Likörgläser im Mid Century Stil

schnpsgläschen_2

Ich trinke eigentlich so gut wie nie hartes Zeug, trotzdem habe ich schon seit etlichen Jahren vier stinknormale, schlichte 2 cl-Gläschen im Büffet stehen. Fürs Backen zum Kleinstmengen abwiegen, jawoll!

Pläne hatte ich mit den Vieren überhaupt keine, aber als ich letztes Jahr die Kreidefarbe für das Aufmöbeln meines Kinderzimmerhockers einkaufte, habe ich gesehen, dass es besagte Farbe auch für Glas und Keramik gibt. Wollte ich dann ja schon ausprobieren und habe mir Chalky Finish für Glas in Türkis geholt. Und wenn ich ehrlich bin: Ich wollte mir nichts Heißgeliebtes verhunzen und habe mich aus dem Grund auch an den Schnapsgläschen ausprobiert, die hätte ich mit verhehrendem Ergebnis schließlich immer noch zum Backen benutzen können!

Dann jedoch kam´s anders: Das Anmalen und Einbrennen der Farbe nach mehreren Tagen Trocknungszeit hat prima geklappt, aber nur Anmalen fand ich natürlich langweilig. Also habe ich mir einen Fineliner-Porzellanmalstift in Schwarz gegriffen und mich (manchmal etwas zittrig, man sollte halt alles einfach schwungvoll durchführen) an einem grafischen Gittermuster im Retrostil versucht. Einige der so entstandenen Kästchen habe ich noch mit Schwarz aufgefüllt, fertig.
Auch diesen Auftrag habe ich nach mehreren Stunden Trocknung im Backofen bei 160° eingebrannt. Und nach dem Auskühlen erst einmal gespült, ich wollte zuerst nicht so recht glauben, dass die Farbe wirklich hält. Tut sie aber!

Und? Was glaubt Ihr, habe ich daraus nun auch mal n Likörchen getrunken?
Jaaa.
Granatapfel-Chili.
Zum Geburtstag.
:D

20170420_181857
Material:

2 cl-Likörgläschen
Kreidefarbe „Chalky Finish“ für Glas, Farbe Türkis
Marabu Porcelain Painter, Kontur & Fineliner, Farbe Schwarz

Makeover Lifetime-Hocker

20161003_124312-kopie

Als er ab 1974 in meinem Babyzimmer stand, war er weiß. Davor war er aber rot und danach (schon von mir selbst ) in Dunkelblau angestrichen gewesen. Dann 2004, als sich der Offspring ankündigte, habe ich ihn schnell in Sonnengelb umgefärbt, und so stand er bis neulich im Kinderzimmer und diente zuletzt als Nachtkästchenersatz. Vor fünf Wochen flog er aus selbigem raus und ich fand ihn ausrangiert im Flur stehen.

Zeit für´n Makeover, obwohl das Kleinstmöbel schon krumme Beinchen hat und bestimmt nicht mehr so richtig zum Draufsitzen taugt. Vermutlich wird der Hocker in erster Linie von Farbe zusammengehalten, aber den Job als kleines Beistelltischchen kann er schon noch übernehmen, deshalb ging es für ihn am ersten Oktoberwochenende ab auf den Balkon zum Aufhübschen.

Großansichten der Bilder jeweils mit Klick aufs Bild

Ich wollte wohl gern einmal Kreidefarbe ausprobieren, also habe ich mir für alle Fälle drei Chalky Finish-Farben für Holz, nämlich Beige, das wie ein ganz helles Cremeweiß wirkt, Klassikrot und Ebenholz (mei, Schwarz halt!) geholt. Die beiden letzteren habe ich dann auch tatsächlich gemischt, weil mir der Vollton Rot auf dem Hocker dann einfach zu krass war.

