„Der Schein bestimmt das Sein.“

Nahaaa…habt Ihr mal wieder so richtig Lust auf ein handwerklich hochwertiges Umkleide-Selfie, das ein perfekt aufeinander abgestimmtes Outfit zeigt?
Wusste ich´s doch! ;)

We are the Mods

Es ist ja bereits wieder ein paar Monate her, dass ich einen Schatz in München beim weltbesten Vintage-Bekleidungsgeschäft Alexa´s gehoben habe.
Ein schwarzweiß kariertes Kleidchen mit Bubikragen, Original Sechzigerjahre, der Bekleidungsmarke Fritzi of California, deren Kopf und Namensgeberin Fritzi Lehmann Benesch im Übrigen 1939 aus Deutschland geflohen ist und zunächst in London, später dann in den USA Fuß gefasst hat und die Damenwelt mit einfallsreicher, erschwinglicher Mode beglückt hat. Guckt mal auf Etsy, da finden sich immer noch Kleidungsstücke von ihr!

Viel ändern musste ich an meinem Fritzi of California-Kleid nicht, lediglich die Rückenabnäher wurden sowohl nach oben als nach unten verlängert, weil das Kleid aufgrund meiner 157 cm Körpergröße auf Steißbeinhöhe eine Falte geworfen hat. Ist ja nicht wirklich was Neues, dass mir zum guten Sitz ca. 5 cm an Körpergröße fehlen.
Und keine Sorge, ich trage dieses astreine Mod-Kleidchen draußen auf der Straße nicht mit Kniestrümpfen und Chucks, das mache ich nur total geheim in der Umkleide! ;)

Mir gefällt dieser schlichte Schnitt samt Bubikragen, den ich noch vor wenigen Jahren höchst befremdlich fand, inzwischen sehr gut, sodass ich mir auf der Grundlage des Schnittmusters Mathilda, das ursprünglich mit einem kontrastierenden Vorderteileinsatz genäht wird, ein weiteres Modell Marke Modmädchen genäht habe. Es ist ein einfacher Schnitt, der für dehnbare Stoffe konzipiert wurde, es fallen also nicht zwingend Abnäher an, aber die Variationsmöglichkeiten sind enorm!
Meine abgewandelte Mathilda ist ganz schlicht aus schwarzem, hochwertigem Jersey genäht, lediglich zwei große Knöpfe als Hingucker habe ich mit kontrastierendem Stoff bezogen. Zusammen mit halbhohen Stiefeln übrigens sehr apart! Das ging aber fürs Foto nicht, Stiefel bei dampfigen 25 Grad Außentemperatur nach einem Mega-Hamburg-Unwetter, nö, wirklich nicht!

Easy Sixties Dress

Kommt die Sprache auf Mods, woran denke ich denn da überhaupt?

An The Who!
An Rebis alte Vespa, die wir im Jahr 2000 in einem kleinen Ort an der Ostsee abgeholt haben und mit der sie bis letztes Jahr in Hamburg herumgefahren ist!
Und natürlich an NATO-grüne Parkas, am besten noch gepimpt mit The Who- oder Lambretta-Aufnähern!

Die Subkultur der Mods ( „modernists“) entstand in der britischen Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht im England der späten Fünfzigerjahre unter Fans des amerikanischen Modern Jazz, Soul, Ska und R&B und entfaltete sich bis Mitte der Sechzigerjahre zu seiner vollen Blüte.
Die Abgrenzung zu anderen war wie bei allen Jugendkulturen ein wesentlicher Bestandteil des Mod-Movements, aber auch die zur eigenen, bescheidenen Herkunft. Da wurde schon einmal der Wochenlohn beim Schneider in einen Maßanzug investiert, um erfolgreich rüberzukommen.
Der übergroße Parka, der so gar nicht zum Rest des Outfits zu passen schien, kam erst später hinzu und wurde in erster Linie von den Rollerfahrern unter den Mods getragen, um die kostspielige Kleidung bei der Fahrt zu schützen. So fuhr  man denn auch mit den Vespas und Lambrettas am Wochenende im Konvoi ins Seebad Brighton, um es im angesagten Club Electric Ballroom gepflegt krachen zu lassen, oder lieferte sich regelrechte Straßenschlachten mit den Rockern, die es ebenfalls am Wochenende oft nach Brighton zog.
Also, ihr seht schon, brave Jungs`n´Deerns waren das nicht und Drogen wurden auch zuhauf konsumiert.

