Retro-Jacke Clara von lillestoff

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Ne, im Ernst, ich bin ja gar nicht andauernd auf der Jagd nach neuen Schnittmustern, ich nähe ja hauptsächlich meine eigenen Schnitte für Euch, deshalb kriege ich auch 99 % der Neuerscheinungen gar nicht mit und stoße dann Monate / Jahre / ja, auch Jahrzehnte später durch Zufall auf etwas, was ich interessant finde und dass dann auf meiner Liste landet; was aber nicht heißt, dass es zeitnah eingekauft und realisiert wird.

Jacke Clara war so ein Fall. Letzten Herbst entdeckte ich sie auf einer Facebook-Seite und war gleich ganz verschossen in das schöne Retroteil. Und an allen, die Clara genäht und verbloggt hatten, sah sie auch noch super aus! An allen, echt wahr!

Ich also diesen Monat endlich den Schnitt gekauft, auf den ich dann noch ein paar Tage warten musste, weil´s die lillestoff-Schnittmuster gar nicht digital zum Download gibt. Aber Vorfreude ist ja…ach, ihr wisst schon. :)

Den Stoff für Clara habe ich mir bei kleinkariert Stoffversand geholt und zwar einen hellblauen Mini-Jacquard in Bioqualität von ALB Stoffe aus der Hamburger Liebe-Kollektion ‚Into the wild‘, den ich so extrem entzückend finde, dass ich ihn am liebsten noch auf Halde in anderen Farben geshoppt hätte. Aber noch konnte ich´s mir verkneifen! Es gilt gerade: Zuerst das Projekt, dann der Stoff. ;)

So! Nun aber zu Clärchen:
Die Anleitung ist vom Text her sehr überschaubar und enthält nur wenige Zeichnungen, sodass sie definitiv nix für Anfänger ist. Hat man aber schon ein bisschen Erfahrung im Kleidernähen und in der Arbeit mit dehnbaren Stoffen, sollte die Realisation kein Problem darstellen. Beim Übertragen des Schnittmusters auf den Stoff müssen die Nahtzugaben extra angezeichnet werden, da diese im Schnittmuster nicht enthalten sind. Empfohlen werden 1 cm bis 1,5 cm. Da ich in erster Linie mit der Overlock gearbeitet habe, habe ich mich gleich für eine Nahtzugabe von 0,7 cm entschieden. Größentechnisch stecke ich laut angegebener Größentabelle gerade zwischen 38 und 40, dachte mir aber, dass mein Umfang im Frühjahr ja eh wieder weniger wird und schnitt deshalb die Größe 38 zu. War auch gut so!

Jacke Clara lillestoff hellblau

Beim Nähen war für mich das Einsetzen des fertig genähten Ärmels in den fertig genähten Korpus Neuland. Hat auf Anhieb gut geklappt, obwohl ich sonst immer so verfahre, die Ärmel- und die Seitennähte des Oberteils in einem Rutsch zu verschließen, wie wahrscheinlich viele andere von Euch auch.
Absolut schmuck finde ich auch das Ergebnis, wenn man die Blenden mit der Einlage vor dem Bügeln miteinander verstürzt, also rechts auf rechts (die Klebefläche der Vlieseline gilt als linke Seite!) an den offenen Kanten des Schnittteils vernäht, dann wendet und ausformt und erst zuletzt festbügelt. Ergibt eine superschicke, saubere Kante, habe ich vorher nie drüber nachgedacht!
Das einzige, was ich echt frickelig fand, war das Verschließen des Wendelochs an der hinteren Stoßkante zwischen Korpus und Saum. Das lag aber am Stoff, denn der Jacquard rollt sich stark ein, so dass das Vernähen mit dem Matratzenstich für mich ein ziemlicher Kampf gewesen ist, denn die Oberteil-Stofflage soll ja zwischen den beiden Bündchen-Stofflagen liegen. Das Ergebnis, naja, ist okay, habe ich aber schon besser gemacht.

