Das Wichtigste auf kleinstem Raum

Ich selbst hab´ ja statt Rhythmusgefühl das Hampel-Gen, aber in meinem engsten Freundeskreis sind zwei Tänzerinnen, die tanzen sich day and night durch die Jahrzehnte und Tanzstile, Lindy Hop, Charleston, Balboa, alles können die schon und ziehen da ne Menge Lebensfreude draus.

Umso blöder ist es, dass bei den Tanzveranstaltungen in jüngster Zeit immer mehr gestohlen wird. Ja, so nenne ich das, nicht stibitzen, klauen, mopsen, sondern STEHLEN. Sehr ungeil, denn klar lässt man sein Zeug beim Tanzen unbeaufsichtigt, es sei denn, man hat einen Aufpasser abgestellt.

Meine Freundin jedenfalls nimmt nur noch das Allernötigte mit und trägt es am Körper, ist aber von ihrem Mini-Umhängetäschchen, dass nun beim Tanzen mitschlenkert, nicht sehr angetan. Ihre Idee war ein, wie soll man das nennen, Handgelenkstäschchen, eine kleine Reißverschlußtasche, die man sich wie ein Armband mit der Reißverschlussseite nach unten ums Handgelenk legt. Mir schwirrten erst einmal folgende Schlagwörter im Kopf rum: Achtziger, Turnen, Pulswärmer, Frottee,…aber so, wie sie es sich gedacht hat und ich es jetzt umgesetzt habe, ist es doch fast ein Ethno-Schmuckstück und passt auch zum Zwanzigerjahre-Outfit. Oder, was meint Ihr?

Das mittlere Hauptteil wurde nämlich mit auf dünne Lederbänder gefädelten Stäbchenperlen verziert, während sich auf der Unterseite das Reißverschlussfach befindet. „Das merkt kein Schwein, dass das ne Handgelenkstasche ist!“, meinte auch meine Freundin und genauso hat sie es sich ja auch gewünscht. :)

Format ca. 25 cm x 6,5 cm, RV-Fach ca. 10 cm x 6,5 cm. da passen problemlos Fahrkarte, etwas Geld und der Schlüssel hinein!

Was Ihr dazu braucht: festen Baumwollstoff (hier Köper in Schwarz), dünne Leder- oder Gummibänder, kleine bzw. flache Perlen nach Wahl, Reißverschluss, Stylefix zum Fixieren der Bänder vor dem Nähen, Kam Snaps oder Metalldruckknöpfe

Und wenn Ihr so etwas auch haben und es nicht selbst basteln/nähen wollt, wisst Ihr ja, an wen Ihr euch wenden könnt! ;)

Eine ausführliche Anleitung findet Ihr HIER.

Ein E. für E.

20150526_155842

Eine neue Miss hat sich für die kommenden Tage angekündigt und ich habe von Tante, Cousine und Cousin in spe den Auftrag erhalten ihr eine Spieluhr aus einem alten Graziela-Kissenbezug zu nähen, der schon lange in dieser Familie in Betrieb gewesen ist.
Am Graziela-Design sind wir Kinder der Siebzigerjahre wohl alle nicht ganz vorbeigekommen, sehr fein, einen solch orginalen Stoff mit Familienhistorie verarbeiten zu dürfen! Und dann auch noch so ein Service: Zusätzlich zum Bezug bekam ich eine hochkopierte Vorlage vom buntkarierten Elefanten Elmar zum Modifizieren, eine Spieluhr, die Brahms´ Wiegenlied spielt, sowie ein Stickgarn in Hellgrau mitgeliefert, denn E.s Herzens-Elmar soll auch Augen bekommen.

20150526_101725Elmar von David McKee galt nur als grobe Vorlage, also habe ich hier und da eine Kante weggenommen und auch mal eine Rundung hinzugefügt. Der Rüssel bekam zusätzlich noch einmal eine Nahtzugabe von 0,7 cm, damit er nach dem Ausstopfen nicht zu dünn wirkt.

Über die Spieluhr war ich ein bisschen verwundert, denn sie hatte keine Aufhängung und ich war immer davon ausgegangen, dass man selbige im Inneren an der Aufhängekordel, die außen zu sehen ist, verankert. Das geht aber auch ohne ganz gut, sofern man die Spieluhr von allen Seiten schön mit Füllwatte polstert.
Habt Ihr da Erfahrung? Würde mich sehr interessieren!

20150526_103312 20150526_104101 20150526_110128 20150526_111119 20150526_114348 20150526_145814

Wer´s selber einmal ausprobieren will, es ist echt keine Zauberei:

1. Such´ Dir eine geeignete Vorlage für eine Spieluhr und passe diese inklusive Nahtzugaben für ein Schnittmuster an. Versuche dabei plastisch bzw. in 3D zu denken, sonst werden viele Teile etwas zu dünn bzw. mickrig nachdem sie gefüllt wurden!

