Dear Ella

Ella

Nein, ich kann nicht behaupten, dass ich schon immer in Begeisterungsstürme ausgebrochen bin, wenn ich ihre Musik gehört habe. Mein Vater war ein Jazzer und ich bin praktisch vom ersten Lebenstag an mit Musik von Armstrong, Brubeck, Tom Lehrer & Co. gut versorgt gewesen. Mehr als gut versorgt. Als Teenie hat mich das ne Weile sogar genervt, denn alle anderen Eltern waren selbstverständlich Hippies gewesen (habe ich echt gedacht damals!) und hatten wenigstens die eine oder andere Stones-Platte im Regal stehen oder The Can oder Jimi Hendrix.

Bei uns zu Hause gab es außer Jazz – unerklärlicherweise – nur gelegentliche Ausflüge in den Pop wie z. B. drei Jahre lang bei Autofahrten Michael Jacksons ‚Thriller‘ auf Kassette. Also, um es jetzt einmal abzukürzen: Mit Jazz hatte ich echt längere Zeit nichts am Hut. Aber dann habe ich mich 1990 irgendwie breitschlagen lassen mit zum ausverkauften Ella Fitzgerald-Konzert im Gasteig in München zu kommen.

Frau Fitzgerald war 73 Jahre alt, sah winzig aus vor ihrem Mikro und hat die Bude gerockt oder vielmehr durchgejazzt. Wie unfassbar charmant und lustig sie war, auf eine ganz leise, angenehme Art! Und im Gegenzug dann diese Power in der Stimme, man konnte gar nicht glauben, dass diese Töne von der kleinen Person da vorne auf der Bühne erzeugt wurden.
Klar hat sie mich mit diesem nach allen Seiten Funken sprühenden Auftritt auch erreicht! Als sie dann nach der Konzertpause veranlasste, alle vorm Gasteig wartenden Fans unentgeltlich auch noch hineinzulassen, schließlich gäbe es  oben am Rang noch genügend Stehplätze, ich sag´s Euch, she had taken me by storm! Ich bin heute noch froh, damals nicht einen meiner bockigen Teenie-alles Mist und Kacke-Tage gehabt zu haben, als man mich fragte!

Heute ist Ella Fitzgerald, The first Lady of Song, auf den Tag genau 20 Jahre tot, und auch wenn mein Sohn zurzeit am liebsten Radio Energy hört, so kommt auch er nicht ganz drum herum hier ab und zu Jazz- und Bluesklängen zu lauschen. Noch findet er´s übrigens saublöd, aber da das mit dem musikalischen Horizont erweitern auch bei mir irgendwann geklappt hat, bin ich eigentlich ganz zuversichtlich! ;)

20160614_181408

Zierkissen Ella mit Hotelverschluss, Format 50 cm x 50 cm, Transferdruck auf Baumwollcanvas, die Anleitung findest Du hier.

P.S. Ich habe tatsächlich eine Aufnahme von damals auf YouTube gefunden. Magste mal reinhören?
Ella in Munich (1990)

Auf Wiedersehen, Mr. Bowie!

IMG_9694

Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich einmal um jemanden, den ich nie persönlich getroffen habe, so bitterlich weinen würde.
Von dem Moment an, in dem ich vom Tode David Bowies erfuhr, liefen die Tränen, gegen die ich eine ganze Weile machtlos war. Ich möchte Euch auch jetzt gar nicht mit meinem persönlichen Schmonzens zuballern; ich war und bin einfach nur ein Fangirl und seine Musik hat mich den größten Teil meines Lebens begleitet.

Wenn´s hart auf hart kommt, was mache ich dann?
Ja, dann wird auch genäht. Das hilft ganz oft. Auch diesmal.
Jetzt, nachdem ich nicht mehr „überzulaufen“ drohe, schleicht sich sogar schon ab und zu ein Schmunzeln ein. Was für eine Wahnsinnsshow das war! Ganz bis zum Schluss!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, Webstoff, Viskose
Schnittmuster (abgewandelt): Karin Ziegler, Kleid ‚Highland Rose‘ aus dem Buch ‚Nähen macht glücklich‘
Druckrealisation: Schablonendruck mit Freezer-Paper
Fotos: Anja Jung

Mein besonderer Dank gilt Anja, die sich mit mir bei minus 5° Celsius auf den eisigen Bahnsteig gewagt hat. Tausend Dank!

