Staying alive mit Patina

IMG_20180505_175433_722

Ne, ich habe nun wirklich keine Bee Gees-Platten zu Hause, aber seit heute ein gerahmtes Bild der Drei. „Das hat auch schon Patina!“, würde die Uromi sagen.

Flohmarktfund Osterstraßenfest Mai 2018

„Der Schein bestimmt das Sein.“

Nahaaa…habt Ihr mal wieder so richtig Lust auf ein handwerklich hochwertiges Umkleide-Selfie, das ein perfekt aufeinander abgestimmtes Outfit zeigt?
Wusste ich´s doch! ;)

We are the Mods

Es ist ja bereits wieder ein paar Monate her, dass ich einen Schatz in München beim weltbesten Vintage-Bekleidungsgeschäft Alexa´s gehoben habe.
Ein schwarzweiß kariertes Kleidchen mit Bubikragen, Original Sechzigerjahre, der Bekleidungsmarke Fritzi of California, deren Kopf und Namensgeberin Fritzi Lehmann Benesch im Übrigen 1939 aus Deutschland geflohen ist und zunächst in London, später dann in den USA Fuß gefasst hat und die Damenwelt mit einfallsreicher, erschwinglicher Mode beglückt hat. Guckt mal auf Etsy, da finden sich immer noch Kleidungsstücke von ihr!

Viel ändern musste ich an meinem Fritzi of California-Kleid nicht, lediglich die Rückenabnäher wurden sowohl nach oben als nach unten verlängert, weil das Kleid aufgrund meiner 157 cm Körpergröße auf Steißbeinhöhe eine Falte geworfen hat. Ist ja nicht wirklich was Neues, dass mir zum guten Sitz ca. 5 cm an Körpergröße fehlen.
Und keine Sorge, ich trage dieses astreine Mod-Kleidchen draußen auf der Straße nicht mit Kniestrümpfen und Chucks, das mache ich nur total geheim in der Umkleide! ;)

Mir gefällt dieser schlichte Schnitt samt Bubikragen, den ich noch vor wenigen Jahren höchst befremdlich fand, inzwischen sehr gut, sodass ich mir auf der Grundlage des Schnittmusters Mathilda, das ursprünglich mit einem kontrastierenden Vorderteileinsatz genäht wird, ein weiteres Modell Marke Modmädchen genäht habe. Es ist ein einfacher Schnitt, der für dehnbare Stoffe konzipiert wurde, es fallen also nicht zwingend Abnäher an, aber die Variationsmöglichkeiten sind enorm!
Meine abgewandelte Mathilda ist ganz schlicht aus schwarzem, hochwertigem Jersey genäht, lediglich zwei große Knöpfe als Hingucker habe ich mit kontrastierendem Stoff bezogen. Zusammen mit halbhohen Stiefeln übrigens sehr apart! Das ging aber fürs Foto nicht, Stiefel bei dampfigen 25 Grad Außentemperatur nach einem Mega-Hamburg-Unwetter, nö, wirklich nicht!

Easy Sixties Dress

Kommt die Sprache auf Mods, woran denke ich denn da überhaupt?

An The Who!
An Rebis alte Vespa, die wir im Jahr 2000 in einem kleinen Ort an der Ostsee abgeholt haben und mit der sie bis letztes Jahr in Hamburg herumgefahren ist!
Und natürlich an NATO-grüne Parkas, am besten noch gepimpt mit The Who- oder Lambretta-Aufnähern!

Die Subkultur der Mods ( „modernists“) entstand in der britischen Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht im England der späten Fünfzigerjahre unter Fans des amerikanischen Modern Jazz, Soul, Ska und R&B und entfaltete sich bis Mitte der Sechzigerjahre zu seiner vollen Blüte.
Die Abgrenzung zu anderen war wie bei allen Jugendkulturen ein wesentlicher Bestandteil des Mod-Movements, aber auch die zur eigenen, bescheidenen Herkunft. Da wurde schon einmal der Wochenlohn beim Schneider in einen Maßanzug investiert, um erfolgreich rüberzukommen.
Der übergroße Parka, der so gar nicht zum Rest des Outfits zu passen schien, kam erst später hinzu und wurde in erster Linie von den Rollerfahrern unter den Mods getragen, um die kostspielige Kleidung bei der Fahrt zu schützen. So fuhr  man denn auch mit den Vespas und Lambrettas am Wochenende im Konvoi ins Seebad Brighton, um es im angesagten Club Electric Ballroom gepflegt krachen zu lassen, oder lieferte sich regelrechte Straßenschlachten mit den Rockern, die es ebenfalls am Wochenende oft nach Brighton zog.
Also, ihr seht schon, brave Jungs`n´Deerns waren das nicht und Drogen wurden auch zuhauf konsumiert.