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Die Anprobe war dann allerdings auch erst einmal enttäuschend: Clara und ich, wir sahen zusammen aus wie A… mit Eimer. Einzig die Schulternähte saßen da, wo sie sitzen sollen. Ansonsten sah Größe 38 an mir jedoch viel zu kastig aus, um  einfach drei Häkchen als Verschlüsse anzubringen und die Jacke vorne etwas auseinanderklaffen zu lassen. Und sie offen zu tragen ging schon gleich dreimal nicht, das sah aufgrund der Beschaffenheit des Stoffes dann endgültig nach Lappen aus! Ja, Mist!
Also musste Puppe Reni das Jäckchen anziehen, und ich probierte, ob ich die Vorderseiten auch überlappen lassen könnte. Was war ich froh, dass das die Lösung war! Clara hat nun Knopflöcher und eine Knopfleiste selbst bezogener Knöpfe und die auslaufenden Enden des Bubikragens treffen von vorne betrachtet nur ein ganz klein wenig zu weit links aufeinander. Da sehe ich jetzt aber mal großzügig darüber weg!

Fazit: Sehr schönes Retroschnittmuster für Fortgeschrittene! Und ich kann nur wieder betonen: An allen Damen, an denen ich Clara gesehen habe, sah die Variante mit den Knebelverschlüssen oder Häkchen gut aus. Ich selbst plane lieber eine Knopfleiste für zukünftige Claras ein, denn wir zwei werden dicke Freundinnen! Ich hätte Bock auf ne Strickvariante!

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Einsteiger-Hosen: Vintage Jeans nach Gretchen Hirsch

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Oh, wie schön, da isse endlich, meine erste Hose, die ich Ende Dezember/Anfang Januar genäht habe!

Irgendjemand sagte mir mal, das wäre alles total einfach mit dem Hosennähen, aber ich sage jetzt lieber einmal: Das ist ein weites Feld, das ich da zukünftig beackern werde. In Sachen  Schnittmusteranpassung war die Vintagejeans nämlich definitiv mein bisher arbeitsintensivstes Projekt. Auch ‚lieber noch einmal aufgetrennt‘ habe ich relativ viel. Dafür bin ich aber jetzt hochzufrieden mit diesem schnittigen Vintageteilchen! :)

Die Jeans ist eine Variation der Cigarette Pants aus dem Buch ‚Gertie sews Vintage casual‘ von Gretchen Hirsch, den man zunächst relativ unkompliziert abwandeln kann, indem man an den Beinen seitlich außen ab der Hüfte bis zum Beinabschluss je 2,5 cm zugibt und die Beine verlängert.
Ich musste diesmal Größen miteinander kombinieren (Taille Größe 8, Hüfte Größe 6) und da ich ja nur 1,57 m groß bin, musste auch sonst fast alles angepasst werden, allen voran die Bundhöhe und der Schritt.  Mit dem hinteren Bund habe ich mich echt schwer getan (der Nahttrenner lässt Euch herzlich grüßen!), weil ich den Fehler gemacht habe, mein Hohlkreuz zuerst außer Acht zu lassen. Insgesamt habe ich dann fast 4 cm an den beiden hinteren Zuschnitten wegnehmen müssen und es nach vorne hin auslaufen lassen. Auch den Reißverschluss von 23 cm Länge musste ich um genau dieses Stück kürzen, denn ganz ehrlich, der wäre mir ja sonst fast über den ganz Hintern gegangen und das hätte ja nun echt nicht besonders apart ausgesehen.

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Einen weiteren Knaller habe ich mir dann noch zusätzlich geleistet: Ich habe die aufgesetzten Taschen nicht richtig an die vorderen Hosenzuschnitte angepasst, sodass die beiden Eingriffe jetzt sehr schmal geraten und sehr weit oben angesiedelt sind. Da kann ich ja froh sein, dass ich kleine Hände habe, ich bekomme sie tatsächlich noch hinein! Also, wenn ich die Schultern ein wenig hochziehe… ;)
Zum Glück hat die Optik nicht allzu sehr gelitten,  die Taschen mit den Kontrastnähten sehen trotzdem toll aus!

Im Gegensatz zum Original habe ich die Jeans mit recht weitem Bein genäht, da ich es gerne ein bisschen lockerer trage und insbesondere auf Enge an den Waden so gar nicht abfahre. So wie es jetzt ist, fühle ich mich in dem Kleidungsstück auf jeden Fall ganz schön wohl, und das, obwohl ich extrem lange um den Schnitt herumgeschlichen bin, weil ich mir so unsicher war, ob mir eine Hose mit derart hohem Bund und rückwärtigen Reißverschluss stehen würde.

