Staying alive mit Patina

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Ne, ich habe nun wirklich keine Bee Gees-Platten zu Hause, aber seit heute ein gerahmtes Bild der Drei. „Das hat auch schon Patina!“, würde die Uromi sagen.

Flohmarktfund Osterstraßenfest Mai 2018

Tilly & the Buttons: Verknallt in Wickelrock Miette

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Eines sage ich gleich einmal vorneweg: Ich hatte von ungefähr 1996 bis 1999 eine ausgeprägte Wickelrockphase. Danach war aber auch gut.

Als ich das Schnittmuster Miette aus dem Hause Tilly & the Buttons entdeckte, dachte ich demnach auch zuerst, wie toll doch die Front mit den großen aufgesetzten Taschen im Stil der Siebzigerjahre aussieht, aber och, nööö, n Wickelrock, muss ich nicht haben!

Irgendwann letzten Herbst bin ich dann aber doch schwach geworden und habe mir das digitale Schnittmuster geholt mit dem Hintergedanken, ein bisschen daran herum zu basteln und da einfach einen A-Linie-Rock draus zu machen.

Mir hat die Jeansversion auf dem Cover unheimlich gut gefallen (das tut sie immer noch), aber da ich bis einschließlich Weihnachten sowieso überhaupt keine Zeit und Muße zum „Privatnähing“ hatte, wurde auch kein Stoff gekauft. In der Zwischenzeit kam mir dann jedoch ein feines Leinenbaumwollgemisch (90% BW, 10% Leinen) von Sevenberry unter, das ich sowohl von der Struktur als auch vom Print her so super finde, dass meine Miette letzten Endes nun doch nicht einfarbig geworden ist.
Ich stehe generell sehr auf florale Hawaii-Prints mit Blüten und Blättern aller Art und obwohl sich die Kombi mit dem Siebzigerjahre-Schnitt irgendwie schon stark Richtung handfestem Stilbruch bewegt, kam für mich nach der Sichtung kein anderer Stoff mehr für dieses Projekt infrage.

Ich entschied mich kurzerhand, es doch einmal wieder mit einem Wickelrock zu versuchen, aber erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass  wirklich üppig gewickelt wird und ich nicht bei jedem Hamburger Windstoß halb im Freien zu stehen drohe. Jetzt nach Fertigstellung überlappen sich die Rockteile um etwas mehr als eine Lineallänge, was bei der Schwere des Stoffes vollkommen ausreichend ist.

Damit der Rock überm und nicht unterm Knie endet, denn für „Unter-Knie-Länge“ fühle ich mich zu klein, habe ich den Schnitt erst einmal gekürzt. Ja, ich weiß, die Lösung wäre, stets hochhackige Schuhe dazu zu tragen; aber, tja, danach steht mir einfach nicht immer der Sinn. Und da ich vorhatte, an der unteren Saumkante ein Einfassband anzunähen, musste auch keine Saumzugabe berücksichtigt werden, also kamen radikal ganze 10 cm weg.

Damit der Bund und die aufgesetzten Taschen mit einer Doppel- bzw. bei den Taschen Dreifachlage nicht zu starr werden, habe ich das Taschenfutter und die Innenseite des Rockbundes aus einer dünneren Baumwolle in Dunkelblau mit weißen Polka Dots zugeschnitten. Bei den beiden Bindebändern und dem äußeren Rockbund kam dann der Rest des tollen Jeansstoffs meines vorherigen Nähprojekts zum Einsatz, dessen Farbton sich auch im Schrägband des Rocksaums wiederfindet.

Miette Rock Tilly & the buttons Detail

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Die Anleitung ist wie alles von Tilly & the Buttons nicht übersetzt und bisher nur auf Englisch zu bekommen, aber absolut anfängertauglich, sehr ausführlich geschrieben und mit anschaulichen Bildern abgerundet. Ganz daran gehalten habe ich mich trotzdem nicht.

Wie man auf den Detailfotos erkennen kann, habe ich das Bindeband nicht rechts auf rechts zusammengenäht und mühsam gewendet (längliche Nähgebilde zu wenden nervt mich total!), wie das in der Anleitung beschrieben ist, sondern am unteren Rand außen knappkantig die Naht gesetzt und in einem Rutsch auch den Bund am Wickelrock nicht im Nahtschatten, sondern 2 mm darüber festgenäht und dabei die nach oben gebügelten Nahtzugaben des Rockteils mitgefasst. Sieht wunderbar aus, finde ich, und ich habe mir dieses Gefrickel erspart. :)

Ansonsten bin ich ein Riesenfan des Biesenbands und konnte es mir deshalb nicht verkneifen, die Eingriffe der Taschen mit staubblauer Paspel zu versehen. Für mich das schönste Detail an dem ganzen Rock. ;)

Fazit: Miette ist ein leichtes, einsteigergeeignetes Nähprojekt mit Erfolgserlebnisgarantie und bietet in seiner Schlichtheit genügend Spielraum für eigene Ideen.