Natürlich kam zu aller erst die ganz doofe Arbeit: Ohne gründliches Anschleifen haftet die Farbe später nicht gut und genaugenommen gehört auch unter Kreidefarbe nach dem Abschleifen ein Anstrich mit Grundierung. Ich habe stattdessen den Hocker zweimal mit einem weiteren gründlichen Schleifvorgang zwischen den beiden Farbaufträgen gestrichen.

Ich wollte zwar von Anfang an mit zwei kontrastreichen Farben arbeiten, die schlichte, aber effektvolle Art Deco-Nummer kam mir aber erst ganz zuletzt in den Sinn, als ich mich schon in einigen floralen Spielereien verrannt hatte. Zum Glück behielt da mein Faible für Klares, nicht allzu Schnörkeliges die Oberhand!

Nach der Trocknungszeit habe ich dann also die Sitzfläche jeweils parallel zu den Kanten mit Malerkrepp abgeklebt und mit einem sehr scharfen Bastelskalpell (niegelnagelneue Klinge!) das Klebeband zurechtgestutzt. Ich benutze sonst z. B. für den Lavendeldruck immer das günstige Billigheimer-Malerkrepp, weil´s für diesen Zweck einfach ausreicht, aber in diesem Fall habe ich das teure genommen, es gut festgedrückt und die Kreppkanten noch einmal mit Kreidefarbe in Beige überstrichen, damit im Anschluss der rote Farbauftrag nicht unters Kreppband laufen konnte.

Wieder nach einer Trocknungsphase habe ich die Seitenteile der Sitzfläche und die mit Krepp abgeklebte Sitzfläche rot gestrichen. Mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden, zu grell das Ganze. Also war der zweite Anstrich schon ein dunkles Burgunder durch das Mischen mit der schwarzen Kreidefarbe. Ein dritter Anstrich folgte und nach ca. eineinhalb Stunden Trocknungsdauer habe ich das Kreppband vorsichtig gelöst.

Länger habe ich mich nicht getraut zu warten, da ich Angst hatte, ich würde bei einer „staubtrockenen“ Oberfläche wieder die Hälfte der Farbe zusammen mit dem Krepp herunterreißen. Aber so wie ich es gemacht habe, war es zumindest nicht total verkehrt, ich musste lediglich zwei kleine Stellen mit einem feinen Pinsel ausbessern. ;)

So weit, so gut. Das Ergebnis gefällt mir. Die Farbe verläuft nicht zu einer glatten Oberfläche, sondern bleibt relativ grobkörnig. Man sieht die Pinselverläufe, das muss man natürlich mögen, und der Anstrich hat einen recht matten Effekt.
Ich habe das Hockerchen nach weiteren zwei Stunden Durchtrocknung mit Möbelwachs gewachst, zum einen, weil dann der Anstrich besser geschützt ist, zum anderen finde ich dann so ein ganz leichtes „Möbelschimmern“ doch sehr apart.

Insgesamt halte ich Kreidefarben für eine schöne Sache. Da auf Wasserbasis, riecht sie überhaupt nicht, das heißt, man muss zum Verarbeiten nie auf schönes Wetter warten, weil sonst die Bude wie ne Lackiererei duftet und der Schädel brummt. Des Weiteren mag ich den antiken, etwas rauen Look, den die Farbe erzeugt. Falls mir noch in Bälde etwas „Anstreichwürdiges“ unterkommt, würde ich es wohl einmal mit dem Schablonieren versuchen. Selbstverständlich mit selbstgemachter Schablone! ;)

Hochzeitsreise

img_20160910_121327-kopieLong time no see or hear, ich weiß! Manchmal hat man im nichtvirtuellen Leben eben einfach so viele Verpflichtungen und abgesehen davon auch so viel Feines zu tun wie z. B. auf tollen Hochzeiten von sensationellen Leuten eingeladen zu sein! ;)

Nun, die Brautleute von heute haben ja in der Regel schon alles, mit einem Mixstab oder Schnellkochtopf braucht man ihnen also nicht daherkommen. In diesem speziellen Fall war sogar gar nichts außer unserem Kommen gewünscht.