20180104_145333Fazit: Ich kann das schon tragen, finde ich. Allerdings habe ich mir als Tüpfelchen auf dem i noch etwas dazu gegönnt, was es bis jetzt nicht bei mir im Schrank gab, und nun lacht mich ja nicht aus: Ich habe mir ne Bauch-weg-Unterhose gekauft! Echt, so eine wie Bridget Jones, aber in ner anderen Farbe! ;)
Bisher hatte ich es nicht so mit Shape Wear, aber mit fast 44 Jahren bin ich nun doch auf den Geschmack gekommen. Gut fühle ich mich damit!

Nun aber kurz noch etwas zum Material: Der verwendete Jeansstoff war ein Reststück und Superschnapper meines ehemaligen Stoffdealers Herrn J. um die Ecke. Die komplette Hose hat mich zusammen mit dem Metallreißer ganze 13 € gekostet.
Herr J. hat zwecks Lebensabend im Oktober letzten Jahres doch tatsächlich mit 79 1/2 Jahren sein alteingesessenes Stofffachgeschäft an eine große überregionale Kette verkauft. Das sei ihm echt gegönnt,  auch wenn er mir mit seiner Kauzigkeit und seinem Charme (nein, das schließt sich gegenseitig nicht aus!) ganz schön fehlt. Zum Glück haben die neuen Inhaber seine Restbestände übernommen, sodass man immer noch (zum Teil zu unschlagbaren Preisen) supertolle Bekleidungsstoffe erstehen kann.
Die Farbe des Stoffs hatte es mir gleich angetan. Sie geht so ein bisschen ins ‚Preußischblaue‘, was ich sehr mag und mich ein  bisschen an den Worker-Style der Zwanzigerjahre erinnert. Der Jeansstoff selbst ist von der mittelschweren Sorte und hat einen kleinen Elastan-Anteil. Ist nicht authentisch, ich finde so ein bisschen Dehnbarkeit aber sehr gut und praktisch!

Die Hose wird jetzt erst einmal fleißig getragen. Und dann gucke ich mal, ob ich mich bald einmal an einen modernen Hosenschnitt wage. Oder ob ich das überhaupt will! :)

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 P.S. Mit seiner ersten Hose darf man auch mal wieder zum MeMadeMittwoch, oder!? :)

 

Nostalgiecampen in der Hauptstadt

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Ein 100 %-iges Fundstück für Vintageliebhaber, auch wenn der Hüttenpalast in Berlin-Neukölln bestimmt auch für viele andere ein Heidenspaß ist!

Neben ganz regulären Hotelzimmern betreibt der Hüttenpalast nämlich in einem Hinterhof zwei aneinander angrenzende Hallen, die alte Wohnwägen und Holzhütten beherbergen und obendrein mit viel Liebe zum Detail dekoriert wurden (Holzskier, prall gefüllte Kassettenkoffer, Opas „voll bewappnete“ Wanderstöcke, etc. pp.). Sozusagen ein Indoor-Campingplatz, der einen stark an Familienurlaube aus der Kindheit erinnert.

Vor jeder Hütte befindet sich eine Sitzgelegenheit mit Tisch, sodass außerhalb der Schlafstätten sehr feines Campingfeeling herrscht. Aber keine Sorge, in den Behausungen schläft man nicht der Authentizität wegen auf Campingliegen, sondern nächtigt in sehr bequemen Betten bzw. auf Matratzen. Und auch die Sanitäranlagen erinnern zum Glück nicht an die früheren Gemeinschaftswaschräume auf Zeltplätzen, die man damals selbst mit Adiletten nur ungern betreten hat. Bett und Bad sind also modern (und absolut sauber). Sonst aber kann und soll man sich ruhig ein wenig der Nostalgie vergangener Tage hingeben. Seht selbst!