Quadrophenia

Lesley Ash und Phil Daniels in Quadrophenia (1979)

Ende der Siebzigerjahre erlebte die Mod-Bewegung noch einmal ein Revival. Denn nicht alle fanden Punk damals so prall, es gab auch viele, denen das einfach zu schmuddelig und zu No future war. Und ganz ehrlich, in Sachen Melodie lieferte Punk nicht gerade Klangexplosionen ab. Trotzdem bedienten sich damals Bands gern beider Musikstile, allen voran The Jam, eine der einflussreichsten  Bands des Mod-Revivals.
1979 entstand auch der Film Quadrophenia, der auf dem gleichnamigen Konzeptalbum von The Who aus dem Jahr 1973  basiert und den ich wärmstens empfehlen kann. Ich war ja nun nicht dabei, möchte aber behaupten, dass es Quadrophenia gelingt, recht authentisch die Szene der Mods darzustellen, und eindrucksvoll das damalige Lebensgefühl einfängt.
Anfang der Achtzigerjahre versandete die Bewegung wieder, blitzt jedoch insbesondere in Rollerkreisen immer einmal wieder auf und nimmt definitiv immer noch Einfluss auf Musik und Popkultur, die aus dem Vereinten Königreich kommt. Mehr als wir manchmal denken…

In diesem Sinne: We are the Mods!

Very helpful link:
http://www.modculture.co.uk/

Just like Doc Brown and Marty McFly

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Zurück in die Zukunft: DeLorean auf der Kalender Release Party ‚Girls & Legendary US Cars 2017‘ von Sway Books im Hamburger Oberhafenquartier, August 2016 

May I admire you again today? 30 Jahre PRETTY IN PINK

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Molly Ringwald fand ich toll. Als Teenie und auch schon davor.  Die hatte rote Haare, wo doch sonst alle jungen Schauspielerinnen in den US-Teeniebopperfilmen der Achtziger total blond waren. Okay, bis auf Demi Moore (ja, Leut´, die war damals auch noch jung!)…

Nun lese ich kürzlich, dass ‚Pretty in Pink‘ 30 Jahre alt wird und denke mir, komisch, so alt fühle ich mich noch gar nicht. Aber Tatsache ist, dass ich den Film gesehen habe, als er in den Kinos war. Das war 1986.

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Andie (Molly) gehört nicht zu den cool kids. Nicht mal reich ist sie. Sie passt mehr auf ihren verzweifelten Vater auf als der auf sie. Und gesteuert von dem großen Wunsch, doch einfach auch mal cool und vor allem normal zu sein, verknallt sie sich auch noch in einen aus der angesagten Highschool-Clique, den schönen Blane, der aber meiner Meinung nach eher eine ferngesteuerte Rosine statt eines Gehirns im Oberstübchen hat, lässt er sich doch von seinem absolut ekligen Neureichen-Kumpel Steff vorschreiben, wie er was zu machen hat; und der prophezeiht: ‚That girl was, is, and always will be nada!‘ In anderen Worten: Finger weg, sonst darfst du bei uns nicht mehr mitmachen!