Quadrophenia

Lesley Ash und Phil Daniels in Quadrophenia (1979)

Ende der Siebzigerjahre erlebte die Mod-Bewegung noch einmal ein Revival. Denn nicht alle fanden Punk damals so prall, es gab auch viele, denen das einfach zu schmuddelig und zu No future war. Und ganz ehrlich, in Sachen Melodie lieferte Punk nicht gerade Klangexplosionen ab. Trotzdem bedienten sich damals Bands gern beider Musikstile, allen voran The Jam, eine der einflussreichsten  Bands des Mod-Revivals.
1979 entstand auch der Film Quadrophenia, der auf dem gleichnamigen Konzeptalbum von The Who aus dem Jahr 1973  basiert und den ich wärmstens empfehlen kann. Ich war ja nun nicht dabei, möchte aber behaupten, dass es Quadrophenia gelingt, recht authentisch die Szene der Mods darzustellen, und eindrucksvoll das damalige Lebensgefühl einfängt.
Anfang der Achtzigerjahre versandete die Bewegung wieder, blitzt jedoch insbesondere in Rollerkreisen immer einmal wieder auf und nimmt definitiv immer noch Einfluss auf Musik und Popkultur, die aus dem Vereinten Königreich kommt. Mehr als wir manchmal denken…

In diesem Sinne: We are the Mods!

Very helpful link:
http://www.modculture.co.uk/

Dear Ella

Ella

Nein, ich kann nicht behaupten, dass ich schon immer in Begeisterungsstürme ausgebrochen bin, wenn ich ihre Musik gehört habe. Mein Vater war ein Jazzer und ich bin praktisch vom ersten Lebenstag an mit Musik von Armstrong, Brubeck, Tom Lehrer & Co. gut versorgt gewesen. Mehr als gut versorgt. Als Teenie hat mich das ne Weile sogar genervt, denn alle anderen Eltern waren selbstverständlich Hippies gewesen (habe ich echt gedacht damals!) und hatten wenigstens die eine oder andere Stones-Platte im Regal stehen oder The Can oder Jimi Hendrix.

Bei uns zu Hause gab es außer Jazz – unerklärlicherweise – nur gelegentliche Ausflüge in den Pop wie z. B. drei Jahre lang bei Autofahrten Michael Jacksons ‚Thriller‘ auf Kassette. Also, um es jetzt einmal abzukürzen: Mit Jazz hatte ich echt längere Zeit nichts am Hut. Aber dann habe ich mich 1990 irgendwie breitschlagen lassen mit zum ausverkauften Ella Fitzgerald-Konzert im Gasteig in München zu kommen.

Frau Fitzgerald war 73 Jahre alt, sah winzig aus vor ihrem Mikro und hat die Bude gerockt oder vielmehr durchgejazzt. Wie unfassbar charmant und lustig sie war, auf eine ganz leise, angenehme Art! Und im Gegenzug dann diese Power in der Stimme, man konnte gar nicht glauben, dass diese Töne von der kleinen Person da vorne auf der Bühne erzeugt wurden.
Klar hat sie mich mit diesem nach allen Seiten Funken sprühenden Auftritt auch erreicht! Als sie dann nach der Konzertpause veranlasste, alle vorm Gasteig wartenden Fans unentgeltlich auch noch hineinzulassen, schließlich gäbe es  oben am Rang noch genügend Stehplätze, ich sag´s Euch, she had taken me by storm! Ich bin heute noch froh, damals nicht einen meiner bockigen Teenie-alles Mist und Kacke-Tage gehabt zu haben, als man mich fragte!

Heute ist Ella Fitzgerald, The first Lady of Song, auf den Tag genau 20 Jahre tot, und auch wenn mein Sohn zurzeit am liebsten Radio Energy hört, so kommt auch er nicht ganz drum herum hier ab und zu Jazz- und Bluesklängen zu lauschen. Noch findet er´s übrigens saublöd, aber da das mit dem musikalischen Horizont erweitern auch bei mir irgendwann geklappt hat, bin ich eigentlich ganz zuversichtlich! ;)

20160614_181408

Zierkissen Ella mit Hotelverschluss, Format 50 cm x 50 cm, Transferdruck auf Baumwollcanvas, die Anleitung findest Du hier.

