Eddie-Shirt mit U-Boot-Ausschnitt

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Irgendwann im Laufe des Jahres habe dann auch ich bemerkt, dass ich mittlerweile überwiegend selbst genähte Shirts trage. Ich habe da so fünf, sechs Lieblinge, die sehr oft im Einsatz sind. :)

Einer meiner Favoriten ist z. B. das Shirt-Schnittmuster „Liv“ von pattydoo, das ich vor Urzeiten einmal in der Variante mit einem U-Boot-Ausschnitt gekauft habe; und das ich noch nie so genäht habe, wie es gedacht ist, denn den Saumbund habe ich immer weggelassen und so leicht ausgestellte A-Linie-Shirts erhalten, die ich aufgrund meiner Körpergröße in der Länge um ca. 4 cm gekürzt habe.

Nicht gerade extravagant, aber figurschmeichelnd, bequem und superkleidsam für mich, finde ich. Und wandelbar, denn obwohl es ganz klar Casual ist, kann man da mit einer Schleife seitlich am Ausschnitt oder elastischer Borte an den Säumen Akzente setzen, sodass man es auch zu festlicheren Anlässen tragen kann.

Für den Moment erfreue ich mich sehr an meiner neuesten Liv, die ich selbst im Siebdruckverfahren bedruckt habe. Bei dem satten Grünton des Jerseys war mir schon beim Kauf klar, dass da einer aus der The Munsters-Familie drauf muss. Und weil Eddie der jüngste Neuzugang auf dem Siebdruckrahmen ist (der eigentlich für dieses Produkt beschichtet wurde), fiel meine Wahl auf ihn.

In diesem Sinne:

„Isn’t anybody going to say how lovely I look?“

Eddie Wolfgang Munster
(Folge: My Fair Munster)

T-Shirt mit Bubikragen

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Neulich traf mich der Eifer Kleidung auszusortieren volle Breitseite. Das musste ausgenutzt werden! Anders als sonst gab es diesmal auch keine Gnade für die Teile hinten im Schrank, die ich seit Jahren bei jeder Flohmarkt-Sortierung immer wieder einräume, weil ich sie doch so schön finde, aber die ich irgendwie trotzdem nicht mehr trage. Die flogen diesmal raus, alle!

Dann gab es aber auch das kleine, traurige Häufchen Kleidung, das überhaupt nie getragen wurde, klassische Fehlkäufe. Darunter befand sich auch ein T-Shirt, das ich nur wegen seiner Farbe gekauft hatte, dessen Ausschnitt ich, nun ja, vor dem Kauf akzeptabel, aber danach absolut indiskutabel fand. Viel zu eng!

Fast wäre es auch in der Flohmarkttüte gelandet.
Ja, aber die Farbe fand ich doch so schön!

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Also stöberte ich ein wenig im Netz. Und fand dort auch eine mögliche Lösung, wenn man es ein wenig verspielt und Retro mag: Auf dem Blog der Tagträumerin mit dem bürgerlichen Namen Laura, einer gelernten Schneiderin, Designerin und Verfasserin von Nähbüchern, gibt es einen schon älteren Beitrag über ein T-Shirt-Upcycling. Sie zeigt darin, wie man einen Bubikragen an einen individuell zugeschnittenen T-Shirt-Ausschnitt annäht. Die Idee finde ich genial und das Anfertigen des Schnittmusters sowie die Umsetzung aufgrund der bebilderten Anleitung ganz leicht.

Für meinen Kragen habe ich ein Stück Baumwolle mit einem Mid Century-Retromuster auf einem hellen Gelb gewählt. Den Ausschnitt habe ich fast gar nicht vergrößert, sondern lediglich die Einfassung des Ausschnitts weggeschnitten. Da mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm gearbeitet wird, wird ebendieser Ausschnitt ja noch einmal ein gutes Stück prominenter, sobald der Kragen an das Shirt angenäht wurde.

