Rezension ‚Ich lerne nähen: Taschen‘ (oder auch nicht)

Zanatta, ich lerne nähen. Taschen. Zanatta Grandamme

Ja, es war einmal wieder Zeit, um der Handarbeitsabteilung in der Bücherhalle  einen Besuch abzustatten. Ich habe da diesmal zwar nichts Brandneues entdeckt, aber ein Buch, das ich seit seinem Erscheinen im August letzten Jahres noch nicht in den Fingern hatte und zwar ‚Ich lerne nähen: Taschen‘ des Autorenteams Zanatta/Grandamme, über die ich auf die Schnelle jedoch nichts im Netz finden konnte.

Die maisgelbe Kelly Bag auf dem Cover sprach mich sofort an, sodass ich mir das Buch unmittelbar griff ohne es vorher großartig durchzublättern. Zuhause stellte ich dann fest, dass ich zusätzlich ca. ein Drittel der insgesamt 10 Taschenmodelle, die jeweils in zwei unterschiedlichen Varianten realisiert sind, ganz spannend finde. Das ist gar kein schlechter Durchschnitt! Die Modelle sind in vier Schwierigkeitsgrade (Anfänger, Niveau Intermédiaire, Fortgeschrittene und Könner) unterteilt.
Mein Favorit blieb aber das Covermodell!

Ich lerne nähen. Taschen Ansicht 1

Obwohl ich, wenn das Wort ‚Kelly Bag‘ fällt, sofort an edles Handtaschenmaterial wie zum Beispiel Lackleder denken muss, schwebte mir ein sommerlich-verspieltes Strand-Modell vor. Die Wahl fiel aus diesem Grund auf einen gestreiften Stoff, denn ich mir vor ca. fünf Jahren auf Mallorca gekauft habe.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ca. sechs Monate Spanischunterricht gehabt und kann mich erinnern, dass ich den gesamten Einkauf damals mit Hängen und Würgen auf Spanisch durchziehen konnte, weil der Verkäufer so unheimlich nett war, mein Gestammel zu ertragen und NICHT auf Deutsch geantwortet hat. Das rechne ich ihm auch heute noch hoch an!

Der damals gekaufte Stoff ist ein gestreifter Canvas in Braun, Beige, Türkis und Weiß, den ich mit einem Canvas in Türkis fürs Innenfutter kombiniert habe.
Ne Kellytasche braucht natürlich einigermaßen Stand, sodass der gesamte Korpus mit kaschiertem Schaumstoff in 5 mm Stärke unterfüttert wurde. Das Innenleben habe ich so gestaltet, wie ich das auch bei meinen eigenen Taschenschnitten handhabe, nämlich mit einer großen Reißverschlusstasche und einem Einsteckfach fürs Telefon. Und obwohl ich ja schon seit einigen Monaten ununterbrochen meine Vintage Schoolbag Leonabel trage, damit das getragene Gewicht geichmäßig auf beide Schultern verteilt ist, habe ich links und rechts zwei D-Ringe angebracht, damit ich einen Gurt einklinken kann, wenn ich die Tasche einmal umhängen möchte.

Nun kann ich in den allermeisten Fällen die Schnittteile einer solchen Standard-Tasche zusammennähen ohne dass ich auch nur ein einziges Mal vorher in die Anleitung schaue. Diesmal war das genauso, aber nach Beendigung der Tasche (deren Schnitt ich total toll finde, habe ich das schon erwähnt?!), befasste ich mich doch einmal etwas genauer mit dem Titel…und war echt erschüttert!

Ich habe selten ein Buch mit derart lückenhaften, irreführend oder unverständlich formulierten und zum Teil schlicht falschen Angaben in Händen gehalten. Der Untertitel ’20 Modelle Schritt für Schritt erklärt‘ – er ist eine glatte Lüge! Den meisten Taschenmodellen wird maximal eine Doppelseite mit karger Anleitung zugestanden. Von Schritt-für-Schritt-Anleitung kann da wirklich keine Rede sein!

