Tilly & the Buttons: Verknallt in Wickelrock Miette

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Eines sage ich gleich einmal vorneweg: Ich hatte von ungefähr 1996 bis 1999 eine ausgeprägte Wickelrockphase. Danach war aber auch gut.

Als ich das Schnittmuster Miette aus dem Hause Tilly & the Buttons entdeckte, dachte ich demnach auch zuerst, wie toll doch die Front mit den großen aufgesetzten Taschen im Stil der Siebzigerjahre aussieht, aber och, nööö, n Wickelrock, muss ich nicht haben!

Irgendwann letzten Herbst bin ich dann aber doch schwach geworden und habe mir das digitale Schnittmuster geholt mit dem Hintergedanken, ein bisschen daran herum zu basteln und da einfach einen A-Linie-Rock draus zu machen.

Mir hat die Jeansversion auf dem Cover unheimlich gut gefallen (das tut sie immer noch), aber da ich bis einschließlich Weihnachten sowieso überhaupt keine Zeit und Muße zum „Privatnähing“ hatte, wurde auch kein Stoff gekauft. In der Zwischenzeit kam mir dann jedoch ein feines Leinenbaumwollgemisch (90% BW, 10% Leinen) von Sevenberry unter, das ich sowohl von der Struktur als auch vom Print her so super finde, dass meine Miette letzten Endes nun doch nicht einfarbig geworden ist.
Ich stehe generell sehr auf florale Hawaii-Prints mit Blüten und Blättern aller Art und obwohl sich die Kombi mit dem Siebzigerjahre-Schnitt irgendwie schon stark Richtung handfestem Stilbruch bewegt, kam für mich nach der Sichtung kein anderer Stoff mehr für dieses Projekt infrage.

Ich entschied mich kurzerhand, es doch einmal wieder mit einem Wickelrock zu versuchen, aber erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass  wirklich üppig gewickelt wird und ich nicht bei jedem Hamburger Windstoß halb im Freien zu stehen drohe. Jetzt nach Fertigstellung überlappen sich die Rockteile um etwas mehr als eine Lineallänge, was bei der Schwere des Stoffes vollkommen ausreichend ist.

Damit der Rock überm und nicht unterm Knie endet, denn für „Unter-Knie-Länge“ fühle ich mich zu klein, habe ich den Schnitt erst einmal gekürzt. Ja, ich weiß, die Lösung wäre, stets hochhackige Schuhe dazu zu tragen; aber, tja, danach steht mir einfach nicht immer der Sinn. Und da ich vorhatte, an der unteren Saumkante ein Einfassband anzunähen, musste auch keine Saumzugabe berücksichtigt werden, also kamen radikal ganze 10 cm weg.

Damit der Bund und die aufgesetzten Taschen mit einer Doppel- bzw. bei den Taschen Dreifachlage nicht zu starr werden, habe ich das Taschenfutter und die Innenseite des Rockbundes aus einer dünneren Baumwolle in Dunkelblau mit weißen Polka Dots zugeschnitten. Bei den beiden Bindebändern und dem äußeren Rockbund kam dann der Rest des tollen Jeansstoffs meines vorherigen Nähprojekts zum Einsatz, dessen Farbton sich auch im Schrägband des Rocksaums wiederfindet.

Miette Rock Tilly & the buttons Detail

Miette Rock Tilly & the buttons Detail 2

Die Anleitung ist wie alles von Tilly & the Buttons nicht übersetzt und bisher nur auf Englisch zu bekommen, aber absolut anfängertauglich, sehr ausführlich geschrieben und mit anschaulichen Bildern abgerundet. Ganz daran gehalten habe ich mich trotzdem nicht.

Wie man auf den Detailfotos erkennen kann, habe ich das Bindeband nicht rechts auf rechts zusammengenäht und mühsam gewendet (längliche Nähgebilde zu wenden nervt mich total!), wie das in der Anleitung beschrieben ist, sondern am unteren Rand außen knappkantig die Naht gesetzt und in einem Rutsch auch den Bund am Wickelrock nicht im Nahtschatten, sondern 2 mm darüber festgenäht und dabei die nach oben gebügelten Nahtzugaben des Rockteils mitgefasst. Sieht wunderbar aus, finde ich, und ich habe mir dieses Gefrickel erspart. :)

Ansonsten bin ich ein Riesenfan des Biesenbands und konnte es mir deshalb nicht verkneifen, die Eingriffe der Taschen mit staubblauer Paspel zu versehen. Für mich das schönste Detail an dem ganzen Rock. ;)

Fazit: Miette ist ein leichtes, einsteigergeeignetes Nähprojekt mit Erfolgserlebnisgarantie und bietet in seiner Schlichtheit genügend Spielraum für eigene Ideen.

