Tilly & the Buttons: Verknallt in Wickelrock Miette

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Eines sage ich gleich einmal vorneweg: Ich hatte von ungefähr 1996 bis 1999 eine ausgeprägte Wickelrockphase. Danach war aber auch gut.

Als ich das Schnittmuster Miette aus dem Hause Tilly & the Buttons entdeckte, dachte ich demnach auch zuerst, wie toll doch die Front mit den großen aufgesetzten Taschen im Stil der Siebzigerjahre aussieht, aber och, nööö, n Wickelrock, muss ich nicht haben!

Irgendwann letzten Herbst bin ich dann aber doch schwach geworden und habe mir das digitale Schnittmuster geholt mit dem Hintergedanken, ein bisschen daran herum zu basteln und da einfach einen A-Linie-Rock draus zu machen.

Mir hat die Jeansversion auf dem Cover unheimlich gut gefallen (das tut sie immer noch), aber da ich bis einschließlich Weihnachten sowieso überhaupt keine Zeit und Muße zum „Privatnähing“ hatte, wurde auch kein Stoff gekauft. In der Zwischenzeit kam mir dann jedoch ein feines Leinenbaumwollgemisch (90% BW, 10% Leinen) von Sevenberry unter, das ich sowohl von der Struktur als auch vom Print her so super finde, dass meine Miette letzten Endes nun doch nicht einfarbig geworden ist.
Ich stehe generell sehr auf florale Hawaii-Prints mit Blüten und Blättern aller Art und obwohl sich die Kombi mit dem Siebzigerjahre-Schnitt irgendwie schon stark Richtung handfestem Stilbruch bewegt, kam für mich nach der Sichtung kein anderer Stoff mehr für dieses Projekt infrage.

Ich entschied mich kurzerhand, es doch einmal wieder mit einem Wickelrock zu versuchen, aber erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass  wirklich üppig gewickelt wird und ich nicht bei jedem Hamburger Windstoß halb im Freien zu stehen drohe. Jetzt nach Fertigstellung überlappen sich die Rockteile um etwas mehr als eine Lineallänge, was bei der Schwere des Stoffes vollkommen ausreichend ist.

Damit der Rock überm und nicht unterm Knie endet, denn für „Unter-Knie-Länge“ fühle ich mich zu klein, habe ich den Schnitt erst einmal gekürzt. Ja, ich weiß, die Lösung wäre, stets hochhackige Schuhe dazu zu tragen; aber, tja, danach steht mir einfach nicht immer der Sinn. Und da ich vorhatte, an der unteren Saumkante ein Einfassband anzunähen, musste auch keine Saumzugabe berücksichtigt werden, also kamen radikal ganze 10 cm weg.

Damit der Bund und die aufgesetzten Taschen mit einer Doppel- bzw. bei den Taschen Dreifachlage nicht zu starr werden, habe ich das Taschenfutter und die Innenseite des Rockbundes aus einer dünneren Baumwolle in Dunkelblau mit weißen Polka Dots zugeschnitten. Bei den beiden Bindebändern und dem äußeren Rockbund kam dann der Rest des tollen Jeansstoffs meines vorherigen Nähprojekts zum Einsatz, dessen Farbton sich auch im Schrägband des Rocksaums wiederfindet.

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Die Anleitung ist wie alles von Tilly & the Buttons nicht übersetzt und bisher nur auf Englisch zu bekommen, aber absolut anfängertauglich, sehr ausführlich geschrieben und mit anschaulichen Bildern abgerundet. Ganz daran gehalten habe ich mich trotzdem nicht.

Wie man auf den Detailfotos erkennen kann, habe ich das Bindeband nicht rechts auf rechts zusammengenäht und mühsam gewendet (längliche Nähgebilde zu wenden nervt mich total!), wie das in der Anleitung beschrieben ist, sondern am unteren Rand außen knappkantig die Naht gesetzt und in einem Rutsch auch den Bund am Wickelrock nicht im Nahtschatten, sondern 2 mm darüber festgenäht und dabei die nach oben gebügelten Nahtzugaben des Rockteils mitgefasst. Sieht wunderbar aus, finde ich, und ich habe mir dieses Gefrickel erspart. :)

Ansonsten bin ich ein Riesenfan des Biesenbands und konnte es mir deshalb nicht verkneifen, die Eingriffe der Taschen mit staubblauer Paspel zu versehen. Für mich das schönste Detail an dem ganzen Rock. ;)

Fazit: Miette ist ein leichtes, einsteigergeeignetes Nähprojekt mit Erfolgserlebnisgarantie und bietet in seiner Schlichtheit genügend Spielraum für eigene Ideen.

