Von Shaku, Sun und Bu

20150611_205450Auch wenn ich dann letzten Endes nur Vierecke zusammengenäht habe, möchte ich Euch diesen Auftrag zeigen, weil er eine Maßanfertigung ist und richtig ordentlich Spaß gebracht hat.
Neulich nach dem Kauf eines Koje-Artikels nämlich wurde die Frage an mich gerichtet, ob ich auch Shinai-Taschen nähen würde.

?

Wir wissen alle, wer nicht fragt, verliert!

„Was ist denn ein Shinai?“
„Das Bambusschwert im Kendo.“

Aha!

„Ja, wenn Du mir sagst, wie es aussehen soll, kann ich das bestimmt realisieren!“

Also liess der Auftraggeber nicht nur die Maße rüberwachsen, sondern kam freundlicherweise mit seinen beiden Shinais, einer weiteren Sportwaffe und dem alten, doch schon recht abgerockten Futteral aus NATÜRLICH! ganz wunderbarem Japanstoff zum Vermessen vorbei.

Und um es kurz zu machen: Ein Shinai für Männer kann ich mir unters Kinn klemmen und das Futteral ist gerade einmal fünf Zentimeter oder in japanischer Maßeinheit 1 Sun und ca. 6,5 Bu kleiner als ich. Japanische Maßeinheiten habe ich nämlich jetzt auch gleich mitgelernt.

Die Tasche hat eine ca. 23 cm lange Umschlagklappe, in der sich wiederum eine Einstecktasche mit Bindebändern für den Handschutz befindet und zwar so, dass die Öffnung nach dem Umklappen oben liegt, also nichts herausklötern kann.
Ein Klappenverschluß (den ich ja gern gemacht hätte) wiederum wurde nicht benötigt, da Shinai-Futterale mit einer traditionellen japanischen Kordel gebunden bzw. locker umschlungen und einfach über die Schulter geworfen getragen werden.

Den feinen Stoff hat sich der Kunde übrigens selbst gesucht, da hatte ich meine Finger größtenteils nicht mit im Spiel, nur den einen zum Zeigen, wo man diesbezüglich fündig werden könnte.

Ist richtig schön geworden, find´ ich!

Und wir haben wieder was gelernt, meine Damen und Herren!
:)

Japanstoffe – eine große Koje-Liebe

Das war vielleicht ein Aha-Erlebnis: Als ich vor einigen Jahren anfing zu nähen und auf meinen ersten Streifzügen durch die einschlägigen Läden auf Stoffe der japanischen Textilmanufaktur KOKKA stieß, war es stante pede  und unwiderruflich um mich geschehen und ich musste mich damals auch gleich mit der HIDE-Kollektion eindecken, die mit diesen unfassbar schönen, bunten Tiermotiven.
Nicht nur die Motive und Farben hatten es mir angetan, sondern auch die feste und qualitativ hochwertige Textur, eine Mischung aus Baumwolle und Leinen, die sich natürlich besonders gut für Taschen eignet. Ich horte bis heute Stoffe des Labels ECHINO  der japanischen Designerin Etsuko Furuya, die auf ihren besonderen Einsatz warten. Manche Stoffe müssen eben erst „gut abhängen“ bei mir. ;)

Als ich mich an den eher verspielten Designs von KOKKA ausgetobt hatte, entdeckte ich mein Faible für traditionelle japanische Muster. Ich wollte nach und nach etwas „erwachsenere“ Kulturtaschen anbieten, der Schnitt blieb derselbe. Zu Anfang kaufte ich nur kleine Reststücke auf dem Stoffmarkt, um mich auszuprobieren. In einige Resultate war ich dann aber ganz verknallt. Auch bei meinen Kunden kamen die Stoffe und Wachstücher so gut an, dass ich sie jetzt regulär verarbeite und von den eher schlichten grafischen Mustern bis hin zu den verspielteren Blumenmustern ein paar Stoffe ans Lager genommen habe.

Blaustoff – den habe ich bisher noch nicht eingekauft. Aber ich habe da schon etwas im Blick, aus dem ich eine kleine Serie nähen möchte. Ist aber fast schon wieder etwas für den Herbst, also Geduld! ;)

Und? Gefallen gefunden?
Eine ganz hervorragende Auswahl an modernen und traditionellen Japanstoffen gibt es bei kiseki, KOKKA- bzw. ECHINO-Stoffe werden mittlerweile in sehr vielen Stoffgeschäften, auch online, angeboten wie z. B. bei kleinkariert-stoffversand, Frau Tulpe und Himbeerfell.

Grüße aus der Koje!
Die Tina