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P. S. Echt gutes Frühstück kann man natürlich für 9,50 € dazu buchen, als kleine Aufmerksamkeit und im Preis inbegriffen sind jedoch Obst und Croissants, die morgens ganz still und leise auf der Kaffeetheke in der Halle platziert werden. Nett, oder? Da wird der erste Kaffee ja vorm Wohnwagen getrunken! :)

Näh-Rückblick 2017: Tops & ein Flop

Für mich hat nach Weihnachten die ruhigste Zeit des Jahres begonnen und so kann ich gerade viel für mich und die Meinen nähen und mir die Zeit nehmen, in Sachen Schneidern dazuzulernen und Neues auszuprobieren. Ich bin schon dabei! So ganz ohne Zeitdruck. :)

Auch habe ich Revue passieren lassen, was ich im letzten Jahr für mich genäht habe. Insgesamt war´s sehr Jersey-lastig und es ist nur eine Handvoll Kleidung genäht worden,  obwohl ich tatsächlich  mit viel mehr Schnittmustern geliebäugelt habe. Aber die liebe Zeit! Und dann hat man ja auch nicht gerade wenig schon im Kleiderschrank liegen!
Andererseits habe ich wohl die Prioritäten bei der  Auswahl der Schnittmuster richtig gesetzt, denn nix ist blöder als ne Schrankleiche zu nähen und ich ziehe fast alle 2017 genähten Teile supergerne an.

Den Anfang machte das Langarmshirt Mathilda, das es in einer Schnittmusterkombi aus Kleid und Shirt vom Kreativlabor Berlin in vielen Varianten gibt.

Der Einsatz meines mintfarbenen Shirts ist aus ganz feingeripptem Bündchen, aus dem ich auch die Ärmelabschlüsse genäht habe. Damit´s noch ein bisschen mehr her macht,  gab´s von mir auch noch ne Baumwollpaspel in Offwhite, die den „Latz“ noch einmal ein bisschen mehr hervorhebt. Sehr verspielt, trage ich jetzt schon den zweiten Winter recht gerne!

Später im Jahr nähte ich dann in Anlehnung an das Schnittmuster ein in der Taille abschließendes und sehr gut sitzendes El día de los muertos-Shirt, das man extrem gut zu Röcken und Hosen mit hohem Bund tragen kann.

Kleid Mathilda Kreativlabor Berlin

Mathilda in der Variante als Kleid habe ich selbstverständlich auch genäht!
Zuerst schwebte mir ein „Gouvernantenkleid“ aus schwerem Jersey vor, ohne kontrastreichen Einsatz und komplett Schwarz mit weißem Bubikragen, aber letztendlich gefiel mir dann das kleine Schwarze mit zwei großen stoffbezogenen Zierknöpfen besser.

Fazit: Der Schnitt sowie die Anleitung dazu sind  wie jedes Mal aus dem Hause Kreativlabor absolut anfängertauglich und aufgrund der vielen Variationsmöglichkeiten ihren Preis mehr als wert!

Im Frühjahr probierte ich mich dann an einem Carmenshirt aus, für das ich selbst ein einfaches Schnittmuster konzipierte.
Das Shirt links endet mit einem Bündchen knapp unterhalb der Taille, sodass auch dies ein Oberteil ist, das ich nur zu Röcken und Hosen mit hohem Bund trage (bauchfrei war für mich in den Neunzigern…). Der Schnitt lässt sich jedoch in der Länge leicht abwandeln, indem man die Trapezhöhe des Vorder- und Rückteils verändert, und so entstand im Herbst eine längere Variante mit Dreiviertelärmeln, die ich auch zu meinen alten Jeans mit eher niedrigem Bund tragen kann, ohne dass ich ständig an dem Shirt herumzuppeln muss.

Fazit: Das ist alles andere als einen raffinierter Schnitt, aber er funktioniert! Und ist bequem! Und ist schnell genäht! Und ist anfängertauglich!

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Im Juli wagte ich mich an ein Experiment und nähte das Bleistiftkleid aus dem Buch Rock´a`Bella von Gretchen Hirsch. Aus Jersey. Für das der Originalschnitt aus den Fünfzigern natürlich nicht gedacht ist.
Es funktioniert. Ohne Reißverschluss im Rücken und mit einem Nahtband als Verstärkung des Rückenausschnitts.

Dies ist tatsächlich eines meiner Lieblingsteile geworden und ich hätte es gern öfter getragen, wenn nur der Hamburger Sommer ein klitzekleines bisschen besser gewesen wäre.;)

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Weil´s aber im Sommer so gut geklappt hat, habe ich mir im Herbst noch ein Gretchen Hirsch Pencil Dress aus Nickisamt genäht, diesmal mit Dreiviertelärmeln.
Auch hier hat es ohne Reißer im Rücken und mit Nahtband beim Rückenausschnitt nahezu fantastisch geklappt und ich möchte nicht ohne einen gewissen Stolz hervorheben, dass ich auch die Achselzwickel, die bei längeren Ärmeln eingenäht werden müssen, diesmal ziemlich souverän und mit nur einer Nahtkorrektur gemeistert habe. Auf den Fotos stehe ich mal wieder gut im Futter, sodass es gerade oben herum ein weeenig zu knapp geraten ist, aber ich fühle mich trotzdem wohl drin (und außerdem schaue ich jetzt noch genauso aus).