IMG_9695 2

I did not expect that I would once so bitterly weep for someone I’ve never met in person.
From the moment in which I learned of the death of David Bowie, the tears ran down, against which I was powerless for a while. I don´t want to bother you with my personal stuff; I was and am just a fangirl and his music has been with me for most of my life.

When the chips are down, what do I do then?
Yes, I also sew. This helps very often. This time, too.
Now that I no longer bubble over with tears a smile creeps across my face from time to time. What a wicked show that was! Quite to the end!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, woven, viscose
Patterns (modified): Karin Ziegler, dress ‚Highland Rose‘ taken from the book ‚Nähen macht glücklich‘
Printing production: screen printing with freezer paper
Photography: Anja Jung

My special thanks go to Anja who has ventured with me at minus 5 degrees on the platform of the icy tube station. Thank you so much!

IMG_9719

Vintage Times – Kurzweil aus der Schwyz

20151231_140035
Vintage Times, Ausgabe 3, Dez. 15 – Feb. 16 

Zwischen den Jahren, ich war unterwegs zu den Schwiegereltern, habe ich mir im Bahnhofsbuchhandel meine erste Vintage Times besorgt. Und war total geflasht, so ein kurzweiliges Stück Magazinkultur ist das!

Die Artikel sind vielseitig, informativ und mit einer Wärme und einem Herz geschrieben, das echtes Interesse an der Geschichte und den Personen dahinter zeigt. Da haben einige Leute richtig Lust zu schreiben!
Es finden sich Städte- und Personenportraits, Interviews, die Rubriken Classic Cars für Oldtimer-Interessierte und Classy Home für diejenigen, die es sich zu Hause in jeder Hinsicht stilvoll gemütlich machen wollen. Abgerundet wird das Ganze durch Newsseiten, einen Veranstaltungskalender (der sich ja vielleicht auch bald nicht mehr nur auf die Schweiz beschränken wird?) und Buchbesprechungen sowie die Sparte Arts, in der es in der aktuellen Ausgabe unter anderem um Film Noir geht.
Insgesamt ein sehr erfrischender Rundumschlag, der dabei nie den Bezug zum Special Interest Retro und Vintage verliert, und ein grundsympathisches, sehr gut gemachtes Magazin.

You got me, babe, zum Geburtstag wünsch´ ich mir ein Abo! Und den Machern der Vintage Times ganz viel Erfolg und viele, viele neue Leser!

Es grüßt Euch recht herzlich
die Tina

P.S. Die Vintage Times ist ein noch junges Projekt und erscheint seit dem Sommer letzten Jahres vierteljährlich in unserem Nachbarland Schweiz. Sie ist direkt über die Webpage des Magazins im Abo oder als Einzelheft bestellbar und ansonsten in Deutschland im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel erhältlich.

Ein E. für E.

20150526_155842

Eine neue Miss hat sich für die kommenden Tage angekündigt und ich habe von Tante, Cousine und Cousin in spe den Auftrag erhalten ihr eine Spieluhr aus einem alten Graziela-Kissenbezug zu nähen, der schon lange in dieser Familie in Betrieb gewesen ist.
Am Graziela-Design sind wir Kinder der Siebzigerjahre wohl alle nicht ganz vorbeigekommen, sehr fein, einen solch orginalen Stoff mit Familienhistorie verarbeiten zu dürfen! Und dann auch noch so ein Service: Zusätzlich zum Bezug bekam ich eine hochkopierte Vorlage vom buntkarierten Elefanten Elmar zum Modifizieren, eine Spieluhr, die Brahms´ Wiegenlied spielt, sowie ein Stickgarn in Hellgrau mitgeliefert, denn E.s Herzens-Elmar soll auch Augen bekommen.

20150526_101725Elmar von David McKee galt nur als grobe Vorlage, also habe ich hier und da eine Kante weggenommen und auch mal eine Rundung hinzugefügt. Der Rüssel bekam zusätzlich noch einmal eine Nahtzugabe von 0,7 cm, damit er nach dem Ausstopfen nicht zu dünn wirkt.

Über die Spieluhr war ich ein bisschen verwundert, denn sie hatte keine Aufhängung und ich war immer davon ausgegangen, dass man selbige im Inneren an der Aufhängekordel, die außen zu sehen ist, verankert. Das geht aber auch ohne ganz gut, sofern man die Spieluhr von allen Seiten schön mit Füllwatte polstert.
Habt Ihr da Erfahrung? Würde mich sehr interessieren!