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Ich bin sehr angetan.  Das Teil kommt jetzt nicht mehr nach hinten in den Schrank. Glück gehabt, liebes T-Shirt! ;)

Carmen-Shirt auf die ganz einfache Tour

Carmen Shirt

 

Als ich noch im Textilfachhandel gearbeitet habe und meine Kolleginnen und ich wegen  neu eingetroffener Stoffe in Verzückung gerieten, fiel häufig der Satz: „Ich darf den gar nicht kaufen, erst, wenn ich dafür ein Projekt gefunden habe.“ Aber sehr oft haben wir uns nicht daran gehalten und man schnitt sich dann doch ein Stück ab unter den verständnisvollen Blicken der anderen.

Letzten Winter auf einem Markt lief es mal wieder genauso: Ich kaufte von meiner Kollegin Y. ein Stück Jersey der Größe 0,5 m x 1,50 m. Und ich wusste natürlich da auch erst nix damit anzufangen, fand ihn einfach nur unfassbar schrill. Tja, und die Gestaltungsmöglichkeiten für „Erwachsenenkleidung“ ist bei der geringen Stoffmenge ja auch eher begrenzt.
Dann kamen endlich die ersten warmen Tage und ich guckte mich im Netz nach einem Schnittmuster für ein Carmen-Shirt mit gerafftem Ausschnitt um. Ich fand im Ranking ziemlich weit oben eine Zeichnung einer Carmen-Bluse, für die es bei der Hobbyschneiderin auch eine Anleitung gibt. Nach der ich aber nicht nähen konnte, da ich nicht genug Stoff zur Verfügung hatte, um je ein Vorder- und Rückenteil mit angesetzten Ärmeln  zuzuschneiden. Mir kam jedoch durch die Zeichnung eine Idee: Ein horizontal gestrecktes  Sechseck als Vorder- und Rückenteil und ein Trapez als Ärmel. Alles gerade Linien, keine Rundungen. Ehrlich, mehr ist es nicht. Für das Schnittmuster Maß genommen habe ich folgendermaßen:

  • Taillenumfang halbiert plus 6 cm (hier ist die Nahtzugabe von 0,7 cm schon enthalten) = untere und obere Breite des „Vorder- und Rückenteil-Sechsecks“ (bei den Winkeln des Trapezes habe ich experimentiert und schließlich oben mit 120 Grad, unten mit 110 Grad angesetzt)
  • Oberkörperlänge gemessen von der Drosselgrube bis zur Taille plus 3 cm (davon untere Nahtzugabe 0,7 cm sowie 2,3 cm für den Tunnel am Halsausschnitt, durch den das Flachgummi gezogen wird = Länge des Vorder- und Rückenteils.
    CAVE: Dies gilt nur, wenn man ein Taillenbündchen von 5 cm Breite annähen möchte und das Shirt auf Taillenhöhe enden soll, also wenn man es zu Röcken und High Waist-Hosen tragen möchte. Ohne Bündchen, aber auf Taille gebracht würde ich 10 cm zugeben.
  • Oberarmumfang, damit ich das Gummiband für den Ärmeltunnel gut anpassen kann und es später beim Tragen nicht einschneidet; des Weiteren zum Oberarmumfang 4 cm dazu addieren, so erhält man die untere Breite des Ärmel-Trapezes. Wenn man nun zur unteren Breite 15 cm dazu addiert, erhält man die obere Breite des Ärmels. Die Ärmellänge habe ich abgeschätzt, indem ich am Vorderteil die Länge der kürzeren oberen Seite, an die die Ärmel genäht werden, abgemessen habe und dazu für die Kurzarmvariante 10 cm dazu addiert habe (8 cm Ärmellänge plus 2 cm zur Tunnelbildung).

Genäht wird entweder mit der Overlock oder auf der Haushaltsnähmaschine mit Zickzack- oder, wenn vorhanden, mit Overlock-Stich.