2. Schneide nun das Schnittmuster zweimal aus.
Falls Du keine weiteren Schnittteile hast, überspringe Punkt 3 und mache bei 4. weiter!

3. Bei E.s Elefanten habe ich auch die Ohren im Stoffbruch zugeschnitten (Nahtzugabe nicht vergessen, ich habe 0,7 cm gewählt!) und auf die linken Ohrenseiten Vlieseline H630 gebügelt, um die Ohren plastischer erscheinen zu lassen. Sodann habe ich die Ohren rechts auf rechts mit 0,7 cm abgesteppt, jeweils am Anfang und am Ende verriegelt und eine Wendeöffnung von ca. 4 cm gelassen. Ohren gewendet, gebügelt und die Öffnung verschlossen sowie die weiteren Seiten  knappkantig mit 3 mm Abstand zur Stoffkante abgesteppt und verriegelt.
Nun können die Ohren auf die Seitenteile aufgenäht werden.

4. Falls gewünscht, sticke nun mit Stickgarn die Augen (Nase, Mund, etc.) auf die Seitenteile.

5. Nimm nun die Kordel und nähe die beiden Enden mit einem Zickzackstich (mehrfach) zusammen.

6. Lege die Seitenteile rechts auf rechts und fixiere sie mit ein paar Stecknadeln. Lege am Scheitelpunkt der Zuschnitte die Baumwollkordel mit der Schlaufe nach innen zwischen die beiden Seitenteile und fixiere sie ebenfalls mit einer Stecknadel. Das Ende der Kordel ca. 1 cm herausstehen lassen.
Jetzt steppst Du einmal rundherum. Dabei nähst Du mehrfach über die Baumwollkordel, um diese zu fixieren. An der Unterseite lässt Du eine Wedenöffnung stehen, die so groß ist, dass das Spielwerk hindurchpasst. Am Anfang und Ende der Naht das Verriegeln nicht vergessen, sodann die Nahtzugabe auf 3 mm zurückschneiden, wenden, ausformen (z. B. mit Pinselenden) und bügeln. Hier könnt Ihr Euch übrigens ansehen, wie man die Nahtzugaben bei Ecken und Rundungen händelt.

6. Die Spieluhr mit Füllwatte ausstopfen, wenn nötig, wieder ein Stäbchen oder einen Pinsel benutzen, um schwierige Stellen zu füllen. Wenn die Spieluhr prall gefüllt ist, drücke mittig eine Mulde in die Füllung und setze über die wendeöffnung das Spielwerk ein. Das Ende des Zugbands bleibt außerhalb der Füllung.

7. Nun wird´s noch einmal etwas knifflig: Du darfst nun die Wendeöffnung am besten mit einem Matratzenstich zunähen. Achte dabei darauf, dass Du nicht aus Versehen die Zugschnur mit einnähst, sondern lasse links und rechts von der Zugschnur eine Öffnung von insgesamt ca. 3 mm stehen. Verstärke die Abschlüsse rechts und links von der Zugschnur mit eine paar Stichen auf derselben Stelle, um die Naht dort stabiler zu machen.

8. Fertig, kann losgehen! :)
Und die Spieluhr ist sogar für Handwäsche geeignet!

Material:
Upcycling-Baumwolle (hier alter Kissenbezug byGraziela)
Spielwerk für Spieluhren (hier Wiegenlied von Brahms), ca. 8,50 € im Fachhandel
Füllwatte, etwas Stickgarn, eine ca. 25 cm lange Baumwollkordel, Vlieseline H630 (zur Polsterung der Ohren)

My first rucksack

Ich kann auch Rucksack! :)

Meine Freundin Jenny hat sich für ihren Sohn, den weltgrößten Barbapapa-Fan seiner Altersgruppe 2 bis 4 Jahre, einen Rucksack gewünscht. Hatte ich bislang noch nicht genäht. Also erstmal den einen oder anderen Rucksack angucken und dann mal so gaaanz langsam loslegen. Diesmal habe ich vorbildlich gearbeitet und brav mitstenografiert. Beim „Ausprobieren“ ist es nämlich häufig so gelaufen: Ich habe gemessen, geschnitten, genäht, aber mir keine einzige Notiz gemacht. Manchmal nicht einmal ein Schnittmuster, Asche auf mein Haupt! Dann musste ich hinterher mühsam Daten und Messungen rekonstruieren. Das ändert sich jetzt!

CIMG2487

Während ich schon dabei war, die Augen für die Applikation vorzubereiten, kam mir die Idee, den Rest, also Augenbrauen und Mund, nicht aufzusticken, sondern mit einem schwarzen Textilstift aufzumalen. Das ging fix und liess sich ebenso wie andere Stoffmalfarben durch Bügeln fixieren und waschecht machen.