Ich habe den Rock jetzt trotz reichlich Schneeregens schon mehrfach ausgeführt und fühle mich darin superwohl. Es mag sein, dass er eigentlich ne Sommerklamotte ist, aber ich finde, mit Stiefeln und dicker Strickjacke geht´s auch.
Außerdem: Hätte ich ernsthaft mit dem Tragen bis zu den ersten wärmeren Tagen warten können? Eben!

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P.S Ich habe mir eine Verlinkung bei RUMS erlaubt.

Er schwingt so schön, mein Tellerrock…

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Ich möchte mich damit gar nicht hinsetzen, sondern einfach nur laufen, laufen, laufen und den Rock schwingen lassen!

Mein neuer Tellerrock ist nach dem E-Book MILOU von Kreativlabor Berlin entstanden, für das ich in dieser Sache Probe genäht habe. Er ist wirklich sehr einfach zu nähen, da er keinen Bund mit verdecktem Reißverschluss hat, sondern stattdessen ein dehnbares Bündchen eingearbeitet wurde. Also auch für Anfänger sehr gut zu wuppen! Und sieht doch famos und absolut tipptopp aus!

Im E-Book gibt es zwei Varianten, einmal mit Strickbündchen, das andere Mal mit Gummibund. Ich habe eine Kombination aus beidem gewählt und ein Gummiband in mein Strickbündchen eingezogen, weil ich keines in einer zum Stoff passenden Farbe gefunden habe. So wie es jetzt ist, sieht es gut aus und sitzt Bombe!

Für meinen Rock habe ich Webstoff gewählt und Karo war dabei definitiv in der engeren Auswahl; aber dass ich so eine Knaller-Farbkombi in Orangerot und Türkis finden würde, stand wirklich in den Sternen. Ich bin ganz verknallt in den Stoff, denn er hat für einen schwingenden Rock auch genau die richtige Schwere.

Übrigens kann man  so einen Tellerrock auch aus Jersey oder in einer Kombination aus weichem Tüll und Futterstoff nähen. Petticoat drunter und das Schwingen kann beginnen!

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Die wunderbaren Fotos, die aufgrund des Wetters unter nicht ganz einfachen Lichtbedingungen aufgenommen wurden, habe ich abermals meinem Partner in crime Anja Jung zu verdanken, die mit Cosmic Shop auch hinter den maritimen Schriftzügen für einige unserer Biobaumwollbeutel mit Lavendelprint steckt. Abertausend Dank!

Auf Wiedersehen, Mr. Bowie!

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Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich einmal um jemanden, den ich nie persönlich getroffen habe, so bitterlich weinen würde.
Von dem Moment an, in dem ich vom Tode David Bowies erfuhr, liefen die Tränen, gegen die ich eine ganze Weile machtlos war. Ich möchte Euch auch jetzt gar nicht mit meinem persönlichen Schmonzens zuballern; ich war und bin einfach nur ein Fangirl und seine Musik hat mich den größten Teil meines Lebens begleitet.

Wenn´s hart auf hart kommt, was mache ich dann?
Ja, dann wird auch genäht. Das hilft ganz oft. Auch diesmal.
Jetzt, nachdem ich nicht mehr „überzulaufen“ drohe, schleicht sich sogar schon ab und zu ein Schmunzeln ein. Was für eine Wahnsinnsshow das war! Ganz bis zum Schluss!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, Webstoff, Viskose
Schnittmuster (abgewandelt): Karin Ziegler, Kleid ‚Highland Rose‘ aus dem Buch ‚Nähen macht glücklich‘
Druckrealisation: Schablonendruck mit Freezer-Paper
Fotos: Anja Jung

Mein besonderer Dank gilt Anja, die sich mit mir bei minus 5° Celsius auf den eisigen Bahnsteig gewagt hat. Tausend Dank!