Fazit: Nach dreimaligem Nähen dieses Kleides und vielen Anpassungen an meine Figur besitze ich nun mein persönliches Schnittmuster in diesem Kleid.
Die Anleitungen von Gretchen Hirsch sind definitiv nix für Anfänger, aber für Nähbegeisterte, die schon ein wenig Erfahrung im Nähen von Kleidung haben,  durchaus einen Versuch wert. Vielleicht eben doch erst einmal, wie es sowieso empfohlen wird, aus Nessel oder günstigem Stoff ein Probestück nähen. Sagt natürlich wieder einmal die Richtige… ;)

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Bevor ich nun zum grauenhaften Megaflop des Jahres komme, zeige ich Euch noch meinen absoluten Lieblings-Shirtschnitt LIV von pattydoo in der Variante mit U-Boot-Ausschnitt.
Vor Urzeiten habe ich den auch einmal so genäht, wie er gedacht ist, also mit Hals-, Ärmel- und Saumbündchen. Dann habe ich gemerkt, dass die leichte A-Linie perfekt für mich ohne Bund funktioniert und lediglich am Halsausschnitt geringfügig geändert werden muss.
Das Ringelshirt z. B. hat eine Blende am Halsausschnitt, während mein eigens bedrucktes Eddie Munster-Shirt lediglich mit 1,3 cm Nahtzugabe umgenäht wurde. Ich stehe auf beides und diesen Schnitt sowieso! Der wurde mittlerweile schon oft genäht und wird es sicherlich auch immer wieder!

Jacke Handmade Kultur 2016

Hier aber nun zu meinem persönlichen Oberflop des Nähjahres 2017, eines Blousons, den ich nach einer Anleitung von Handmade Kultur (Ausgabe 3/2016) versucht habe zu realisieren. Dafür habe ich ein lange gehortetes Reststück Hahnentritt-Cord von meinem Stoffdealer um die Ecke rausgekramt, der glücklicherweise nicht die Welt gekostet hat. Probestück? Fehlanzeige, wisst ihr ja!
Mit der Anleitung bin ich eher schlecht klargekommen, ich schätze aber auch, dass dicker Cord sowie die Unterfütterung mit Volumenvlies einfach ne Runde zu viel für den Schnitt waren. Ich hatte enorme Probleme die Ärmel einzusetzen wie man unschwer auf dem Foto erkennen kann (es sieht Sch… aus, sind wir mal ehrlich) und obwohl ich Gr. 40 gewählt und ganz sicher nicht die Nahtzugaben vergessen habe, damit unter Umständen auch mal n Hoodie oder ne Fleecejacke darunter passen, ist die ganze Chose extrem eng geworden und ich sehe insbesondere mit geschlossenem Reißverschluss aus, als ob ich mich in eine zu kleine Jacke gezwängt hätte. Unbequem ist sie auch noch, ich habe immer das Gefühl, es zieht mir die Schultern nach oben.

Fazit: Ich hatte an dieser Anleitung wenig Freude und kann sie guten Gewissens nur Leuten mit sehr viel Näherfahrung empfehlen. Am besten wäre, man kennt sich im Jacken- und Pattentaschen-Nähen eh schon gut aus!
Mein Nähergebnis ist absolut untragbar und wanderte im Ganzen in die Restekiste. Wer weiß, eventuell kann ich ja vom Stoff noch etwas retten, wenn ich mal Bock habe, das Ding komplett aufzutrennen, denn das Muster und auch die Braun-Violett-Kombi finde ich schon ziemlich gut.

Nun bin ich gespannt, welche interessanten Schnittmuster mir 2018 unterkommen und was ich davon tatsächlich nähen werde. Es gab ja schon ne Hose dieses Jahr (meine erste!), aber mehr vom Hosennähen ein andermal!