CIMG2457     CIMG2458

Zum Stabilisieren des Korpus habe ich zum ersten Mal Decovil I verwendet, das war überfällig, so viel Positives hatte ich schon davon gehört und gelesen.
Für diejenigen, die es nicht kennen: Decovil ist ein Vlies, das sich fast wie Leder anfühlt, elastisch ist und überhaupt sehr strapazierfähig. Ich fand die Arbeit damit viel leichter und angenehmer als mit Schabracke. Keine Schweißperlen auf der Strirn, kein krampfiger Kampf mit starren Stoffteilen beim Wenden: Das Teufelszeug habe ich definitiv nicht zum letzten Mal verwendet.

CIMG2459     CIMG2461

Die aufgesetzte Tasche bekam statt einem Reißverschluss zwei Kunststoffdruckknöpfe (Kam Snaps), sollen ja keine Wertgegenstände damit transportiert werden. Hmmm, außer vielleicht Bucheckern, Tannenzapfen, Bügelperlen, Memorykarten…

CIMG2466      CIMG2471

Um einen Kontrast zum Bonbonrosa von Barbapapa zu haben, habe ich mich für schwarzes Gurtband mit einer Breite von 2,5 cm entschieden. Die Abmessungen für die obere Gurtanbringung ist sehr freestyle gewesen, aber es passt!

CIMG2473      CIMG2478

Letzte Naht. :)

CIMG2481      CIMG2482

Ich bin nicht unzufrieden mit dem Resultat. Vielmehr rattert es schon wieder ein  bisschen, ob ich damit nicht mehr machen sollte. Aber davon ein andermal. :)

CIMG2484

Von der Anfrage bis zum fertigen Produkt

CIMG2286

Was hab´ ich mich gefreut diese Woche! Ich find´ total super, dass eine meiner Sonderanfertigungen so viele postive Reaktionen zur Folge hatte! So etwas geht mir runter wie Öl! Danke!

Ich werde übrigens gern gefragt, ob ich Sonderaufträge annehme. Die Frage kann ich gar nicht pauschal beantworten, denn es kommt immer auf den Artikel selbst und den Aufwand an, den ich mit der Konzeption und der Schnittmustererstellung habe. Denn letzten Endes muss die Bereitschaft vorhanden sein,  mich auch für diesen Teil meiner Arbeit zu bezahlen.

Ende letzter Woche kam so eine Anfrage: „Bei uns in der Kita kommen im Laufe des Tages die Schnuller der Lütten irgendwie immer durcheinander, und die Namen stehen da ja eher selten drauf…wir bräuchten etwas zur Aufbewahrung, an das man schnell rankommt. Kannst Du da was machen?“

Manchmal haben die Kunden schon sehr genaue Vorstellungen, manchmal erhalte ich „freie Hand“. Mal fällt mir gleich etwas ein, ein anderes Mal brainstorme und rechne ich und melde mich dann beim Auftraggeber zurück, um alles durchzusprechen.
Im Falle der Schnulleraufbewahrung für die Kindertagesstätte schoss mir erst einmal das Weihnachtsutensilo von pattydoo durch den Kopf. Okay. Also ein Utensilo, das man nicht herumräumen muss, sondern aufhängen kann. Waschmaschinengeeignet und am besten abwischbar sollte es sein. Da lag Wachstuch nahe.

Bild      Bild

Für die einzelnen Taschen, sechzehn an der Zahl, war das Hauptkriterium, dass sie nicht fummelig knapp geschnitten sind, sondern man gut in sie hineingreifen kann, wenn´s mal schnell gehen muss. Jaha, nicht lachen, Usability ist schließlich nicht nur in den Weiten des Internets von Bedeutung! :)
Schließlich fiel die Wahl auf Zieharmonikataschen, die ich an den Seiten jeweils großzügig gefaltet habe, um mehr Tiefe zu erhalten. Damit beim Aufnähen nichts verrutschen kann, habe ich für das Ausrichten der Einstecktaschen Stylefix von farbenmix verwendet, ein doppelseitig klebendes Klebeband, das später auch problemlos mitgewaschen werden kann, ohne hart und knubbelig zu werden.
Die Kita hat sich übrigens für Metallösen als Aufhängung entschieden. Damit´s stabiler wird, habe ich am oberen Rand das Wachstuch umgenäht, bevor ich die Ösen eingeschlagen habe. Über die so entstandene Naht habe ich ein quietschbuntes Webband in Orange und Pink genäht. Zuletzt das Ganze mit türkisfarbenem Schrägband eingefasst eeeeet….
VOILÁ!

CIMG2284      CIMG2291

Wie findet Ihr es?

Nachtrag vom 21. Januar 2017: Bitte lest hierzu auch folgenden Blogeintrag! Da wird noch eine Alternative vorgestellt und etwas zur Preispolitik gesagt! Vielen, vielen Dank!