Ich habe den Rock jetzt trotz reichlich Schneeregens schon mehrfach ausgeführt und fühle mich darin superwohl. Es mag sein, dass er eigentlich ne Sommerklamotte ist, aber ich finde, mit Stiefeln und dicker Strickjacke geht´s auch.
Außerdem: Hätte ich ernsthaft mit dem Tragen bis zu den ersten wärmeren Tagen warten können? Eben!

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P.S Ich habe mir eine Verlinkung bei RUMS erlaubt.

Einsteiger-Hosen: Vintage Jeans nach Gretchen Hirsch

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Oh, wie schön, da isse endlich, meine erste Hose, die ich Ende Dezember/Anfang Januar genäht habe!

Irgendjemand sagte mir mal, das wäre alles total einfach mit dem Hosennähen, aber ich sage jetzt lieber einmal: Das ist ein weites Feld, das ich da zukünftig beackern werde. In Sachen  Schnittmusteranpassung war die Vintagejeans nämlich definitiv mein bisher arbeitsintensivstes Projekt. Auch ‚lieber noch einmal aufgetrennt‘ habe ich relativ viel. Dafür bin ich aber jetzt hochzufrieden mit diesem schnittigen Vintageteilchen! :)

Die Jeans ist eine Variation der Cigarette Pants aus dem Buch ‚Gertie sews Vintage casual‘ von Gretchen Hirsch, den man zunächst relativ unkompliziert abwandeln kann, indem man an den Beinen seitlich außen ab der Hüfte bis zum Beinabschluss je 2,5 cm zugibt und die Beine verlängert.
Ich musste diesmal Größen miteinander kombinieren (Taille Größe 8, Hüfte Größe 6) und da ich ja nur 1,57 m groß bin, musste auch sonst fast alles angepasst werden, allen voran die Bundhöhe und der Schritt.  Mit dem hinteren Bund habe ich mich echt schwer getan (der Nahttrenner lässt Euch herzlich grüßen!), weil ich den Fehler gemacht habe, mein Hohlkreuz zuerst außer Acht zu lassen. Insgesamt habe ich dann fast 4 cm an den beiden hinteren Zuschnitten wegnehmen müssen und es nach vorne hin auslaufen lassen. Auch den Reißverschluss von 23 cm Länge musste ich um genau dieses Stück kürzen, denn ganz ehrlich, der wäre mir ja sonst fast über den ganz Hintern gegangen und das hätte ja nun echt nicht besonders apart ausgesehen.

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Einen weiteren Knaller habe ich mir dann noch zusätzlich geleistet: Ich habe die aufgesetzten Taschen nicht richtig an die vorderen Hosenzuschnitte angepasst, sodass die beiden Eingriffe jetzt sehr schmal geraten und sehr weit oben angesiedelt sind. Da kann ich ja froh sein, dass ich kleine Hände habe, ich bekomme sie tatsächlich noch hinein! Also, wenn ich die Schultern ein wenig hochziehe… ;)
Zum Glück hat die Optik nicht allzu sehr gelitten,  die Taschen mit den Kontrastnähten sehen trotzdem toll aus!

Im Gegensatz zum Original habe ich die Jeans mit recht weitem Bein genäht, da ich es gerne ein bisschen lockerer trage und insbesondere auf Enge an den Waden so gar nicht abfahre. So wie es jetzt ist, fühle ich mich in dem Kleidungsstück auf jeden Fall ganz schön wohl, und das, obwohl ich extrem lange um den Schnitt herumgeschlichen bin, weil ich mir so unsicher war, ob mir eine Hose mit derart hohem Bund und rückwärtigen Reißverschluss stehen würde.