P.S. Ich habe tatsächlich eine Aufnahme von damals auf YouTube gefunden. Magste mal reinhören?
Ella in Munich (1990)

Auf Wiedersehen, Mr. Bowie!

IMG_9694

Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich einmal um jemanden, den ich nie persönlich getroffen habe, so bitterlich weinen würde.
Von dem Moment an, in dem ich vom Tode David Bowies erfuhr, liefen die Tränen, gegen die ich eine ganze Weile machtlos war. Ich möchte Euch auch jetzt gar nicht mit meinem persönlichen Schmonzens zuballern; ich war und bin einfach nur ein Fangirl und seine Musik hat mich den größten Teil meines Lebens begleitet.

Wenn´s hart auf hart kommt, was mache ich dann?
Ja, dann wird auch genäht. Das hilft ganz oft. Auch diesmal.
Jetzt, nachdem ich nicht mehr „überzulaufen“ drohe, schleicht sich sogar schon ab und zu ein Schmunzeln ein. Was für eine Wahnsinnsshow das war! Ganz bis zum Schluss!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, Webstoff, Viskose
Schnittmuster (abgewandelt): Karin Ziegler, Kleid ‚Highland Rose‘ aus dem Buch ‚Nähen macht glücklich‘
Druckrealisation: Schablonendruck mit Freezer-Paper
Fotos: Anja Jung

Mein besonderer Dank gilt Anja, die sich mit mir bei minus 5° Celsius auf den eisigen Bahnsteig gewagt hat. Tausend Dank!

IMG_9695 2

I did not expect that I would once so bitterly weep for someone I’ve never met in person.
From the moment in which I learned of the death of David Bowie, the tears ran down, against which I was powerless for a while. I don´t want to bother you with my personal stuff; I was and am just a fangirl and his music has been with me for most of my life.

When the chips are down, what do I do then?
Yes, I also sew. This helps very often. This time, too.
Now that I no longer bubble over with tears a smile creeps across my face from time to time. What a wicked show that was! Quite to the end!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, woven, viscose
Patterns (modified): Karin Ziegler, dress ‚Highland Rose‘ taken from the book ‚Nähen macht glücklich‘
Printing production: screen printing with freezer paper
Photography: Anja Jung

My special thanks go to Anja who has ventured with me at minus 5 degrees on the platform of the icy tube station. Thank you so much!

IMG_9719

Vintage Times – Kurzweil aus der Schwyz

20151231_140035
Vintage Times, Ausgabe 3, Dez. 15 – Feb. 16 

Zwischen den Jahren, ich war unterwegs zu den Schwiegereltern, habe ich mir im Bahnhofsbuchhandel meine erste Vintage Times besorgt. Und war total geflasht, so ein kurzweiliges Stück Magazinkultur ist das!

Die Artikel sind vielseitig, informativ und mit einer Wärme und einem Herz geschrieben, das echtes Interesse an der Geschichte und den Personen dahinter zeigt. Da haben einige Leute richtig Lust zu schreiben!
Es finden sich Städte- und Personenportraits, Interviews, die Rubriken Classic Cars für Oldtimer-Interessierte und Classy Home für diejenigen, die es sich zu Hause in jeder Hinsicht stilvoll gemütlich machen wollen. Abgerundet wird das Ganze durch Newsseiten, einen Veranstaltungskalender (der sich ja vielleicht auch bald nicht mehr nur auf die Schweiz beschränken wird?) und Buchbesprechungen sowie die Sparte Arts, in der es in der aktuellen Ausgabe unter anderem um Film Noir geht.
Insgesamt ein sehr erfrischender Rundumschlag, der dabei nie den Bezug zum Special Interest Retro und Vintage verliert, und ein grundsympathisches, sehr gut gemachtes Magazin.

You got me, babe, zum Geburtstag wünsch´ ich mir ein Abo! Und den Machern der Vintage Times ganz viel Erfolg und viele, viele neue Leser!

Es grüßt Euch recht herzlich
die Tina

P.S. Die Vintage Times ist ein noch junges Projekt und erscheint seit dem Sommer letzten Jahres vierteljährlich in unserem Nachbarland Schweiz. Sie ist direkt über die Webpage des Magazins im Abo oder als Einzelheft bestellbar und ansonsten in Deutschland im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel erhältlich.