Zurück nach 1955

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Absolute Bombe, das Heft!
In Berlins Modenblatt vom Januar 1955 sind ja längst nicht nur Kleider vorgestellt und zwei für unsere bequemen Zeiten extrem ungewohnt vollgepackte, unübersichtliche  Schnittmusterbögen beigefügt. Nö!
Wir erfahren auch noch etwas über Rembrandt und den Kaukasischen Kreidekreis nebst einer Filmzusammenfassung des cineastischen Meilensteins ‚Hotelboy Ed Martin‘! Nicht, dass hier noch die Allgemeinbildung zu kurz kommt, man möchte schließlich gepflegt Konversation machen können!

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Im Heft enthalten sind Schnittmuster für Kostümensembles, also Röcke mit dazu passenden Kragenjacken, bürotaugliche Alltagskleider, mitunter freizügige Faschingskostüme (Bäh! Wer im Februar Geburtstag hat und in Bayern großgeworden ist, näht sich im Alter KEINE Faschingskostüme mehr!), Hausmäntel auch für den Herrn sowie Nacht- und Unterwäsche samt Büstenhalter und Frisierkragen. Des Weiteren gibt es Strickanleitungen für Hüttenschuhe, Fausthandschuhe, eine Kapuzenmütze mit typischem Schulterkragen und einen wirklich superschönen Pulli mit diagonalen Streifen (stricken müsste Frau Rü können!).

Totale Fundgrube! Bin happy! :)

Blaues Vintageblüschen aus Double Gauze

Ach, ich habe es schon wieder getan, weil ich mich in dem Schnitt so wohl fühle! Ich bilde mir ein, obwohl er so kastig aussieht, betont er angezogen durch die gut platzierten Abnäher auch die richtigen Stellen. :)

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Zum dritten Mal ist nach dem Schnittmuster Shirtbluse von Gretchen Hirsch aus dem fabelhaften Buch Rock´a`Bella eine Bluse entstanden.
Der Schnitt ist sehr schlicht und mächtig einfach zu nähen, das Ergebnis dabei aber indirekt proportional kleidsam zum Aufwand. Volle Punktzahl, besser geht es nicht! Nicht, dass ich nicht auch Nähherausforderungen lieben würde! ;)

Ich habe mich das erste Mal an Double Gauze versucht und dachte, es sei vielleicht ein bisschen tricky, weil der Stoff schon sehr flexibel ist. Ich wollte schließlich kein verzogenes Muster vernähen. Rückblickend war es tatsächlich einfach. Ich musste den Stoff zwar vor dem Zuschneiden gerade ziehen, aber das war´s dann auch schon, das Vernähen war kinderleicht.

Anders als bei meinen beiden anderen Shirtblusen habe ich bei Gr. 36 keinen seitlichen Reißverschluss eingenäht, da ich bemerkt habe, dass ich auch so ganz bequem hinein- und herausschlüpfen kann. Übrigens trage ich 38/40, Gerties Größen fallen häufig einen Tick größer aus. Wenn man es weiß und darauf achtet, kommt man mit dem Buch aber gut zurecht. Zur Not ausmessen! Sich selbst natürlich und dann den Größenschnitt! ;)

Zum Vergleich seht Ihr hier noch einmal alle drei Varianten: Links aus Viskose, in der Mitte aus mittelfester Baumwolle, rechts aus Double Gauze. Ich mag die natürlich alle gerne, aber für den Herbstübergang ist Double Gauze wohl die kuschelige Wahl für mich.

Tja, fehlt nur noch eine Wintervariante…umfunktioniert zum Pullunder aus Baumwollstrick vielleicht?!

Koje kariert

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Ja, richtig gesehen, die Koje wird diesen Herbst vom sog. Schottenkaro, dem Tartanmuster*, wieder eingeholt.
Ich wurde schon als Kind in Kilts gesteckt, mega angesagt in den Siebzigern, sage ich Euch, und als Teenie habe ich gleich so weitergemacht. Ich kann mich gut an einen rotkarierten Schal erinnern, den habe ich auch mal bis ins tiefe Frühjahr bei schon recht muckeligen Temperaturen getragen.

Ich finde, Rot passt gut zu flammenden Herbstfarben und kleckst später ein bisschen Farbe ins trübe Wintergrau hier in Deutschland. So habe ich mich entschlossen, einen Tartan in ebendieser Grundfarbe für meine Artikel zu verwenden. Er wird nicht immer als Außenstoff auftauchen, denn als kontrastreiches Innenfutter macht er sich einfach zu gut.
Ich hoffe, ich habe den Geschmack der/s einen oder anderen von Euch getroffen! Ein paar Produkte findet Ihr bereits in den Shops.

Vergrößerung  mit Klick aufs Bild möglich!