20180104_145333Fazit: Ich kann das schon tragen, finde ich. Allerdings habe ich mir als Tüpfelchen auf dem i noch etwas dazu gegönnt, was es bis jetzt nicht bei mir im Schrank gab, und nun lacht mich ja nicht aus: Ich habe mir ne Bauch-weg-Unterhose gekauft! Echt, so eine wie Bridget Jones, aber in ner anderen Farbe! ;)
Bisher hatte ich es nicht so mit Shape Wear, aber mit fast 44 Jahren bin ich nun doch auf den Geschmack gekommen. Gut fühle ich mich damit!

Nun aber kurz noch etwas zum Material: Der verwendete Jeansstoff war ein Reststück und Superschnapper meines ehemaligen Stoffdealers Herrn J. um die Ecke. Die komplette Hose hat mich zusammen mit dem Metallreißer ganze 13 € gekostet.
Herr J. hat zwecks Lebensabend im Oktober letzten Jahres doch tatsächlich mit 79 1/2 Jahren sein alteingesessenes Stofffachgeschäft an eine große überregionale Kette verkauft. Das sei ihm echt gegönnt,  auch wenn er mir mit seiner Kauzigkeit und seinem Charme (nein, das schließt sich gegenseitig nicht aus!) ganz schön fehlt. Zum Glück haben die neuen Inhaber seine Restbestände übernommen, sodass man immer noch (zum Teil zu unschlagbaren Preisen) supertolle Bekleidungsstoffe erstehen kann.
Die Farbe des Stoffs hatte es mir gleich angetan. Sie geht so ein bisschen ins ‚Preußischblaue‘, was ich sehr mag und mich ein  bisschen an den Worker-Style der Zwanzigerjahre erinnert. Der Jeansstoff selbst ist von der mittelschweren Sorte und hat einen kleinen Elastan-Anteil. Ist nicht authentisch, ich finde so ein bisschen Dehnbarkeit aber sehr gut und praktisch!

Die Hose wird jetzt erst einmal fleißig getragen. Und dann gucke ich mal, ob ich mich bald einmal an einen modernen Hosenschnitt wage. Oder ob ich das überhaupt will! :)

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 P.S. Mit seiner ersten Hose darf man auch mal wieder zum MeMadeMittwoch, oder!? :)

 

Quilt-Kombi Tischläufer und Untersetzer

Ich habe natürlich schon wieder begonnen Material einzukaufen, schnüre aber auch fleißig Stoffpacks für die HAMB am 25. Februar und habe mal wieder eine große Tasche voll mit kleinen Stoffresten. Klar, aus einigen nähe ich Leftover-Etuis, andere sind dafür schon zu klein oder machen in Kombination mit Kunstleder irgendwie nix her.

Also habe ich mich wie letztes Jahr dem Kampf mit dem Rollschneider (mei, ich mag ihn halt einfach nicht!) gestellt und Quadrate geschnitten bzw. dieses Mal sogar gleichschenklige Dreiecke. Man muss sich ja schließlich auch weiterentwickeln, nicht wahr!?

Für n Topflappen waren es viel zu viele Dreiecke, also habe ich einen Tischläufer gequiltet, den man auch als Topfuntersetzer benutzen kann. Dafür habe ich Quadrate im Format 14 cm x 14 cm zugeschnitten und diese dann noch einmal diagonal halbiert. Naja, und dann alles irgendwie wieder mit einer Nahtzugabe von 1 cm zusammengenäht! Zuerst die Dreiecke zu Quadraten, die Quadrate zu Stoffbahnen und die Bahnen sodann aneinander genäht. Und nicht vergessen: Zwischen den Nähschritten immer gewissenhaft die Nahtzugaben auseinanderbügeln!

 

Als Trägermaterial für  das so entstandene Top habe ich dicken Baumwollmolton verwendet, der ganz wunderbar Kälte (wie bei meiner Kühltasche) sowie Hitze isoliert und deshalb eine gute Alternative zum Thermolam ist. Und da habe ich dann auch zum ersten Mal in meinem Leben wahrhaftig gequiltet, also das Top durch Absteppen in den Nahtschatten der entstandenen Quadrate mit dem Molton fest verbunden. Mit gefühlt 30 Stecknadeln für so n lüttes Ding hat das Verbinden der beiden Lagen auch fast durchgehend gut geklappt.