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‚Pretty in Pink‘ steht zusammen mit ‚Ein Offizier und Gentleman‘ (but that ist a different story) bei meinen ‚Mädchen-DVDs‘. Wenn ich den Film heute sehe, habe ich immer noch enorm viel Spaß.
Mistgurke Steff muss echt verdammt oft sitzengeblieben sein, war sein Verkörperer James Spader doch damals schon weit über das Highschool-Alter hinaus; und seine blonde Cheerleader-Gespielin sah irgendwie auch nicht viel jünger aus.
Ich mochte Andies Vater (again der großartige Harry Dean Stanton!) trotz seines Phlegmas und seines Selbstmitleids. Und ich mochte Iona, die  schrille Dame und Freundin aus dem Plattenladen, in dem Andie nach der Schule jobbt. Am meisten geliebt habe ich aber den guten Duckie-Boy, Andies best buddy, der unsterblich verliebt war in sie. Er ist doch das Salz in der Suppe bzw. gibt dem Film seinen Pfeffer! Mal ehrlich, die eloquentesten Sätze stammen doch von ihm und nicht von Weichspüler Blane!

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Gewünscht habe ich mir immer, dass Andie und Duckie zusammen zur Prom Night gehen, ganz egal, ob aus den beiden nun was wird oder nicht. Duckie hat sie aber lediglich an den geläuterten Blane, dem urplötzlich ein Licht aufgegangen ist, übergeben dürfen, in den Achtzigern funktionierte das Happy End eines Teeniefilms wohl nur so. Aber es gibt etwas, was ich den anderen Duckie-Fans mitteilen muss: Ja! Ein alternatives Ende wurde damals gedreht. MEIN Wunschende! UNSER Wunschende! Jippiiiieh! Alleine das Wissen darum beruhigt mich.

Übrigens haben mir Andies Herumgeschnibbel an Ionas wunderbarem Petticoatkleid und das daraus resultierende Abschlussballkleid nicht so gut gefallen, dafür aber das, wofür selbiges stand: Sch… doch drauf, was andere denken, wie Du sein sollst / was Du tragen musst / welche Mucke Du hören musst, um angeblich mitmischen zu können! Mach mal Dein Ding und sei einfach Du selbst!

Und heute würde ich sogar noch hinzufügen: Du kannst nähen, Andie! Und die anderen so? ;)

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Alles Gute zum 30. Geburtstag, Pretty in Pink!
But I…would have picked Duckie!

Vintage Times – Kurzweil aus der Schwyz

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Vintage Times, Ausgabe 3, Dez. 15 – Feb. 16 

Zwischen den Jahren, ich war unterwegs zu den Schwiegereltern, habe ich mir im Bahnhofsbuchhandel meine erste Vintage Times besorgt. Und war total geflasht, so ein kurzweiliges Stück Magazinkultur ist das!

Die Artikel sind vielseitig, informativ und mit einer Wärme und einem Herz geschrieben, das echtes Interesse an der Geschichte und den Personen dahinter zeigt. Da haben einige Leute richtig Lust zu schreiben!
Es finden sich Städte- und Personenportraits, Interviews, die Rubriken Classic Cars für Oldtimer-Interessierte und Classy Home für diejenigen, die es sich zu Hause in jeder Hinsicht stilvoll gemütlich machen wollen. Abgerundet wird das Ganze durch Newsseiten, einen Veranstaltungskalender (der sich ja vielleicht auch bald nicht mehr nur auf die Schweiz beschränken wird?) und Buchbesprechungen sowie die Sparte Arts, in der es in der aktuellen Ausgabe unter anderem um Film Noir geht.
Insgesamt ein sehr erfrischender Rundumschlag, der dabei nie den Bezug zum Special Interest Retro und Vintage verliert, und ein grundsympathisches, sehr gut gemachtes Magazin.

You got me, babe, zum Geburtstag wünsch´ ich mir ein Abo! Und den Machern der Vintage Times ganz viel Erfolg und viele, viele neue Leser!

Es grüßt Euch recht herzlich
die Tina

P.S. Die Vintage Times ist ein noch junges Projekt und erscheint seit dem Sommer letzten Jahres vierteljährlich in unserem Nachbarland Schweiz. Sie ist direkt über die Webpage des Magazins im Abo oder als Einzelheft bestellbar und ansonsten in Deutschland im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel erhältlich.

Chewie auf Holz gebracht

Achtung Vorgeschichte!
Direkt zum Holzdruck hier lang!