*Webmuster, das durch das Verweben verschiedenfarbiger Garne entsteht und heute hauptsächlich für schottische Kilts und Plaids verwendet wird. Die so entstandenen Karomuster repräsentieren seit dem 16. Jahrhundert bis zum heutigen Tag häufig die Zugehörigkeit in einem schottischen Clan. Rob Roy lässt schön grüssen! :)

Quite pretty in blue

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Ich habe mich doch noch spontan vorm Urlaub dran gemacht, mein famoses Vintagekleid so abzuändern, dass ich bequem hineinpasse. Zum Glück waren die Nahtzugaben extrem großzügig, sonst hätte ich mir das Kleid erst gar nicht angeschafft!

Unvorteilhaft waren ja zum einen die Keileinsätze der Armausschnitte (uuunbequem eng, für ganz dünne Ärmchen gemacht) und andererseits die Taille. Ich habe zwar vor der Änderung knapp hineingepasst, aber Nahrungsaufnahme wäre nicht drin gewesen und ich sage ohne rot zu werden: Aus der Nummer, mal ganz schnell für ein Kleidungsstück 1 bis 2 Kilo abzunehmen, bin ich komplett rausgewachsen.

Auch wenn es auf mindestens einem Foto nach unüberlegtem Kleidermassaker aussieht, habe mir bei meinem Vorgehen schon etwas gedacht. Ehrlich!

Zuallererst habe ich das Taillen-Ripsband herausgetrennt. Die Entscheidung, es nicht 2,5 cm auszulassen und auch nicht wieder einzunähen, fiel tatsächlich erst nach der letzten Anprobe, denn das Kleid sitzt auch ohne Ripsband in der Taille wie es soll.

Den Rock habe ich komplett aufgetrennt und vom Oberteil gelöst. Zwischenzeitlich gab es nur eine Verbindung zwischen den beiden und zwar den rückwärtigen Reißverschluss. Der ist noch (fast) einwandfrei und darf noch eine Weile bleiben.
Das Vorderteil des Rockes war gekräuselt und zwei Falten von ca. 15 cm Breite waren zur Mitte hin gelegt. Ich wollte es etwas weniger füllig haben und habe mich entschieden, das Vorderteil an den Seiten jeweils um diese 15 cm zu kürzen. Später habe ich die an den Seiten wieder zusammengefügten Rockteile bis auf einen Seitenabstand von 4 cm abermals eingekräuselt und an das Oberteil genäht.

Davor habe ich die eingesetzten Armkeile herausgetrennt und die Armlöcher mit einer Nahtzugabe von 1 cm komplett neu genäht sowie das Oberteil an den Seiten um jeweils 1,25 cm ausgelassen.

Nach der ersten Anprobe war klar, dass es einmal wieder nicht ohne Rückenabnäher geht, diesmal bis ganz oben hin. Und auch am vorderen Oberteil musste gebosselt werden, weil es etwas abstand. Zuerst habe ich die Körbchen an den seitlichen Nähten um jeweils 1,5 cm abgenäht nur um festzustellen, dass das Bustier schon vorher nicht symmetrisch genäht worden war. Also wieder auftrennen und nur rechts den Abnäher drin lassen. Hat geklappt, danach saß es. :)

Zuletzt kam die Fleißarbeit: Den Rocksaum per Hand annähen und auch alle Blenden des Oberteils wieder per Hand annähen. Bäh!

Ich habe sowieso gestaunt über die vielen robusten Handnähte, die dieses Kleid zusammengehalten haben, insofern hat es nun viel seiner Authentizität verloren. Aber ich muss mir einfach eingestehen: Den Ehrgeiz, alles wieder per Hand zu nähen, hatte ich von vorneherein nicht.

Und überhaupt: Hätte mich vor fünfundfünfzig Jahren einer zum Handnähen angehalten, ich garantiere Euch, Nähen wäre ganz sicher nicht mein Hobby und später mein Job geworden.

Auseinanderbauen

Free Gift

Ich konnte einfach nicht widerstehen als ich es im Januar bei Alexa´s in München sah. Es ist echt alt. Ein Vintage-Stück. Es besteht aus blauem Brokat und ich konnte bisher keine einzige Nähmaschinennaht entdecken: Reißverschluss, Ripsband, Blende, Arm- und Seitennähte, Raffung, Saum, alles per Hand genäht. Und ratet mal, wer nur mal gerade so und ganz knapp hineinpasst, weil sie keine Wespentaille hat? Genau!

Was macht man da? Man schaut sich die Nahtzugaben an und siehe da, es ist eine Menge Stoff zum Auslassen vorhanden! (Sevgi sagte neulich: Bei feinen Kleidern ist das so, da ist immer genügend Stoff zum Auslassen, das könne ich mir gleich mal merken für die Zukunft, in der ich eines Tages selbst Kleidung für andere nähen werde…harr harr…)
Ich werde das gute Stück also fast ganz auseinandernehmen, denn auch an den Armöffnungen muss ich arbeiten, da dort Armkeile eingenäht wurden, die für meine oberen Extremitäten einfach n Tick zu eng sind. Und Ihr wisst ja: Arm- und Beinfreiheit und Platz für ein Mittagessen müssen schon sein!

Ich werde berichten!

Bis dahin seid herzlich gegrüßt, Ihr Seefrauen, Landgänger und Leichtmatrosen!