ein T-Shirt für 2,50 € kaufen und hinterher einen Café Latte für 6 € bei Starbucks trinken. Da grinsen wir alle immer wissend. Sagen: Ja, genau, wie bitter. Nach dem Besuch dieser Ausstellung grinst ihr nicht mehr. Da wollt ihr einfach hinmachen und handeln, damit sich etwas in die richtige Richtung bewegt.

Fast Fashion
20. März bis 20. September 2015
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099 Hamburg

P.S. Bitte überlegt euch gut, ob ihr das Filmmaterial ‚ab 18‘ in der abgeteilten Nische des Ausstellungsraumes ansehen wollt. Ich hatte Bedenken, hielt mich aber für eine hartgesottene Kettensägenmassaker-Maid. Die Maid hat nicht einmal drei Sekunden lang hinsehen können.

Ich mag euch nicht mit vielen Links zuballern, aber diese vier sind hilfreich, wenn man sich schnell einen Überblick verschaffen möchte:

– bei Fairtrade Deutschland findet ihr z. B. eine Produkt- und Produzentenliste fair gehandelter Waren
– bei Fairtrade Kleidung könnt ihr euch über Produzenten und Anbieter (Labels, OnlineShops, Baby- und Kleinkindkleidung) informieren
– bei rankabrand könnt ihr recherchieren, wie nachhaltig die Bekleidungsmarken wirtschaften, die ihr tragt
– im Bioverzeichnis findet ihr viele weiterführende Adressen sowie Bio- und Ökoinformationen

Kneipensause der anderen Art

 

War das toll, oder was?!
Nach dem Markt ist ja immer vor dem Markt, aber so nah beieinander waren noch keine zwei: Auf die deine eigenART letzten Sonntag im Hühnerposten folgte gestern Abend prompt ein kleines Auftakt-Event namens KiezKunzt, ein kleiner Markt für Künstler und Kunsthandwerker, der, ist klar, auch mitten aufm Kiez in der Cobra Bar stattgefunden hat. Obwohl das Wetter die geplante Gartennutzung unmöglich gemacht hat und wir schließlich alle miteinander zusammengerückt Indoor ausgestellt haben, war´s von Anfang bis Ende ein enorm entspanntes, lustiges Ding, was da gelaufen ist.
Ich bin echt nicht unzufrieden und freue mich sehr, dass ich dabei war!

Vielen herzlichen Dank an Ira (Tess Tula) und Elli (Morgan Mosaik) für die Orga und den souveränen Umgang mit spontanen Änderungen aufgrund des Sturms über Hamburg!

Danke an die zahlreichen Besucher und alle Mitaussteller, es war mir ein großes Vergnügen mit Euch!

Danke fürs Hosten, Cobra!

Last but not least: Danke an die rauchende Kundschaft, die in einer Raucherkneipe den Exponaten zuliebe bis 23 Uhr mit unangezündeten Fluppen gekickert hat! :)