Ich lerne nähen. Taschen Ansicht 2

Ich bleibe einmal bei der Anleitung meines genähten Modells: Diese befasst sich auf der ersten der zwei zugestandenen Seiten fast ausschließlich mit der Anbringung der Magnetschließen.  Davor und danach besteht sie aus Sätzen wie ‚Das Futter der Kelly Bag hat drei Fächer, davon eines mit Reißverschluss. Den Reißverschluss einnähen (Siehe Schritt-für-Schritt Einen Reißverschluss einnähen, S. 12).‘
Wie dieses Futter im Detail aussieht, wird nicht gezeigt, und wie man das Reißverschlussfach in diesem speziellen Fall im Futter zwischenfasst auch nicht. Für jemand, der erst mit dem Nähen beginnt, ist das absolut nicht nachvollziehbar.

Ja, selbstverständlich habe ich dann auch Seite 12 gelesen, die mit der Basisanleitung, wie man einen Reißverschluss einnäht. Dort wird dem Nähanfänger dann erklärt, dass er den Reißer ‚rechts auf rechts auf das Vorderteil legen‘ soll und im Anschluss das Innenfutter ‚rechts auf rechts darauflegen‘ soll. Fairerweise muss ich anmerken, dass dort eine Abbildung ist, mit der ein Anfänger nachvollziehen könnte, wie es eigentlich korrekt wäre. Aber trotzdem: So etwas kann doch nicht ernsthaft durch ne Schlusskorrektur gelangen und gedruckt werden!

Mir ist schon klar, dass das Schreiben von Anleitungen eine Kunst ist. Da muss man auch Bock drauf haben! Den Prozess der Optimierung konnte ich insbesondere bei meinen letzten beiden Schnittmustertestungen für die oben bereits erwähnte Leonabel und ein weiteres Handtaschenmodell verfolgen. Dem einen ist sofort alles sonnenklar, der zweite empfindet es als umständlich formuliert und der Dritte kann auch nach mehrmaligem Lesen nicht nachvollziehen, was gemeint ist.
Der springende Punkt ist, dass bei Anleitungen oder Nähbüchern, die schon auf dem Cover als anfängertauglich angepriesen werden, in punkto Näherfahrung auch nur der kleinste gemeinsame Nenner vorausgesetzt werden kann und das heißt für mich, die Anleitungen haben gefälligst ausführlich, verständlich und reich bebildert zu sein.
Säße ich in der Lizenzabteilung eines Handarbeitsverlags, hätte ich diesen sehr schlampig realisierten, ursprünglich französischsprachigen Titel nicht eingekauft!

Fazit: Nur für Fortgeschrittene, die nicht zwingend eine Anleitung brauchen! Dies Buch hätte konsequenterweise ein schönes Inspirationsbuch mit Schnittmusterbogen für Näherfahrene werden können, denn neben ein paar 0-8-15-Modellen findet man spannende Taschen mit sehr hübschen Details! Aber auch das hätte vorausgesetzt, dass wenigstens die Materialangaben zu 100 % korrekt gewesen wären. Nicht einmal das hat geklappt.

Blöd, wa?!
Leider Daumen runter.

Vintage Schoolbag Leonabel von LaLilly Herzileien

Vintage Schoolbag Leonabel Totale Zwölfte koje links

+++ Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Kooperation. Das digitale Schnittmuster ‚Vintage Schoolbag Leonabel‘ wurde mir von LaLilly Herzileien kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst. +++

„Und wo ist das Pferd?“, schießt es mir noch jedes Mal durch den Kopf, wenn ich meine rotbraune Satteltasche erblicke, die ich mir seit einigen Wochen umschnalle. „Das Pferd bist du selbst, min Deern!“, raunt mir sodann eine leise Stimme in meinem Kopf zu. Gut, in Ordnung! Hauptsache, kein Rücken-, kein Schulter-, kein Waden- und besonders kein Daumenschmerz mehr!