Da es sich lediglich um einen kleinen Quilt handelt, konnte ich auch von oben nach unten bzw. von links nach rechts „durchsteppen“, das Diagonale habe ich mir gespart. Bei größeren Quilts sollte man das allerdings nicht auf diese Weise machen, sondern immer schön in der Mitte beginnend nach außen arbeiten. So verhindert man, dass sich unschöne Stofffalten bilden, man streicht also quasi von der Mitte aus „Unebenes“ aus. Am einfachsten gelingt dies, wenn man das Top und die Füll-Lage und, wenn sie mit gesteppt werden soll, die Unterseite auf dem Boden ausbreitet. Die zuunterst liegende Schicht sollte man am Boden z. B. mit Washi Tape richtig gut fixieren, damit beim Abstecken möglichst wenig verrutschen kann. Mit Gewichten kann man selbstverständlich auch arbeiten.

Aber nun zurück zu meinem Mini-Quilt: Die unifarbene Rückseite aus Canvas  habe ich nur durch die Seitennähte bzw. dem Binding (Einfassung) mit den anderen beiden Lagen verbunden. Sollte aber reichen, oder? Hierfür fanden sich im Vorrat noch einige Meter dunkelblaues Schrägband in der Breite von 1,8 cm mit kleinen weißen Ankern drauf, das bei der Stärke der einzelnen Lagen gerade noch so gut verwendet werden konnte. Aus dem Schrägband habe ich bei zwei diagonal liegenden Ecken auch sichtbare Aufhängungen genäht. Würde ich im Falle eines nächsten Males wahrscheinlich versteckt auf der Rückseite anbringen, aber nun gut, jetzt ist es so und auf Auftrennen hatte ich dieses Mal irgendwie keine Lust… ;)

Übrigens fiel mir die Anordnung der Dreiecke erstaunlicherweise leicht, das fand sich einfach so. Und überhaupt freut mich am meisten, dass der fertige Tischläufer jetzt auch obendrein noch so aussieht, als hätte ich gaaanz lange überlegt, welche Stoffe ich denn miteinander kombinieren soll.  Habe ich aber gar nicht! Das war echtes Reste-Quilten! Zwei Fliegen mit einer Klappe also!

Haptisch ist es ein sehr feines Teil geworden und optisch mag ich es auch echt leiden, obwohl der Tischläufer / Topfuntersetzer alles andere als eine einwandfreie Arbeit ist, denn nicht alle Nähte treffen so aufeinander wie sie es sollen und ab und zu liegen meine Fixiernähte doch nicht ganz im Nahtschatten. Und manche Quadrate sind auch etwas schief geraten, mit dem Winkellineal (ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, ich hätte ein Quilt-Lineal?) darf man echt nicht nachmessen. So ein akkurat arbeitender Quilter werde ich wohl eher nicht, dazu fehlt mir tatsächlich komplett die Ambition, aber da meine Quilt-Versuche ja nur für mich sind und nicht zum Verkauf stehen: So what!?

Gerties Bleistiftkleid aus Nickisamt

 

Ach, das mit den Gegensätzen kann ja auch hinhauen, das wissen wir doch!
Also habe ich einen von Gretchen Hirsch abgewandelten Vogue-Schnitt von 1952 aus Nickisamt genäht. Ha, das weckt Erinnerungen an die Siebzigerjahre-Kindheit mit kuscheligen dunkelblauen (nicht braunen, nicht orangefarbenen!) Nickipullis!

Denn neulich beim Lageraufräumen habe ich einen Rest Nickistoff gefunden, aus dem ich vor gut drei Jahren bereits das Funnel Neck-Shirt Coco von Tilly Walnes genäht habe. Da das damals ein Restposten von 2,5 Metern war, hatte ich noch ganz schön viel davon übrig, genug für ein weiteres Bleistiftkleid nach dem Schnittmuster vom fabelhaften Gretchen Hirsch.

Obwohl der Schnitt für feste Stoffe konzipiert ist, funktionierte er bereits im Sommer ganz prima als Kurzarm-Jerseyvariante.  Klar, das hat mit echtem Nähen im Vintage-Stil nicht ganz so viel zu tun, denn ich spare mir schon so einiges an Arbeit wie z. B. den Reißverschluss im Rücken, und abgesehen davon waren Kleider aus dehnbaren Stoffen in den Fünfzigerjahren wohl auch eher nicht existent.
Ist mir aber schnuppe, dafür sind figurnahe Kleider aus dehnbaren Stoffen saubequem, so sieht´s doch aus!