20150526_103312 20150526_104101 20150526_110128 20150526_111119 20150526_114348 20150526_145814

Wer´s selber einmal ausprobieren will, es ist echt keine Zauberei:

1. Such´ Dir eine geeignete Vorlage für eine Spieluhr und passe diese inklusive Nahtzugaben für ein Schnittmuster an. Versuche dabei plastisch bzw. in 3D zu denken, sonst werden viele Teile etwas zu dünn bzw. mickrig nachdem sie gefüllt wurden!

2. Schneide nun das Schnittmuster zweimal aus.
Falls Du keine weiteren Schnittteile hast, überspringe Punkt 3 und mache bei 4. weiter!

3. Bei E.s Elefanten habe ich auch die Ohren im Stoffbruch zugeschnitten (Nahtzugabe nicht vergessen, ich habe 0,7 cm gewählt!) und auf die linken Ohrenseiten Vlieseline H630 gebügelt, um die Ohren plastischer erscheinen zu lassen. Sodann habe ich die Ohren rechts auf rechts mit 0,7 cm abgesteppt, jeweils am Anfang und am Ende verriegelt und eine Wendeöffnung von ca. 4 cm gelassen. Ohren gewendet, gebügelt und die Öffnung verschlossen sowie die weiteren Seiten  knappkantig mit 3 mm Abstand zur Stoffkante abgesteppt und verriegelt.
Nun können die Ohren auf die Seitenteile aufgenäht werden.

4. Falls gewünscht, sticke nun mit Stickgarn die Augen (Nase, Mund, etc.) auf die Seitenteile.

5. Nimm nun die Kordel und nähe die beiden Enden mit einem Zickzackstich (mehrfach) zusammen.

6. Lege die Seitenteile rechts auf rechts und fixiere sie mit ein paar Stecknadeln. Lege am Scheitelpunkt der Zuschnitte die Baumwollkordel mit der Schlaufe nach innen zwischen die beiden Seitenteile und fixiere sie ebenfalls mit einer Stecknadel. Das Ende der Kordel ca. 1 cm herausstehen lassen.
Jetzt steppst Du einmal rundherum. Dabei nähst Du mehrfach über die Baumwollkordel, um diese zu fixieren. An der Unterseite lässt Du eine Wedenöffnung stehen, die so groß ist, dass das Spielwerk hindurchpasst. Am Anfang und Ende der Naht das Verriegeln nicht vergessen, sodann die Nahtzugabe auf 3 mm zurückschneiden, wenden, ausformen (z. B. mit Pinselenden) und bügeln. Hier könnt Ihr Euch übrigens ansehen, wie man die Nahtzugaben bei Ecken und Rundungen händelt.

6. Die Spieluhr mit Füllwatte ausstopfen, wenn nötig, wieder ein Stäbchen oder einen Pinsel benutzen, um schwierige Stellen zu füllen. Wenn die Spieluhr prall gefüllt ist, drücke mittig eine Mulde in die Füllung und setze über die wendeöffnung das Spielwerk ein. Das Ende des Zugbands bleibt außerhalb der Füllung.

7. Nun wird´s noch einmal etwas knifflig: Du darfst nun die Wendeöffnung am besten mit einem Matratzenstich zunähen. Achte dabei darauf, dass Du nicht aus Versehen die Zugschnur mit einnähst, sondern lasse links und rechts von der Zugschnur eine Öffnung von insgesamt ca. 3 mm stehen. Verstärke die Abschlüsse rechts und links von der Zugschnur mit eine paar Stichen auf derselben Stelle, um die Naht dort stabiler zu machen.

8. Fertig, kann losgehen! :)
Und die Spieluhr ist sogar für Handwäsche geeignet!

Material:
Upcycling-Baumwolle (hier alter Kissenbezug byGraziela)
Spielwerk für Spieluhren (hier Wiegenlied von Brahms), ca. 8,50 € im Fachhandel
Füllwatte, etwas Stickgarn, eine ca. 25 cm lange Baumwollkordel, Vlieseline H630 (zur Polsterung der Ohren)

Die Welt hat ein wildes Herz!

20150327_164542 - KopieIf you´re truly wild at heart
you´ll fight for your dreams.

The good witch, Wild at heart, USA 1990

Vor einigen Wochen in München meinte se Pete plötzlich: Hast schon gemerkt, wer da gerade an Dir vorbeigegangen ist?! Ich, im Umdrehen begriffen, so: Nööö…oooh…Sail…Nicolas Cage! Ja, echt! In Thalkirchen! Die Dame hinter mir fragte auch gleich: Das war er, oder? Aber ja doch!