Da ich nach drei Jahrzehnten erstaunlicherweise doch spürbare Statik-Probleme durch meine einseitig oder quer getragene, stets gut gefüllte Umhängetasche bekommen habe und schon so manches Mal „gerade gezogen“ werden musste, kam der Aufruf zum Schnittmustertest für die Vintage Schoolbag Leonabel von LaLilly Herzileien sehr gelegen. Denn dass ich mein Trageverhalten allmählich ändern muss, haben mir die eine oder andere recht schmerzhafte Bewegungseinschränkung und Kirsten, die dann immer an das Elend ran muss, sehr deutlich gemacht.

Leonabel ist ein Schnittmuster, das in drei Varianten realisiert werden kann, nämlich als eine auf dem Rücken zu tragende Rucksacktasche, eine klassische Messenger Bag oder als geräumige Fahrradtasche.

Der Korpus wird bei allen drei Varianten identisch genäht, lediglich Schlaufen, Haken, Ringe und ggfs. Druckknöpfe müssen an unterschiedlichen Stellen angebracht werden. Das ist es dann aber auch schon mit der Gleichmacherei, denn abgesehen davon, dass es drei Klappenvarianten (eckig, rund, mit Zunge) gibt, bietet Lisa eine unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten an, die Tasche innen wie außen individuell zu gestalten: Es gibt mächtig viele Schnittteile für einen großen Reißverschlusseinsatz,  diverse kleine wie große Einschubfächer sowie aufgesetzte Reißverschlusstaschen, die dann auch noch einmal  miteinander überlappend angebracht werden können. Also nix für NäherInnen, die ein Projekt möglichst schnell „runterreißen“ wollen, sondern an das man mit ein wenig Muße und dem Spaß am Kombinieren herangehen sollte.

Ich selbst habe im Inneren ein großes RV-Fach und zwei Einschubfächer eingenäht, so wie ich es auch bei meinen eigenen Schnitten gerne mache. Außerdem gibt es außen ein großes Steckfach und innen einen Karabiner am Band, sodass man den Schlüsselbund einklinken kann.

Fazit: Ein sehr sehr tolles, variables Schnittmuster! Die Umsetzung hat gut geklappt, weil Fotos und Anleitungsschritte stimmig sind und der Schnittbogen trotz der sehr vielen Teile übersichtlich ist.
Insgesamt würde ich das Schnittmuster Personen mit ein wenig Näherfahrung empfehlen, die gleichzeitig Spaß an Baukastensystemen und individueller Gestaltung haben.

Für Inspiration und Augenschmaus empfehle ich des Weiteren Lisas Leonabel-Look Book, in dem sämtliche Ergebnisse des Probenähens aufgeführt wurden. Glaubt mir, es ist ein Farben-Feuerwerk! :)

P.S. Stichwort Material, aus dem ich meine Leonabel genäht habe: Es handelt sich dabei um British Oilskin, einen stark gewachsten und aus diesem Grund wasserabweisenden, sehr festen Canvas in einem schönen Rotbraun, welches sich „Conker“, also Kastanie nennt.
Das Zeug ist so stark gewachst, sodass ich zunächst ein wenig eingeschüchtert war. Möchte man so etwas auf dem Rücken tragen? Saut man sich damit nicht die Klamotten ein? Nein!
Zwar waren meine Finger, die Stichplatte der Nähmaschine und die benutzte Nadel nach dem Nähen des Korpus voller Wachs (nichts, was ein bisschen Seife und Alkohol nicht wieder sauber bekommen würden),  aber es scheint, als wäre das Wachs nach der Verarbeitung tiefer ins Gewebe gesunken. Spuren auf Kleidung und Händen gibt es nicht mehr und haptisch ist die Oilskin ebenfalls viel angenehmer als zu dem Zeitpunkt als sie noch auf der Rolle war. Ich find´s superpraktisch! Und herrlich verwegen-verwittert-oldschool, denn Obacht: Auf der Oilskin sieht man jeden Knick und jeden „Kratzer“. Das ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber mich als treue Freundin alter Dinge spricht es natürlich sehr an. Abgesehen davon kann das Material aber nachgewachst werden.
Oilskin = Patinamaterial ;) und momentan in einigen ganz famosen Farben bei der Tillabox in Lüneburg erhältlich.