Ich habe den Rock jetzt trotz reichlich Schneeregens schon mehrfach ausgeführt und fühle mich darin superwohl. Es mag sein, dass er eigentlich ne Sommerklamotte ist, aber ich finde, mit Stiefeln und dicker Strickjacke geht´s auch.
Außerdem: Hätte ich ernsthaft mit dem Tragen bis zu den ersten wärmeren Tagen warten können? Eben!

Miette Tilly & the Buttons 3

P.S Ich habe mir eine Verlinkung bei RUMS erlaubt.

Casual wear the Scottish way

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Manche von Euch kennen den Stoff, denn wenn Ihr ab und zu im Shop vorbeischaut oder bei FB oder Instagram, habt ihr bereits die Armstulpen gesehen, die ich daraus genäht habe. Ich finde das schottische Argyle-Muster als Stoffprint für Sweat sehr ungewöhnlich, es erinnert mich an die glorreichen Achtzigerjahre und Kniestrümpfe von Burlington, die damals mindestens so schwer angesagt waren wie Benetton-Pullis und Sonnenbrillen von Rayban. Also wenn man Popper war halt, sonst natürlich nicht… ;)

Ich fand es dann aber auch gleich so dermaßen schrill, dass ich mir (MMM) eine weitere COCO aus dem Hause Tilly Walnes daraus genäht habe.
Den an die Sechzigerjahre angelehnten Schnitt finde ich besonders wegen des Funnelnecks sehr schick, den ich allerdings einmal umgeschlagen trage und nicht aufgestellt, wie es eigentlich gedacht ist. Das ist mir dann aber echt too much Sixtiesness und außerdem habe ich mir doch diesmal richtig Mühe gegeben, sodass schwarze Innenkragen-Raute auf schwarze Vorderteil-Raute trifft und ich bin saustolz, dass das so ungefähr geklappt hat. ;)

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Aber auch das leicht ausgestellte, verhältnismäßig lange Oberteil finde ich richtig gut. Das Ding funktioniert bei mir zwar nur in relativ schmal geschnittener Hose und Schuhen mit hohen Hacken, aber man kann schließlich nicht sein ganzes Leben in Pollerjeans und Turnschuhen herumlaufen, nicht wahr?!

Die Vorführung in ganzer Pracht übernimmt diesmal meine Assistentin Reni, weil mich gerade keiner fotografieren kann. Ich denke man bekommt nichtsdestotrotz einen Eindruck20161116_105644-kopie_2.

Übrigens kann man COCO und einige weitere sehr Sixties & Seventies inspired Schnittmuster  auf der Homepage von Tilly Walnes namens Tilly and the Buttons wahlweise als Print oder als digitales Schnittmuster erwerben. Tilly Walnes ist absolute Autodidaktin und hat sich das Nähen weitestgehend selbst beigebracht. Vielleicht sind auch gerade deshalb die Anleitungen so gut beschrieben. Ein wenig Näh-Englisch ist jedoch auf jeden Fall von Vorteil, da die Schnittmuster bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Ein E. für E.

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Eine neue Miss hat sich für die kommenden Tage angekündigt und ich habe von Tante, Cousine und Cousin in spe den Auftrag erhalten ihr eine Spieluhr aus einem alten Graziela-Kissenbezug zu nähen, der schon lange in dieser Familie in Betrieb gewesen ist.
Am Graziela-Design sind wir Kinder der Siebzigerjahre wohl alle nicht ganz vorbeigekommen, sehr fein, einen solch orginalen Stoff mit Familienhistorie verarbeiten zu dürfen! Und dann auch noch so ein Service: Zusätzlich zum Bezug bekam ich eine hochkopierte Vorlage vom buntkarierten Elefanten Elmar zum Modifizieren, eine Spieluhr, die Brahms´ Wiegenlied spielt, sowie ein Stickgarn in Hellgrau mitgeliefert, denn E.s Herzens-Elmar soll auch Augen bekommen.