„Chewie!“ ruft man bei uns zu Hause, wenn man sich den Platz vorne neben dem Fahrer im Auto sichern will. Entnommen ist der Ausruf dem Film ‚Fanboys‘, einer herzallerliebsten Hommage an Star Wars und ihre nerdigen Fans, den wir im Sommer unserem Sohn gezeigt haben, der seit seinem vierten Lebensjahr auch ein Fanboy ist, davon selbstverständlich viele Jahre lang ohne die Filme überhaupt gesehen zu haben; was nicht heißt, dass wir in diesen ersten Jahren nicht auch ständig diskutieren mussten, wann er nun endlich alt genug sei.
Mit sieben haben wir mit ihm dann Episode 4 (FSK 6) geguckt. Und geschlagen gegeben haben wir uns, nachdem ich ihm unbedachterweise erzählt hatte, dass ich ‚Die Rückkehr der Jedi-Ritter‘ (FSK 12), meine All time favourite-Episode, 1983 im Sollner Kino gesehen hätte.
„Aber da warst du ja erst neun!“ rechnete der Sohn nach.
[Ja, nun, wir waren halt nicht overprotected, obwohl meine Mutter das heute tatsächlich denkt…]

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Wir kamen zu dem Schluss: Im Gegensatz zu den ganzen modernen ‚Abenteuerfilmen‘ ist Star Wars doch einfach nur eine astreine Geschichte von Gut und Böse. Ne eindeutige Sache, nix was Kinder in Verwirrung stürzt, weil ihr Held sich als bösartiger, illoyaler Dreckskerl entpuppt.
Das hat sich nun unerwarteterweise ausgezahlt: Zu Weihnachten haben wir vom Offspring, mittlerweile 11, unter anderem einen Gutschein geschenkt bekommen, mit ihm zusammen Episode VII zu gucken. Sowas muss natürlich zeitnah eingelöst werden. Gestern, um genau zu sein. Und es war wirklich wieder ganz großes Kino. Fast wie 1983. :)


Aber vorher gab´s noch Chewie auf Holz gebracht, was ich Euch nicht vorenthalten möchte, denn bei dieser Art des Druckens finde ich vor allem den entstehenden Vintage-Effekt bzw. Shabby Chic total charmant.

Transferdruck auf Holz ist wahrlich keine Zauberei. Man braucht dazu unbehandeltes Holz, Laserausdrucke der gewünschten Motive (Schrift natürlich spiegelverkehrt!), einen Pinsel, ein Spülschwämmchen, ein Nudelholz und Acrylmedium (gibt´s in Zeichen- und Bastelgeschäften), mit dem die Farbpigmente aus dem Papier gelöst werden. Im Detail geht das so:

  1. Die Holzfläche und den Laserausdruck auf der Motivseite dünn mit Acrylmedium einpinseln.
  2. Den Ausdruck mit der bedruckten Seite nach unten auf der Holzplatte platzieren und andrücken; sodann alle eventuell vorhandenen Luftbläschen mithilfe des Nudelholzes „ausbügeln“.
  3. Gut trockenen lassen, wir haben die Hölzer gleich 24 Stunden in Ruhe gelassen.
  4. Wenn alles gut getrocknet ist, mit einem feuchten Spülschwämmchen in kleinen, kreisenden Bewegungen vorsichtig das Papier vom Holz lösen. Nicht zu stark aufdrücken, sonst läuft man Gefahr, zu viel Farbe wegzuwaschen.
  5. Trocknen lassen.
  6. Wahlweise Motiv mit etwas Acrylmedium fixieren, dann wird es leicht glänzend; der matte Effekt ohne Fixierung ist allerdings auch sehr schön!
  7. So, und wer´s aufhängen möchte, schlägt auf der Rückseite noch zwei Haken ein.
  8. Fertig!

P.S. Ich habe gehört, es soll auch mit Tapetenkleister funktionieren, wird ausprobiert (damit kann man im Übrigen auch prima Flaschenetiketten kleben!).