Leonabel 2 Zwölfte Koje lnks

See you soon, Ihr Seefrauen, Landgänger und Leichtmatrosen!
Genießt die Sonne!

Boxbag Ysabel von LaLilly Herzileien

 Boxbag Ysabel Midi EBook

+++ Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Kooperation. Das digitale Schnittmuster ‚Boxbag Ysabel‘ wurde mir von LaLilly Herzileien kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst. +++

Oha, da hat meiner einer aber sofort laaange Stielaugen bekommen, als ich den Aufruf zum Probenähen des neuen Schnittmusters ‚Boxbag Ysabel‘ vom Blog und Schnittmusterlabel LaLilly Herzileien gelesen habe. Da war auf jeden Fall Handlungsbedarf meinerseits angesagt!
Man kann meine Arbeiten zum Probenähen ja an einer Hand abzählen, da ich es aus Zeitgründen recht selten schaffe, aber das Timing war diesmal äußerst günstig, also schickte ich flugs meine Bewerbung ab und erhielt, wie schön, eine Zusage, sodass ich mit dem heutigen Tag schon ganze zwei Hände zum Aufzählen meiner Probenäh-Erfahrung benötige. :)

Eine glückliche Koinzidenz, das alles, denn ich war erst kurz zuvor auf LaLilly Herzileien aufmerksam geworden und folgte ihr auf Instagram vielleicht etwas mehr als eine Woche als der Aufruf kam; dafür hatte ich aber bereits bei meinem ersten Besuch auf ihrem Blog schon weit über zwei Stunden gelesen und herumgeklickt (ich musste eigentlich Licht ausmachen und schlafen!), denn da geht es sehr informativ und smart und ehrlich zu und es ist echt kurzweilig darin zu lesen.

Nun aber zurück zum Probenähen: Ich war nach der Zusage tatsächlich auch ein wenig verschreckt, denn Probenähen fand für mich in der Vergangenheit folgendermaßen statt: Da erhielt ich per Mail die Schnittmusterdateien und die Anleitung und füllte nach dem streng nach Anleitung ausgeführten Nähen und dem Korrekturlesen einen Feedbackbogen aus. Fotos wurden natürlich auch abgeliefert.
Die Zeiten scheinen sich in meiner ca. 15 Monate währenden Abstinenz im Schnittmustertesten sehr gewandelt zu haben, denn nun war ich Teil einer geschlossenen Probenäh-Facebook-Gruppe. Ich fühlte mich wie ein komplettes Greenhorn. Und ich war auch ein komplettes Greenhorn!

Boxbag Ysabel Midi Leder

Alle benötigten Dateien erhielt ich über die Gruppe und auch mein Feedback schrieb ich direkt in Dokumente, die auf Facebook hinterlegt waren, es erfolgte sozusagen eine laufende Korrektur der Anleitung. Gar keine schlechte Lösung, was!?

