Leftover-Etuis

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Also, jetzt mal ehrlich: Machen diejenigen unter Euch, die auch Textiles verkaufen, das wenigstens manchmal auch so wie ich oder findet Ihr das kolossal unprofessionell?

Ich habe mich heute mit meinen Leftover-Etuis aus der Deckung gewagt und sie bei Facebook im Rahmen von 7 Tage / Produkte / 7 Nominierungen vorgestellt. Denn sie sind, das ist ja schließlich eine Tatsache, ebenfalls ein Koje-Produkt, auch wenn sie strenggenommen ein…o neee, jetzt muss ich das wirklich schreiben…Abfallprodukt sind.

Ja, ein Abfallprodukt. Sieht man ihnen gar nicht an, nicht? ;)
Ihr glaubt gar nicht, was bei mir an kleineren Stoffresten anfällt und ich packe das nicht, die einfach wegzuwerfen.
Vor ein paar Jahren habe ich damit noch wie ein Berserker Knopfrohlinge bezogen, aber später fing ich an, kleine Etuis, mal mit, mal ohne Kunstleder, daraus zu nähen. Die Größe des Stoffrestes entscheidet dabei das spätere Format, es kommt, wie es passt. Und deshalb gibt´s die fast gar nicht im Onlineshop, sondern bei Sevgi in der Modenäherei & Boutique Kandemir, in der ich meinen Arbeitsplatz habe, sowie bei Linda im Nachmacher x, Laden und Werkstatt für individuelle Produkte, Upcycling und Mitmachangebote in Hamburg-Eimsbüttel. 

Für mich ist das inzwischen eine zufriedenstellende Maßnahme, der Stoffreste, der leftovers, Herr zu werden. Zero waste werde ich nicht schaffen, komme dem Ganzen dadurch aber etwas näher.

Was denkt ihr darüber?

Neue Motivbeutel – introducing J. S. Rüttinger

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Manche Dinge dauern eben. Darüber gesprochen haben wir nämlich schon vor zwei Jahren: Der Offspring meinte damals, ob wir später nicht einmal gemeinsame Sache machen könnten, natürlich nur, wenn auch pekuniär etwas für ihn dabei herausspränge, umsonst gäbe es seine Entwürfe nicht! ;)
Darauf erwiderte ich, dass das mit der Lizenzgebühr schon klar gehen würde, dass ja aber in erster Linie noch ein passendes Druckmotiv fehlen würde.

Vor ca. einem Jahr dann tauchte in seinen Entwürfen das erste Mal der Delfin mit der Matrosenmütze in Form einer Bleistiftzeichnung auf. Der gefiel mir ja schon sehr gut!

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Aber natürlich hat es jetzt noch einmal eine ganze Weile gedauert bis der Delfin in eine Siebdruckvorlage umgestaltet worden war.
Anlass war ein gemeinsamer Siebdrucktag in den gerade vergangenen Frühjahrsferien, an dem der Offspring  selbst einmal Sieb und Rakel ausprobieren sollte. Am Druckvortag entstand so die jetzt vorliegende Grafik, für die die Textildesignerin Linda das letzte Feintuning übernommen hat und die es zukünftig in den zwei abgebildeten Varianten geben wird.

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Der Delfinbeutel ist ein sehr ordentlich verarbeiteter, inzwischen auch GOTS-zertifizierter Biobaumwollbeutel mit einer Bodentiefe von 14 cm und breiten, komfortablen Trägern, also ideal zum Einkaufen oder für den Transport von Pfandflaschen und Altpapier. Bei uns zu Hause hat sich diese Beutelform schon vor vielen Jahren bewährt und Plastiktüten fast vollständig ersetzt, ungelogen! Die Baumwollshopper kommen  außerdem auch ganz schön rum, denn zusammengefaltet passen sie sogar in kleine Handtaschen hinein und sind so auch beim Spontaneinkauf parat.

Info J. S. Rüttinger:
Der Offspring ist 30 Jahre jünger als ich. Zu seinem 1. Geburtstag bekam er Wachsmalmäuse von Pelikan geschenkt und legte ziemlich zügig mit Zweifarb-Gekrickel los. Malen und Zeichnen gehören seitdem zu seiner Freizeitgestaltung, mal mehr, mal auch weniger. In jedem Fall ist sein Stil im Laufe der Jahre gereift.
Er bedient sich vieler verschiedener Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten wie Kreide, Bleistift, Stencil und Tempera, sein Favorit ist (und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben) der Bleistift.