Carmenshirt Kopie

Nachdem ich die Ärmel an Vorder- und Rückenteil genäht hatte, bekam ich zugegebenermaßen Zweifel, ob ich da nicht doch einen Denkfehler drin habe: Das Gebilde sah aus wie ein U-Boot! Aber seit dem Einziehen des oberen Gummis geht es eindeutig als Carmen-Shirt durch!

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Für die Tunnel an Halsausschnitt und den Ärmeln habe ich 2 cm umgeklappt und mit einem Geradstich längs genäht. Die Wendeöffnung beträgt jeweils ca. 5 cm und eingezogen habe ich ein 0,5 cm starkes Flachgummi, mit 0,7 cm geht es aber bestimmt auch.
An der Gummibandlänge für den Halsausschnitt habe ich einfach herumprobiert, wie weit oder eng es mir selbst am besten gefällt, also grob verknotet und ins Kleidungsstück reingeschlüpft bis es mir gefiel. Das würde ich auch immer empfehlen, da Gummis oft sehr unterschiedlich dehnbar sind, eine Längenangabe gibt´s deshalb von mir nicht.

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Ich bin reichlich zufrieden mit dem Schnitt. Den nähe ich mir noch einmal unifarben oder meliert. Aber natürlich nur wenn mir der richtige Stoff übern Weg läuft. ;)

Material:

  • dehnbarer Stoff, am besten Jersey oder Interlock (Länge in der Abmessung des Vorder- und Rückenteils bzw. zzgl. der Ärmellänge, wenn man das Shirt aus einem Stoff nähen möchte, Stoffbreite muss mind. 1,40 m betragen)
  • Flachgummi zwischen 1,50 m und 2 m

 

Umziehen till kingdom come

Einfach mal auf die Gefahr hin, dass ihr herzlich über mich lachen müsst: Mir hat der Umzug vom 4. Stockwerk links in den 4. Stock rechts im selben Haus einiges an Kraft abverlangt. Es ist vielleicht ein bisschen so wie mit den Schülern, die zwar nur einen Katzensprung von der Schule entfernt wohnen, aber irgendwie sehr oft zu spät zum Unterricht erscheinen: Man denkt, das kriegt man easy hin, hat massig Zeit, etc., aber irgendwie rennt einem dann plötzlich die selbige davon.

Wenn man viele Bücher, DVDs, CDs und anderes Gedöns hat, wenn man vierzehneinhalb Jahre in ein und derselben Wohnung gelebt hat, in der sich natürlich enorm viel angesammelt hat, wenn dann zusätzlich irgendein übler Renovierscheiß durch die gestellten Handwerker passiert und man schließlich auf eigene Kosten Frau P., Malermeisterin des Vertrauens, kommen lassen muss, damit man überhaupt termingerecht umziehen kann, und wenn, und das war wirklich das Allerschlimmste, eine nächtelang schreiende Betty the cat Null Bock auf Revierwechsel hat und schon gar nicht in die Feindeswohnung, in der Lotti the cat vorher gewohnt hat, dann, ja dann hat man einfach KEINEN easy Umzug, OBWOHL man ja nur auf dem Stockwerk umzieht.

Wir haben es jetzt geschafft. Betty auch. Die markiert hier und da zaghaft und frisst und schläft noch im Katzen-Pheromone-Zimmer, allgemein bekannt als Wohnzimmer.

Also insgesamt? War das ein echt saudoofer Umzug! Aber ich habe natürlicht ein paar   schockierende / skurrile / coole Sachen gefunden, die mir in dem ganzen Chaos auch einmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben.

Wollt ihr vielleicht mal sehen?

Links seht ihr meinen wichtigsten Fund: Frank, von mir von klein auf Frankieboy genannt (yep, richtig, meine Eltern hatten bei der Namenswahl ihre Finger im Spiel). Er ist meine erste Puppe und die einzige, mit der ich je etwas anfangen konnte. Frankieboy hatte nie Jungsklamotten an. Das wird auch nix mehr, vermute ich, der kann froh sein, dass er Unterhosen anhat.