Aber ohne machen wir´s nicht. Also Geldgeschenk, ein Beitrag zur Hochzeitsreise. Naheliegend war da irgendetwas mit Autos und Dosen und ‚Just married‘, da ich ja auf Kuba so viele wunderbare alte US Autos geknipst hatte; und tatsächlich fand ich eine Aufnahme, die wunderbar passte: Aufgenommen am Malecón, der Uferpromenade von Havanna, mit einem Paar auf dem Rücksitz einer Limousine und sie sogar mit wehendem Haar!

Die Idee reifte, einfach statt Dosen Geldscheine hinten an die Stoßstange zu binden und so etwas Dreidimensionales aus dem zweidimensionalen Bild herauswachsen zu lassen.

Du brauchst dazu:

  • einen Bilderrahmen
  • einen Fotoausdruck eines Wagens in Rückansicht, optional mit Schriftzug
  • Cutter/Bastelskalpell
  • Satinbänder mit einer Länge von 30 cm bis 50 cm
  • Tesafilm und doppelseitig klebendes Klebeband
  • Geldscheine

Schneide mit dem Cutter vorsichtig oberhalb der Stoßstange eine ca. 1 cm breite und 1 mm bis 2 mm hohe Öffnung.

Binde nun jeweils an beide Enden der Bänder dreimal gefaltete Banknoten und fädele die zur Schlaufe geformte Mitte des Bandes vorsichtig durch den Schlitz an der Stoßstange. Wenn Du alle Bänder eingefädelt hast, fixiere sie mit einem Streifen Tesafilm, den Du vorher durch die Bänderschlaufen führst; so kann nichts mehr herausrutschen.

Nun musst nur noch das Bild ohne Glas- oder Kunststoffscheibe in den Rahmen gesetzt werden. Für einen guten Sitz habe ich den Fotoausdruck vorher noch mit doppelseitigem Klebeband auf der hinteren Spanplatte des Rahmens fixiert.

Fertig!

Vergrößerung mit Klick aufs Bild!

Dear Ella

Ella

Nein, ich kann nicht behaupten, dass ich schon immer in Begeisterungsstürme ausgebrochen bin, wenn ich ihre Musik gehört habe. Mein Vater war ein Jazzer und ich bin praktisch vom ersten Lebenstag an mit Musik von Armstrong, Brubeck, Tom Lehrer & Co. gut versorgt gewesen. Mehr als gut versorgt. Als Teenie hat mich das ne Weile sogar genervt, denn alle anderen Eltern waren selbstverständlich Hippies gewesen (habe ich echt gedacht damals!) und hatten wenigstens die eine oder andere Stones-Platte im Regal stehen oder The Can oder Jimi Hendrix.

Bei uns zu Hause gab es außer Jazz – unerklärlicherweise – nur gelegentliche Ausflüge in den Pop wie z. B. drei Jahre lang bei Autofahrten Michael Jacksons ‚Thriller‘ auf Kassette. Also, um es jetzt einmal abzukürzen: Mit Jazz hatte ich echt längere Zeit nichts am Hut. Aber dann habe ich mich 1990 irgendwie breitschlagen lassen mit zum ausverkauften Ella Fitzgerald-Konzert im Gasteig in München zu kommen.

Frau Fitzgerald war 73 Jahre alt, sah winzig aus vor ihrem Mikro und hat die Bude gerockt oder vielmehr durchgejazzt. Wie unfassbar charmant und lustig sie war, auf eine ganz leise, angenehme Art! Und im Gegenzug dann diese Power in der Stimme, man konnte gar nicht glauben, dass diese Töne von der kleinen Person da vorne auf der Bühne erzeugt wurden.
Klar hat sie mich mit diesem nach allen Seiten Funken sprühenden Auftritt auch erreicht! Als sie dann nach der Konzertpause veranlasste, alle vorm Gasteig wartenden Fans unentgeltlich auch noch hineinzulassen, schließlich gäbe es  oben am Rang noch genügend Stehplätze, ich sag´s Euch, she had taken me by storm! Ich bin heute noch froh, damals nicht einen meiner bockigen Teenie-alles Mist und Kacke-Tage gehabt zu haben, als man mich fragte!