P.S. In Sachen Lizenzgebühr haben wir uns geeinigt und uns an dem Prozentsatz orientiert, den auch mein Partner in crime Anja Jung vom Cosmic Shop erhält. Da gibt´s wirklich nix zu meckern! ;)

Weitgereiste Säcke – aber keine Seesäcke

Nix Japan, nix Fifties, heute geht es um Kaffeesack!

Vor einigen Wochen bekam meine Kollegin Caro von Burlemann eine Anfrage hinein, die sie freundlicherweise an mich weiterleitete: Die Kundin wünschte sich eine große, geräumige Tasche aus Kaffeesack, dem Material, mit dem Caro hauptsächlich arbeitet. Sie fertigt daraus Artikel wie z. B. Tischsets, Brotkörbe in verschiedenen Größen sowie alltagstaugliche Seesäcke, aber an eine Umhängetasche wollte sie nicht so recht ran.

Uns war beiden klar, dass sich Jute allein nicht dafür eignet, stabile, belastungsfähige Taschen zu nähen und so schlugen wir der Interessentin vor, lediglich auf die Außentaschen bedruckten Kaffeesack aufzubringen. Der Vorschlag wurde angenommen und so schickten wir Abbildungen infrage kommender Kaffeesäcke  und ich machte mich alsbald an die Schnittmustererstellung sowie den Materialeinkauf. Schwarzer Canvas sollte es sein, der zusammen mit dem derben Gurtband sehr gut zur bodenständigen Jute passt.

Die Arbeit daran hat sehr großen Spaß gemacht, insbesondere weil die Auftraggeberin, mit der zwischenzeitlich hochfrequent zwischen dem Schwarzwald und Hamburg hin- und hergemailt wurde, immer unfassbar fix reagierte. So hatten wir schnell eruiert, welche Ausschnitte vernäht werden sollen und die Arbeit ging schnell voran.

Hier ist nun das Ergebnis nach Maßangaben der Auftraggeberin:

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Breite 35 cm, Höhe 32 cm, Bodentiefe ganze 22 cm!
Geräumige „Lehrertasche“ aus schwarzem Canvas kombiniert mit Kaffeesack, ausgestattet mit zwei Reißverschluss-Seitentaschen, einer aufgesetzten Außentasche mit Klappe und Magnetschließe sowie zwei großen Reißverschlusstaschen und Karabiner für Schlüsselband im Innenfutter. Der abnehmbare Tragegurt wird mittels Karabiner in zwei 14 mm-Ösen eingehakt, zwei Tragegriffe runden die Tasche ab.

Nach dieser erstmaligen Zusammenarbeit haben Caro und ich besprochen, dass  Burlemann und Zwölfte Koje links diesen Service in Zukunft anbieten werden: Auf Bestellung fertigen wir robuste Taschen mit „Kaffeesackanteil“, vorzugsweise nach vorhandenen Schnitten, aber auch eine Schnittmusterkonzeption nach genauen Maßangaben können wir in den meisten Fällen anbieten.
Bitte beachtet, dass wir den Kaffeesack nicht als tragendes, also mit Gewicht zu belastendes Taschenteil einsetzen können, sondern nur als aufgesetzte Dekoration. Dies kann auf Taschenklappen, aufgesetzten Taschen oder auch auf einem Teil des Taschenkorpus erfolgen. Das Grundmaterial der Tasche muss jedoch immer ein festes Material wie z. B. Baumwollcanvas oder Tyvek sein.
Bei Interesse schreibt gerne an Caro, denn sie sucht, findet und lagert die Kaffeesäcke, während ich ausführende Kraft sein werde.

Aufräumen mit Rollschneider

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Im Januar war vorgezogener Frühjahrsputz und sowas von Aufräumen im Stofflager angesagt. Dabei wurden wie üblich Stoffe aussortiert, für die sich irgendwie doch kein Projekt findet. Da trifft es sich dann auch gut, dass wir diesen Monat wieder bei der HAMB in der LOLA in Hamburg Bergedorf mit einem Stand vertreten sind. Denn letztes Jahr hatte ich erstmalig Stoffpacks mit, die dort sehr gut angenommen wurden.