Abändern musste ich diesmal auch das Vorderteil. Es besteht aus vier Schnittteilen, weil es vom Zuschnitt her sonst nicht mehr geklappt hätte. Aber nun gut, das war eben der Kompromiss und ich find´s auch nicht total daneben.
Des Weiteren habe ich die vorderen Abnäher, die man bei Gretchens grünem Kleid auf der linken Seite deutlich erkennen kann, komplett weggelassen. Das Pencildress sitzt jetzt im Gegensatz zum Originalschnitt eben nicht knalleng in der Taille, jedoch können die Abnäher immer noch nachträglich eingearbeitet werden. Im Moment fühle ich mich aber in dem Kleid wohl, so wie es jetzt ist, mit zwei Kilo weniger sähe das wahrscheinlich schon wieder anders aus. ;)

Pencildress Bleistiftkleid Gretchen HirschPencildress Bleistiftkleid Vogue Getchen Hirsch Nickistoff

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dat Gretchen                                                                   Dat Tina

Dafür bin ich, weil der Schnitt keine angesetzten Ärmel hat, nicht um das Einsetzen von Achselzwickeln, also rautenförmigen Stoffeinsätzen im Achselbereich, herumgekommen.
Ich habe ein Elefantengedächtnis und habe die Quälerei beim Nähen meines ersten Pencildress selbstverständlich NICHT vergessen. Deshalb freue mich mitteilen zu können, dass ich glücklicherweise auch diesbezüglich lernfähig bin und mir das Einsetzen beim Nickisamtkleid schon viel leichter gefallen ist: Sie sind fast perfekt eingenäht. :)

 

Generell ist es so, dass ich in Gerties Büchern zwar fleißig die Theorie über Nähtechniken und vor allem das Anpassen von Schnittmustern lese, aber eine Schnittmusteranpassung noch nie bis zum Ende durchgehalten habe. Das einzige, um das ich einfach nicht herumkomme, ist die Anpassung an meine Körpergröße. Ansonsten gehöre ich zu den Leuten, die sich während des Nähens herantasten. Dafür gibt es Renate, meine Schneiderpuppe, oder, sofern Zeit dafür ist, stecken Sevgi und Sebile in der Schneiderei ab (also während ich drinstecke, versteht sich).

Nach diesem Kleid hat das für dieses Schnittmuster jedoch ein Ende: Ich finde es so, wie es ist,  so gelungen, dass ich den Schnitt vom aktuellen Kleid abnehmen werde.

Wie macht ihr das so? Striktes Anpassen des SM an die eigenen Maße oder Freestyle-Herantasten?

Retrokühltasche aus einer Tiefkühltüte

upcycling Kühltasche aus Kühltüte

Ist auch beim Umzug ganz weit hinten in der Speisekammer aufgetaucht: Meine Tiefkühltüte von ALDI. Die ich vielleicht ca. vier Mal mithatte, wenn ich einkaufen war, inklusive dem einen Mal als ich sie gekauft habe. Ja. Wollte P. natürlich wegwerfen und was wollte ich? Das Gegenteil.

Ich mach´ da ja noch was draus!“
„Aha.“
„Ja, e-echt!“

Nun war ich aber in Zugzwang!
Zwischendurch habe ich ja aber auch mal ne Idee. Okay, zugegebenermaßen eine naheliegende. Ich hatte nämlich auch noch ein wunderbares Stück beschichtete Baumwolle, das ich einmal hinten in der Umkleide von Alexa´s gefunden hatte. Aus welchem Jahrzehnt weiß ich nicht, aber in jedem Fall mit einem ganz famosen Retromuster versehen, wie gemacht für eine richtig coole Kühltasche.

Upcycling Kühltasche aus Kühltüte
Und hier ist sie nun, die praktische, faltbare Kühltasche,  unter maximal möglicher Ausnutzung der inneren Folienbeschichtung  einer ALDI-Kühltüte.
30 cm hoch ist sie, 22 cm breit und 19 cm tief. War auch gleich im Einsatz beim Eis holen und schon beim Abendpicknick auf dem Spielplatz vorm Haus dabei.