20150526_101725Elmar von David McKee galt nur als grobe Vorlage, also habe ich hier und da eine Kante weggenommen und auch mal eine Rundung hinzugefügt. Der Rüssel bekam zusätzlich noch einmal eine Nahtzugabe von 0,7 cm, damit er nach dem Ausstopfen nicht zu dünn wirkt.

Über die Spieluhr war ich ein bisschen verwundert, denn sie hatte keine Aufhängung und ich war immer davon ausgegangen, dass man selbige im Inneren an der Aufhängekordel, die außen zu sehen ist, verankert. Das geht aber auch ohne ganz gut, sofern man die Spieluhr von allen Seiten schön mit Füllwatte polstert.
Habt Ihr da Erfahrung? Würde mich sehr interessieren!

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Wer´s selber einmal ausprobieren will, es ist echt keine Zauberei:

1. Such´ Dir eine geeignete Vorlage für eine Spieluhr und passe diese inklusive Nahtzugaben für ein Schnittmuster an. Versuche dabei plastisch bzw. in 3D zu denken, sonst werden viele Teile etwas zu dünn bzw. mickrig nachdem sie gefüllt wurden!

2. Schneide nun das Schnittmuster zweimal aus.
Falls Du keine weiteren Schnittteile hast, überspringe Punkt 3 und mache bei 4. weiter!

3. Bei E.s Elefanten habe ich auch die Ohren im Stoffbruch zugeschnitten (Nahtzugabe nicht vergessen, ich habe 0,7 cm gewählt!) und auf die linken Ohrenseiten Vlieseline H630 gebügelt, um die Ohren plastischer erscheinen zu lassen. Sodann habe ich die Ohren rechts auf rechts mit 0,7 cm abgesteppt, jeweils am Anfang und am Ende verriegelt und eine Wendeöffnung von ca. 4 cm gelassen. Ohren gewendet, gebügelt und die Öffnung verschlossen sowie die weiteren Seiten  knappkantig mit 3 mm Abstand zur Stoffkante abgesteppt und verriegelt.
Nun können die Ohren auf die Seitenteile aufgenäht werden.

4. Falls gewünscht, sticke nun mit Stickgarn die Augen (Nase, Mund, etc.) auf die Seitenteile.

5. Nimm nun die Kordel und nähe die beiden Enden mit einem Zickzackstich (mehrfach) zusammen.

6. Lege die Seitenteile rechts auf rechts und fixiere sie mit ein paar Stecknadeln. Lege am Scheitelpunkt der Zuschnitte die Baumwollkordel mit der Schlaufe nach innen zwischen die beiden Seitenteile und fixiere sie ebenfalls mit einer Stecknadel. Das Ende der Kordel ca. 1 cm herausstehen lassen.
Jetzt steppst Du einmal rundherum. Dabei nähst Du mehrfach über die Baumwollkordel, um diese zu fixieren. An der Unterseite lässt Du eine Wedenöffnung stehen, die so groß ist, dass das Spielwerk hindurchpasst. Am Anfang und Ende der Naht das Verriegeln nicht vergessen, sodann die Nahtzugabe auf 3 mm zurückschneiden, wenden, ausformen (z. B. mit Pinselenden) und bügeln. Hier könnt Ihr Euch übrigens ansehen, wie man die Nahtzugaben bei Ecken und Rundungen händelt.

6. Die Spieluhr mit Füllwatte ausstopfen, wenn nötig, wieder ein Stäbchen oder einen Pinsel benutzen, um schwierige Stellen zu füllen. Wenn die Spieluhr prall gefüllt ist, drücke mittig eine Mulde in die Füllung und setze über die wendeöffnung das Spielwerk ein. Das Ende des Zugbands bleibt außerhalb der Füllung.

7. Nun wird´s noch einmal etwas knifflig: Du darfst nun die Wendeöffnung am besten mit einem Matratzenstich zunähen. Achte dabei darauf, dass Du nicht aus Versehen die Zugschnur mit einnähst, sondern lasse links und rechts von der Zugschnur eine Öffnung von insgesamt ca. 3 mm stehen. Verstärke die Abschlüsse rechts und links von der Zugschnur mit eine paar Stichen auf derselben Stelle, um die Naht dort stabiler zu machen.

8. Fertig, kann losgehen! :)
Und die Spieluhr ist sogar für Handwäsche geeignet!

Material:
Upcycling-Baumwolle (hier alter Kissenbezug byGraziela)
Spielwerk für Spieluhren (hier Wiegenlied von Brahms), ca. 8,50 € im Fachhandel
Füllwatte, etwas Stickgarn, eine ca. 25 cm lange Baumwollkordel, Vlieseline H630 (zur Polsterung der Ohren)