Tja, ich finde beim Aufräumen aber natürlich auch Reststücke, die kann man beim besten Willen niemandem mehr verkaufen wollen, zu klein. Aber wegwerfen? Schaffe ich nicht! Und nicht alle sind zum Knöpfebeziehen geeignet. Also habe ich was total Krasses gemacht: Ich habe meine Stoffscheren links liegen gelassen, den ungeliebten, kaum benutzten Rollschneider hervorgeholt und damit Quadrate im Format 12 cm x 12 cm zugeschnitten. Einige. Viele. Und dann habe ich es einfach mal ausprobiert, das mit dem Patchworken. Die Beginner-Version mit einfachen Quadraten kann ich tatsächlich empfehlen, zur Resteverwertung, denn ein Patchworker, der meterweise Patches aus neu gekauftem Stoff zuschneidet, werd´ ich wohl eher nicht!

Mein so entstandener Kissenbezug ist mit einer Nahtzugabe von 1 cm genau 50 cm x 50 cm groß geworden. Staubgrüne Paspel rundherum, Endlosreißverschluss eingenäht, fertig! Blöd nur, dass da jetzt ein Stapel Patches übriggeblieben ist, der zurück ins Lager wandert. Aber sei´s drum. ;)

Was macht n Ihr so aus Stoffresten?

P. S. Wen aufwändigere Patchwork-Arbeiten in wirklich tollen Farb-und Musterkombis interessieren, der darf übrigens gerne bei uns in der Schneiderei in Hamburg in der Rutschbahn 5 vorbeischauen, denn dort stellt momentan Bianca von gespür.Design aus. Von der großen Patchworkarbeit bis hin zur kuscheligen Babydecke aus GOTS-zertifiziertem Biojersey haben wir gerade alles da!

Tschüs Plastiktüte! Wir steigen um!

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Ja, ne, nicht Jute statt Plastik, sondern einfach Mehrweg statt Einweg! Gibt doch so viele Alternativen: miniklein faltbare, langlebige Polyesterbeutel, bedruckte Stoffbeutel, selbst genähte Einkaufstaschen, PET-Taschen von der Supermarktkasse, einmal gekauft, unzählige Male im Einsatz!

Seit 1. April 2016 gilt die freiwillige Selbstverpflichtung im Einzelhandel, Plastiktüten nur noch gegen ein Entgelt beim Einkauf abzugeben. Diesem Vorgehen liegt eine Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und dem Handelsverband Deutschland  zugrunde, eine EU-Richtlinie umzusetzen, nämlich den Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten auf 40 Stück im Jahr zu senken.

Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn es statt der freiwilligen Selbstverpflichtung gleich eine gesetzliche Regelung gegeben hätte, die nicht nur Plastiktüten, sondern auch Papiertüten (für deren Produktion diverse Chemikalien und ein fast doppelt so hoher Energieaufwand vonnöten sind) mit einschließt, obwohl ich mittlerweile den Eindruck gewonnen habe, dass bereits viele umgedacht haben und versuchen auf Plastiktüten ganz zu verzichten. Das finde ich sensationell gut, denn das mit dem Umdenken, das fällt uns Deutschen ja so manches Mal enorm schwer: Ich kann mich noch sehr gut an den Unmut einiger erinnern, als 2003 die Pfandpflicht für Einwegflaschen und Dosen in Kraft trat und ich direkt nach Silvester das erste Mal mit meinen leeren Mineralwasserflaschen in der Schlange stand. Ernsthaft ausgesprochen wurden damals Worte wie „Wo kommen wir denn da hin?! Wir sind doch hier in Deutschland! Ich habe auch Wichtigeres zu tun!“. Heute ist das normal und das Gemotze von damals mutet fast irrwitzig an.
Analog dazu bekommen  wir es  bestimmt auch noch hin, die Nutzung von Plastiktüten auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren! Man muss sich lediglich angewöhnen, zusammen mit Schlüssel, Geld und Telefon auch noch nen Büdel einzupacken und den dann auch mindestens 25 Mal zum Einsatz kommen lassen. Ist absolut machbar, oder?!

Alternativen gibt´s genug, die sich in der Regel gut in Handtaschen, Rucksäcken und Manteltaschen verstauen lassen wie z. B. folgende (Klick drauf, ich habe die alle verlinkt!):

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Übrigens: Bei Deutsche Umwelthilfe e. V. findest Du eine kompakt zusammengefasste Übersicht über die am meisten verbreiteten Tüten- und Tragetaschen-Typen.