Ein Omen, oder?! Denn just Nicolas Cage spielt in dem Film eine Hauptrolle, um den es hier geht. Dieses Kleinprojekt hier ist meine Reminiszenz an den grandios bescheuerten, furchtbar brutalen, völlig überzogen romantischen Film Wild at heart. Und ich find´ ihn auch nach 25 Jahren immer noch wirklich ganz groß!

Ach, die Idee, die hatte ich schon länger, im letzten Herbst dann dachte ich: Nächsten Sommer machst Du das endlich! Die benötigten Materialien hatte ich seit Januar parat. Und nach vielen Stunden Arbeit darf ich jetzt endlich diese Worte sagen:

Koje presents
with at twinkle in the eye and a tickle in the heart

RUNAWAY-KIT SAILOR AND LULA

based upon the movie Wild at heart (David Lynch)

Für´s Abbhauen am Wochenende oder einfach so (genaugenommen waren Sailor und Lula ja auch nicht so lange unterwegs)!

20150319_173711

Für den Hobo SAILOR wurde Baumwolle mit einem Pythonprint verwendet. Da ich trotz viel Recherche keine Textilie mit haargenau dem Musterung von Sailors Schlangenlederjacke in Hellbraun ausfindig machen konnte, habe ich ein wenig improvisiert, man möge mir dies verzeihen. Die Farbe des Innenfutters findet sich in der äußeren Paspel in Mitternachtsblau wieder. SAILOR ist mit einem Karabiner, einer verschließbaren Innentasche fürs Telefon und einer großen Reißverschlusstasche auf der gesamten Breite der Tasche ausgestattet. Sie wird über eine äußere Lasche mit Magnetdruckknopf verschlossen.

LULA setzt sich aus einem Brillenetui und einer kleinen Reißverschlusstasche mit Handgelenksschlaufe zusammen. Für beide wurde ein dunkelblauer Baumwollstoff mit weißen Polka Dots passend zu Lulas Filmoutfit in den letzten Szenen gewählt. Das Bügeletui wurde zum Schutz der Brille mit Volumenvlies und Decovil I light ausgestattet und die Schlaufentasche mit Volumenvlies gepolstert sowie dunkelblauem gewachsten Leinen gefüttert.
Und auch wenn Lula sich im Film hauptsächlich die Zehennähel lackiert, darf ein Taschenspiegel nicht fehlen. :)

RUNAWAY-KIT SAILOR & LULA ist ein Einzelstück und ich fände es ganz großartig, wenn es bei einem wilden Herz ein Zuhause findet.

Der Plot des Films ist insbesondere für einen Lynch simpel und ich sage ohne rot zu werden, dass ich schon so manch anderen von ihm gesehen habe, den ich nicht im Mindesten verstanden habe.
Hier ist es denkbar einfach: Junge aus einfachen Verhältnissen liebt wohlhabendes Mädchen, die liebt zurück, doch die Mutter des Mädchens, eine alternde Südstaatenschreckschraube, billigt diese Verbindung nicht (nein, Leute, es ist auch bis dahin schon alles andere als eine Teenie-Klamotte!). Die beiden Liebenden brennen durch, denn Lulas Mum, die nervt nicht nur big time, die ist richtig gefährlich!
Lula muss wieder her und Sailor muss weg, deshalb schickt sie ihren aktuellen Liebhaber, einen Hänfling (so großartig: Harry Dean Stanton), und noch viel Schlimmere hinterher, um „das Kind“ zurückzuholen und Sailor zu beseitigen.

Diejenigen, die den Film kennen, wissen, dass Elvis-Fan Sailor nicht jedem x-beliebigen Gschpusi Love me tender vorsingt, sondern nur derjenigen, die er zu seiner Frau machen möchte. Und deshalb in Erinnerung an die gute alte Zeit hier noch einmal Sailor und Lula.

Now listen:

So. Muss jetzt Naseputzen und Wimperntuscheausbessern gehen, deshalb sage ich tschüs und bis denn dann, Ihr Seefrauen, Leichtmatrosen und Landgänger!

Material:
Baumwolle mit und ohne leichtem/n Stretchanteil, Volumenvlies, Decovil I light, Magnetdruckknopf, Metallkarabiner, Metallbügel in Messingoptik, Reißverschlüsse, Taschengriffe aus Kunstleder, Upcycling-Leder zur Verstärkung der Taschengriffe auf der linken Textilseite, Taschenspiegel-Rohling aus Metall.

Design Taschenspiegel: Tina/Zwölfte Koje links

Preis: 99 €
erhältlich bei Frau Lux