Viele meiner Kolleginnen waren schon vom ersten Tag an (einem Samstag) so dermaßen fleißig, sodass die ersten Ergebnisse bereits nach einem Tag fotografisch festgehalten und gepostet wurden. Ich fing zu dem Zeitpunkt gerade mal an das Schnittmuster auszudrucken und die Anleitung zu lesen und war deshalb ein bisschen irritiert: Hatten wir  wirklich alle den gleichen Abgabetermin bekommen, denn meiner lag gut zwei Wochen in der Zukunft?  Oder hatte ich etwas überlesen? Ne, die Kolleginnen waren wirklich alle so fix, denn da stand er ja, der Abgabetermin, nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin Schwarz auf Weiß! ;)

Ysabel Mini tragefoto 3

Na, ich fing dann drei Tage nach der Zusage auch mal an zu nähen und traute mich dann abends, ebenfalls einen Schnappschuss meiner ersten Tasche in der Gruppe zu posten. Schließlich muss man ja einmal einen Einstieg finden in so eine neue interaktive Arbeitsform! Und von da an guckte ich mir täglich auch alle Ergebnisse meiner 54 Kolleginnen an, oft noch als stille Leserin, aber nicht immer! Ich arbeite am „Micheinbringen“, versprochen!

Boxbag Ysabel ist, wie der Name bereits ankündigt, ein Taschenschnitt in einem wunderbar kastigen Format.  Das E-Book bietet drei Größenvarianten, sodass man eine klassische Handtaschengröße (Midi), eine kleinere Handtasche für das Nötigste (Mini) sowie eine sog. Microbag nähen kann, also einen absoluten Zwerg, der auch gut als Gürteltasche oder Portemonnaie fungieren kann.
In der Anleitung finden sich verschiedene Möglichkeiten, Klappe und Verschlusslasche zu realisieren sowie zwei Schultergurtvarianten mit Riemenschnalle oder Schieber. Lisa zeigt auch, wie man eine Reißverschlusstasche sowie aufgesetzte Taschen näht, was die Anleitung auch für absolute Anfänger attraktiv macht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich in dem Zuge, dass es auf ihrem Blog ergänzend auch zwei sehr ausführliche Tutorials zu Taschenverschlüssen gibt, die man sich als Anfänger doch einfach mal reinziehen sollte. Da lernt man noch etwas! :)

Ysabel Mini Polsterstoff E-Book

Konzipiert ist der Schnitt für festere Stoffe wie Canvas, Leder und Kunstleder, die je nach Bedarf noch mit Style Vil, Decovil oder kaschiertem Schaumstoff verstärkt werden. Dass auch andere Materialien gut funktionieren und Ysabel eine regelrechte Leinwand für individuelle Ausführungen ist, zeigt die schier unglaubliche Vielfalt des sensationellen Lookbooks, das sämtliche Ergebnisse des Probenähens zeigt. Knaller, echt! Nicht vergessen: Wir waren 55 Probenäher und viele haben alle drei Varianten genäht!

Ich selbst bin bei Handtaschen eher eine Freundin des Einfarbigen, sodass meine Midi und meine Mini recht schlicht ausfielen.
Für die Midi habe ich grünes Spaltleder gewählt und mich sehr eng an die Anleitung gehalten: Riemen-Laschen, Klappe und aufgesetzte Tasche wurden genau so genäht wie angegeben. Einzig die Verstärkung habe ich aufgrund des robusten Materials weggelassen und auch die D-Ring-Laschen aus Leder  nur einlagig verarbeitet.
Die Mini sollte dann ein kleines Retroteilchen werden; sie wurde aus gelbschwarzem Polsterbezugsstoff genäht und mit einer schwarzen Paspel und einem Mappenschloss versehen. Verstärkt ist sie mit Decovil I, was bei der Größe schon furchtbar fummelig war, aber letzten Endes geklappt hat.
Gut finde ich alle beide, obwohl die Mini definitiv noch zur Gürteltasche umfunktioniert wird, denn so ne kleine Tasche umzuhängen ist mir…unheimlich. ;).

Übrigens: Zur Veröffentlichung gibt es das Ebook Boxbag Ysabel bis einschließlich 25. März 2018 zum Einführungspreis mit 40 % Rabatt bei Makerist zu kaufen!

Last but not least möchte ich mich sehr, sehr, sehr herzlich bei meinem partner in crime Anja Jung für die Fotos und bei Leder Detmer für die Erlaubnis, in den Lagerräumlichkeiten zu fotografieren, bedanken!