Ausprobieren möchte ich aber generell mehr Hosenschnitte, das Jäckchen CLARA von lillestoff sowie das Plaid Rockabilly Dress aus Gertie´s Ultimate Dress Book.
Ebenfalls in die engere Wahl sind das Kleid ETTA sowie der Rock MIETTE von Tilly & the Buttons gekommen. Ich werde berichten!

Gerties Bleistiftkleid aus Nickisamt

 

Ach, das mit den Gegensätzen kann ja auch hinhauen, das wissen wir doch!
Also habe ich einen von Gretchen Hirsch abgewandelten Vogue-Schnitt von 1952 aus Nickisamt genäht. Ha, das weckt Erinnerungen an die Siebzigerjahre-Kindheit mit kuscheligen dunkelblauen (nicht braunen, nicht orangefarbenen!) Nickipullis!

Denn neulich beim Lageraufräumen habe ich einen Rest Nickistoff gefunden, aus dem ich vor gut drei Jahren bereits das Funnel Neck-Shirt Coco von Tilly Walnes genäht habe. Da das damals ein Restposten von 2,5 Metern war, hatte ich noch ganz schön viel davon übrig, genug für ein weiteres Bleistiftkleid nach dem Schnittmuster vom fabelhaften Gretchen Hirsch.

Obwohl der Schnitt für feste Stoffe konzipiert ist, funktionierte er bereits im Sommer ganz prima als Kurzarm-Jerseyvariante.  Klar, das hat mit echtem Nähen im Vintage-Stil nicht ganz so viel zu tun, denn ich spare mir schon so einiges an Arbeit wie z. B. den Reißverschluss im Rücken, und abgesehen davon waren Kleider aus dehnbaren Stoffen in den Fünfzigerjahren wohl auch eher nicht existent.
Ist mir aber schnuppe, dafür sind figurnahe Kleider aus dehnbaren Stoffen saubequem, so sieht´s doch aus!

Abändern musste ich diesmal auch das Vorderteil. Es besteht aus vier Schnittteilen, weil es vom Zuschnitt her sonst nicht mehr geklappt hätte. Aber nun gut, das war eben der Kompromiss und ich find´s auch nicht total daneben.
Des Weiteren habe ich die vorderen Abnäher, die man bei Gretchens grünem Kleid auf der linken Seite deutlich erkennen kann, komplett weggelassen. Das Pencildress sitzt jetzt im Gegensatz zum Originalschnitt eben nicht knalleng in der Taille, jedoch können die Abnäher immer noch nachträglich eingearbeitet werden. Im Moment fühle ich mich aber in dem Kleid wohl, so wie es jetzt ist, mit zwei Kilo weniger sähe das wahrscheinlich schon wieder anders aus. ;)

Pencildress Bleistiftkleid Gretchen HirschPencildress Bleistiftkleid Vogue Getchen Hirsch Nickistoff

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dat Gretchen                                                                   Dat Tina

Dafür bin ich, weil der Schnitt keine angesetzten Ärmel hat, nicht um das Einsetzen von Achselzwickeln, also rautenförmigen Stoffeinsätzen im Achselbereich, herumgekommen.
Ich habe ein Elefantengedächtnis und habe die Quälerei beim Nähen meines ersten Pencildress selbstverständlich NICHT vergessen. Deshalb freue mich mitteilen zu können, dass ich glücklicherweise auch diesbezüglich lernfähig bin und mir das Einsetzen beim Nickisamtkleid schon viel leichter gefallen ist: Sie sind fast perfekt eingenäht. :)

 

Generell ist es so, dass ich in Gerties Büchern zwar fleißig die Theorie über Nähtechniken und vor allem das Anpassen von Schnittmustern lese, aber eine Schnittmusteranpassung noch nie bis zum Ende durchgehalten habe. Das einzige, um das ich einfach nicht herumkomme, ist die Anpassung an meine Körpergröße. Ansonsten gehöre ich zu den Leuten, die sich während des Nähens herantasten. Dafür gibt es Renate, meine Schneiderpuppe, oder, sofern Zeit dafür ist, stecken Sevgi und Sebile in der Schneiderei ab (also während ich drinstecke, versteht sich).

Nach diesem Kleid hat das für dieses Schnittmuster jedoch ein Ende: Ich finde es so, wie es ist,  so gelungen, dass ich den Schnitt vom aktuellen Kleid abnehmen werde.

Wie macht ihr das so? Striktes Anpassen des SM an die eigenen Maße oder Freestyle-Herantasten?