Rechts ein Minipulli, Gr. 62, in den wir doch tatsächlich den Offspring reingesteckt haben. Fragt mich nicht, wo der Strickpulli herkommt, der war plötzlich im Haushalt, gekauft habe ich den nicht…aber vielleicht bekommt Frank ihn jetzt?

Oha, those were the days! Bikerboots mit Kaktus-Stickerei! Habe ich in den Neunzigern angezogen! Im Ernst jetzt! Und nebendran in für mich heute untragbarer Kleidergröße 34 ein schwarzes Samtoberteil mit Perlenfransen und seitlichem Reißverschluss aus den Sechzigerjahren. Habe ich auch getragen, aber ich denke, es ist an der Zeit, dafür eine neue Besitzerin zu finden, denn ich werde da nie mehr hineinpassen. Interessenten vor! Ansonsten weiß ich ja, wo ich anfragen könnte! ;)

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Zu guter Letzt habe ich unheimlich schicke Interieur-Sachen aus meiner Lieblingsdesign-Zeit gefunden: Ein Kaktusbänkchen, was eigentlich schon wieder so cool ist, dass man sich ein paar kleine Kakteen anschaffen sollte, sowie einen Kissenbezug mit Rüschen und der typischen Printgrafik dieser Zeit. Flohmarktfund von ca. 1997 auf Kampnagel in Hamburg.

Na, nun richten wir uns erst einmal ein und ich gelobe Besserung in Sachen Homepage- und Blogpflege. Und bald nehme ich mir auch wieder die Zeit für mich zu nähen. Ich freue mich nach dieser Chaos-Episode auf jeden Fall sehr auf die kommende Zeit! :)

Bis denn dann, Ihr Seefrauen, Landgänger und Leichtmatrosen! Vielleicht sehen wir uns ja bald einmal auf einem der Märkte oder in der Schneiderei Kandemir!

Auf jeden Fall erst einmal einen famosen 1. Mai!

Gestatten, Lieblingssweater Ida

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Ich bin ja gerade im Winter großer Fan des Zwiebellooks und manche belächeln auch meine Vorliebe für schwarze Fleecejacken, von denen ich drei Stück habe, die seit vielen Jahren immer schön nacheinander zum Einsatz kommen. Die Sweater-Fraktion in meinem Schrank ist tatsächlich recht überschaubar, aber als ich nun gefragt wurde, ob ich das Schnittmuster für IDA testen und zur Probe nähen möchte, war ich beim Anblick schon ganz verschossen, weil mir die Passe samt Eingrifftaschen mit blitzendem Innenfutter so gut gefielen. Da gibt es ja unendliche Variationsmöglichkeiten! Sportiv oder edel einfarbig, schlicht oder farbenfroh, mit oder ohne elastische Paspel, etc. p.p. …und auch fertig genäht ist nix von meiner Begeisterung für Pulli IDA aus dem Hause Kreativlabor Berlin auf der Strecke geblieben.
Den Schnitt gibt´s samt sehr ausführlicher Anleitung in den Größen 34 bis 48. Im Schnittmuster enthalten sind auch die Stoffzugaben, falls man den Pulli ohne Ärmel- oder Bauchbündchen nähen möchte.

Ausgesucht hatte ich mir einen grünmelierten Sweat, den ich mit einem graumelierten Jersey kombiniert habe, auf dem Blumen ranken und Vögel zwitschern. Ja, ich weiß, aber an dem bin ich einfach nicht vorbeigekommen und als Kombistoff finde ich ihn auch nicht zu krass. Abgerundet durch das schwarze Bündchen habe ich jetzt einen schrillschönen Pulli, den ich bestimmt viel tragen werde.

IDA kann natürlich auch aus Strickware genäht werden, eigentlich geht alles, was dehnbar ist. Falls ich also an einem Strickstoff vorbeikomme, der mich so richtig umhaut, wird es in Kürze noch eine zweite IDA in der Koje geben. Aber nur dann! Ist ja nicht so als ob ich meine drei Fleecejacken ausmustern wollen würde…  ;)