Segelboot – Boot + Nähmaschine = Segeltuchtasche

Segeltuchtasche 1Segeltuchtasche 2Segeltuchtasche 3Segeltuchtasche 4

Nicht ganz ohne Stolz präsentiere ich Euch heute meine allererste Tasche aus Segeltuch. Habt Ihr damit schon einmal gearbeitet?
Ich sage Euch ehrlich, hätte ich die Auftraggeberin nicht schon vorher gekannt und sie mir nicht versichert, dass ich mich da auch ausprobieren könnte und Segel im Überfluss (ein ganzes!) vorhanden sei, ich hätte den Auftrag nicht angenommen. Mit null Erfahrung in der Verarbeitung von Segeltuch will man keinen Erstkunden vergraulen und womöglich als Dilettantin dastehen! Oder?!

Obwohl mir die Segeltuchtaschen z. B. von 360° sehr wohl ein Begriff sind und ich sie hier in Hamburg auch oft an mir vorüberziehen sehe, habe ich mir über die robuste Beschaffenheit des Materials nie Gedanken gemacht. Bin halt kein Segler.
Als Lisa dann mit diesem riesigen Segel ankam, das wir erst einmal bei mir zu Hause im Arbeitszimmer deponierten, habe ich schon blöd geguckt. Ich hatte mir ein Segel schlichtweg anders vorgestellt. Ihr lacht jetzt, aber ich hatte ja in meinem ganzen Leben noch keines angefasst und ne 360°-Tasche auch nicht. Dass sich das Material komplett anfühlt wie Plastik, damit habe ich einfach nicht gerechnet. Es ist starr und rutschig und knittert so ein bisschen vor sich hin, genau wie Tyvek, ein Material aus Polyethylen, das z. B. als Innenfutter von Briefumschlägen eingesetzt wird. Damit habe ich schon einmal gearbeitet und mir schwante, dass die gewünschte Segeltuchtasche eine Herausforderung werden wird.

Ich fing also an, indem ich einen vorhandenen Schnitt an den Kundenwunsch anpasste, schnitt dann auf dem Fußboden herumrutschend das Segel zu und fing an, den Korpus bestehend aus fünf Schnittteilen und Baumwollpaspel zu nähen. Danach war ich reif für ein großes Glas Wein mit anschließender Bettruhe. Wie krass war das denn? Ständig wollte mir das Material wegflutschen, Wonderclips hielten erst gar nicht (und die halten sonst immer), Nadeln konnte ich nicht verwenden, kurz: Ohne ständiges Festhalten, Justieren und Nadelversenken, wenn man umgreifen musste, ging GAR NICHTS.
Meine Kollegin in der Schneiderei hatte mir schon, als sie das Segel erblickte, viel Spaß gewünscht und meine Vermieterin meinte nachdem ich fertig war: ‚Ja, ne, Tina, das nächste Mal gehst du aber an die Industriemaschine mit so nem Zeug‘. Das mache ich auch, verlasst Euch drauf!

Es tat echt gut sich im Anschluss an diesen Kampf auf bekanntem Terrain zu bewegen und ein Innenfutter mit Laptopeinschub, Reißverschlusstasche, Einstecktasche und großem Zipper zu nähen. Aus Wachstuch wohlgemerkt, da kenne ich mich besser aus.