Heute ist Ella Fitzgerald, The first Lady of Song, auf den Tag genau 20 Jahre tot, und auch wenn mein Sohn zurzeit am liebsten Radio Energy hört, so kommt auch er nicht ganz drum herum hier ab und zu Jazz- und Bluesklängen zu lauschen. Noch findet er´s übrigens saublöd, aber da das mit dem musikalischen Horizont erweitern auch bei mir irgendwann geklappt hat, bin ich eigentlich ganz zuversichtlich! ;)

20160614_181408

Zierkissen Ella mit Hotelverschluss, Format 50 cm x 50 cm, Transferdruck auf Baumwollcanvas, die Anleitung findest Du hier.

P.S. Ich habe tatsächlich eine Aufnahme von damals auf YouTube gefunden. Magste mal reinhören?
Ella in Munich (1990)

Spielereien

Hermie 1

Neulich habe ich meinen allerersten Probedruck aus meinem Siebdruckkurs im letzten Jahr wiedergefunden, ein Bild von meinem absolut ‚liebenswertesten Lieblingsdeppen‘ Herman Munster aus der Sechzigerjahre-Fernsehserie The Munsters. Ich kenne die auch bloß, weil sie in den Achtzigerjahren im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, was ich damals unglaublich lustig fand. Ich bin eben ab und an auch sehr leicht zu erfreuen und seitdem großer Fan von Hermie, seiner Frau Lily & Co.

Sooo, zurück zum eigentlichen Thema. Er (der Print) war nicht perfekt, aber brauchbar, was also tun damit?
An die Wand hängen mit schickem DIY-Rahmen?
Nö.
Minimini-Kuschelkissen draus machen?
Nö, auch nicht.
Den ganzen Hermie auf eine Weekender Kulturtasche applizieren?
Hmmm, ja, okay, kann man machen.

Man muss ja auch nicht unbedingt einen Siebdruck hernehmen, Bilder kann man ja auch z. B. mit Transferfolie auf Stoff übertragen oder, im Hause Koje sehr beliebt, mit Hilfe eines ätherischen Öls wie beim Lavendeldruck. Wichtig ist nur, möchte man den Stempeleffekt haben, dass man sich ein Bild mit möglichst kontrastreichen Hell- und Dunkelanteilen aussucht und auf dieses dann in Photoshop  den Filter ‚Stempel‘ drüberlegt. Aber normale Aufnahmen gehen sebstverständlich auch.

Um das Stoffbild besser auf dem Untergrund fixieren zu können, habe ich auf die Rückseite Vliesofix aufgebügelt. Hermiebaby sollte aber nicht einfach schnöde im Zickzackstich appliziert werden, deshalb bekam er einen Rahmen aus  grünblauem Schrägband verpasst. Erst dann habe ich ihn auf kleinerer Stufe auf das Wachstuch aufgebügelt (ja, das geht, aber eben auf kleiner Stufe, nur, um die Appli grob zu fixieren) und konnte ihn aufgrund des Schrägbands in einem Geradstich festnähen.

Dann ging es auch schon ans Zusammennähen der Schnittteile und herausgekommen ist eine, wie ich finde, sehr famose, individuelle Kulturtasche, die perfekt für Kurztrips geeignet und auch ein sehr feines Mitbringsel ist (es muss ja nicht immer gleich Frankenstein vorne drauf sein…).

Ich denke, die nächste, die appliziert wird, wird Lily sein. Ich habe da schon so eine Idee…
:)

Liebe Grüße aus der Koje!
Tina