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I did not expect that I would once so bitterly weep for someone I’ve never met in person.
From the moment in which I learned of the death of David Bowie, the tears ran down, against which I was powerless for a while. I don´t want to bother you with my personal stuff; I was and am just a fangirl and his music has been with me for most of my life.

When the chips are down, what do I do then?
Yes, I also sew. This helps very often. This time, too.
Now that I no longer bubble over with tears a smile creeps across my face from time to time. What a wicked show that was! Quite to the end!

It was such a pleasure to have you here, Mr. Bowie!
Wish I could turn back time.

Material: Interlock, woven, viscose
Patterns (modified): Karin Ziegler, dress ‚Highland Rose‘ taken from the book ‚Nähen macht glücklich‘
Printing production: screen printing with freezer paper
Photography: Anja Jung

My special thanks go to Anja who has ventured with me at minus 5 degrees on the platform of the icy tube station. Thank you so much!

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Love it! Easy Knit Pencil Skirt

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Ach, ich hab´s mir wieder leicht gemacht, das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen! Nase mal wieder in Gertie sews Vintage Casual gesteckt und den figurnahen Easy Knit Pencil Skirt aus einem ganz wunderbar geblümten, leicht stretchigen Stoff und einem 3 cm breiten Gummiband genäht. There´s room for lunch as I say.

Das Schnittmuster von Gretchen Hirsch kann ich wärmstens empfehlen. Das ist auch das, was ich so an ihr mag: Dass sie einerseits total famose Vintageschnittmuster liefert und uns alte Nähtechniken wieder näher bringt, und andererseits so ne leicht und schnell zu nähende Fakenummer für ein Retrokleidungsstück abliefert. Gut, ich musste den Schnitt mal wieder an meine Größe anpassen (ganze 10 cm sind dabei flöten gegangen), ansonsten jedoch ist es auch für Anfängerinnen ganz prima geeignet, und ungelogen, wenn ihr lest, wie man Schnittmuster an die eigenen Maße anpasst, werdet ihr merken: Auch das ist keine Zauberei, nur ein bisschen Arbeit, wie eine ehemalige Kollegin zu sagen pflegte. ;)

8° oder 10° mehr, bitte!

Einen schön bügelresistenten, weil handbedruckten Baumwollstoff habe ich da für mich verarbeitet. Erstanden vor zwei Jahren auf meinem Stockholm-Trip mit ElTi Travel Association in dem wunderbaren Geschäft AFRO ART, das durch ein sehr gutes Produktions- und Vertriebskonzept besticht.
AFRO Art arbeitet mit etlichen Künstlern aus Afrika, Lateinamerika und Asien zusammen und importiert direkt vom Designer und das Ganze natürlich FAIR, jawoll. Wer mehr darüber erfahren möchte, klicke hier. Ich kann leider zur Herkunft des Stoffes gar nichts mehr sagen, denn als ich die Farbe gesehen habe, hat mich mal wieder nichts anderes interessiert, Asche auf mein Haupt. In jedem Fall aber ist es ein edles Stück Stoff, das ja nun auch lange genug auf seine Verarbeitung warten musste.

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Der realisierte Schnitt heißt Delphine und ist im kürzlich hier vorgestellten Titel Love at first stitch enthalten. Im Buch fand ich ihn gar nicht mal so ansprechend abgebildet, dafür sah er aber „am nadelbernd seiner Kollegin“ absolut sensationell aus (hier, hier und hier). Habt Ihr gesehen? Gut, oder? Als ich nämlich die Bilder sah, war ich überzeugt.

Ich habe diesmal ausgemessen for real und den Schnitt angepasst, was sich defintiv gelohnt hat. Passgenau und trotzdem Platz fürs Mittagessen! Und die tollen Retro-Wackelfotos stammen vom Offspring, der sich erbarmt hat seine alte Mu abzulichten. Vielen Dank an dieser Stelle, min Jung! :)

So. Jetzt muss es nur noch wärmer werden und der Stoff darf endlich raus!

Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Resttag!
Bis denn dann,
Tina