Als das erledigt war, hatte ich erst einmal Segeltuchpause, weil der gewünschte Gurt für die Tasche noch nicht da war. Und Bammel hatte ich auch vorm Zusammennähen des Korpus und des Innenfutters, ich musste mich da ungelogen vorher mental drauf vorbereiten, damit ich hinterher nicht wieder Wein trinken und ins Bett gehen muss.
Und es hat was genutzt: Das Zusammenfügen war dann fast gar nicht schlimm und hat mich kaum Nerven gekostet. Auch die vorletzte Etappe, das Wenden und Ausformen des Shoppers lief wider Erwarten ohne Kampf und Krampf ab. Das gab mir die Zuversicht, dass ich auch die letzte Etappe, das knappkantige Absteppen des oberen Taschenrandes, vom Stichbild her perfekt hinbekommen würde. Es ist mir bis auf wenige Stiche auch gelungen. Und ein zweiter Taschenwunsch aus Segeltuch steht auch noch aus. Wir freunden uns schon noch an, wir zwei!

Wer jetzt aber ob meiner Näherei etwas abgeschreckt ist, dem muss ich dieses Material natürlich wieder näher bringen, denn ein Segel ist ja mitunter ein weitgereistes Teil mit Geschichte, was ja an sich schon eine famose Sache ist.
Segeltuch vernähen geht also auch etwas souveräner und unaufgeregter, wie z. B. bei ‚Made in Minga‘ aufm Blog. Dort findest Du die Anleitung für eine, wie ich finde, ziemlich großartige Umhängetasche aus Segeltuch, und dort in München halten auch irgendwie die Wonderclips besser. ;)

Nachtrag vom 4. März 2018:
Ich habe eine Erklärung bekommen, warum ich bei der Anfertigung der Tasche so mit dem Material gekämpft habe. Bei dem verarbeiteten Tuch handelt es sich um ein sehr starkes Segel, das in der Regel für Regatten eingesetzt wird. In der Beschaffenheit der Segel gibt es also durchaus Unterschiede, die sich in der Flexibilität des Materials niederschlagen. Wieder was gelernt, Herrschaften! :)

Der Zwölfte Koje links-Webshop ist da!

Eröffnung Onlineshop

Endlich geschafft!

I humbly but also a wee little bit proudly present the

Zwölfte Koje links-Onlineshop

:)

Was war das für ein Berg, vor dem ich stand!
Ich wusste, es ist allerhöchste Eisenbahn, nicht mehr nur fremde Verkaufsplattformen zu nutzen, sondern meinen eigenen Webshop aufzumachen, aber da mir ja kein Chef im Nacken saß, habe ich es geschafft, es monatelang immer wieder zu vertagen. Weiß nicht, warum, vielleicht aus Angst vor der eigenen Courage…denn sonst klappt das eigentlich ganz gut mit der Selbstdisziplin!

Schon mit einem Bein im arbeitsintensiven Herbstgeschäft stehend habe ich dann endlich ernst gemacht. Und siehe da, es war auch überhaupt nicht schlimm und entnervend, sondern lediglich sehr zeitintensiv.

Ich bin nicht unzufrieden.

Ich hoffe, Ihr auch nicht!

Hier auf der Homepage habe ich im Zuge des Onlineshops ein wenig aufgeräumt: Informationen zu den Artikeln findet Ihr nun nicht mehr auf einer extra Seite, sondern ausschließlich im Shop.

Alle Koje-Produkte sind in Kategorien aufgeteilt und es gibt auch eine Schnäppchen-Abteilung, in der ich reduzierte Artikel anbiete. Damit Ihr dort ebenfalls schnell findet, was Euch interessiert, gibt´s dort zur leichteren Orientierung Unterkategorien.

Nun kann ich Euch hier im virtuellen Raum nicht zur ausgelassenen Eröffnungsparty einladen, mit Konfetti um mich schmeißen und Euch Prickelwasser servieren. Aber ich kann anbieten, dass wir gleich einmal die ganze erste offizielle Webshop-Woche VERSANDKOSTENFREI machen.

Balloons
Vom heutigen 13. November 2017 bis 19. November 2017, 22.00 Uhr, werden sich alle Bestellungen innerhalb Deutschlands versandkostenfrei auf den Weg zu Euch machen!

Okay?

Okay! Dann mal los! Ick freu´ mir so!

Webshop Zwölfte Koje links