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Habt Ihr eventuell auch noch so eine Kühltüte herumfliegen? Lust bekommen, das selbst einmal auszuprobieren?

Ich habe folgendes Material verwendet:

  • Kühltüte
  • Wachstuch
  • dicht gewebtes Baumwollmolton als stabilisierende und hitzeabsorbierende Zwischenlage
  • Reißverschluss (64 cm)
  • Schrägband zum Versäubern der offenen Kanten (1,8 cm)
  • Paspel (optional)

Achtet gleich zu Anfang darauf, dass ihr die Tüte so knapp wie möglich an der seitlichen Schweißnaht aufschneidet. So habe ich z. B. eine Fläche von 98 cm x 51 cm erhalten, mit der man ja schon einiges anfangen kann.

Das mit der Größe müsst ihr selbst entscheiden. Ich z. B. wollte die Kühltasche möglichst hoch nähen, damit ich darin auch mal eine Flasche aufrecht kühl halten kann, also habe ich mir die kürzere Seite der Kühlfolie (51 cm) vorgenommen und herumgerechnet, was am besten passen würde.

Ausgehend von der kurzen Seite habe ich dann 31 cm Höhe für die Kühltasche angesetzt und einen Streifen in der Länge des Reißverschlusses zugeschnitten, also 64 cm x 31 cm. Vom oberen Rad habe ich 4 cm abgemessen und Ober- und Unterteil  für den Reißverschlussteil zugeschnitten, das ergab zwei Streifen 64 cm x 4 cm und 64 cm x 27 cm.

Aus dem verbleibende Folienstreifen von 20 cm Breite habe ich das Ober- und Unterteil zugeschnitten, was bei mir jeweils 23 cm x 20 cm betragen hat.  Die Ecken habe ich jeweils abgerundet. Aus dem Umfang des Bodens und der Länge des Reißverschlussteils konnte ich sodann errechnen, wie breit der Streifen sein muss, der zwischen die beiden Reißverschlussenden eingesetzt werden muss und dieses Stück ebenfalls zuschneiden. Dabei müsst Ihr darauf achten, dass Ihr auch die Nahtzugaben mitberücksichtigt. (Wie man an der geöffneten Kühltasche unschwer erkennen kann, habe ich mich doch tatsächlich einmal verrechnet…aber Schrägband und ein weiteres Stück Kühlfolie haben´s gerichtet! ;) )

CAVE: Wie auch immer die Kühltasche am Ende aussehen soll, rechne zuerst genau durch und vergewissere Dich, dass Du genügend Kühlfolie für Dein Projekt hast!

Ich habe gemäß der vier Kühlfolien-Zuschnitte alle vier noch einmal aus Wachstuch und Molton zugeschnitten. Jeweils bei der Ober- und Unterseite der Tasche, also beim Deckel und beim Boden habe ich alle drei Schichten (Folie-Molton-Wachstuch) innerhalb der Nahtzugabe von 0,7 cm, also sehr knappkantig, inklusive einer olivgrünen Paspel zusammengenäht.

Für das Reißverschlussteil wurden zuerst die beiden Zuschnitte aus Wachstuch und Molton als Außenseite aufeinander genäht. Der Reißverschluss wird dann wie gehabt zwischen Außenseite und Innenfutter eingenäht. Anschließend habe ich das Reißverschlussteil mit dem Rückteil der Kühltasche zu einem Ring vernäht und die offenen Kanten im Innenfutter mit Schrägband versäubert. Ober- und Unterteil eingenäht (natürlich bei offenem Reißverschluss um wenden zu können ;) ) und auch diese Kanten im Innenfutter mit Schrägband etwas schicker gemacht.

Fertig!

Bin hochzufrieden!

 

Die Kühltasche ist tatsächlich sehr geräumig geworden. Wenn es zukünftig nur noch mit dieser famosen Tasche zum Picknicken geht, passen da locker noch ein paar Kühlelemente hinein, die Getränke und Lebensmittel länger kühl halten. Klar habe ich noch schnöde blaue Coldpacks im Gefrierfach liegen, aber mittlerweile schwöre ich auf die kleinen patentierten Breenbüdel mit der Spielfigur drin. Die übrigens alle von Kindern bespielt sind, ein richtiges Upcycling-Produkt also. Genau wie meine Kühltasche! :)

Upcycling Kühltasche mit Breenbüddel