T-Shirt mit Bubikragen

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Neulich traf mich der Eifer Kleidung auszusortieren volle Breitseite. Das musste ausgenutzt werden! Anders als sonst gab es diesmal auch keine Gnade für die Teile hinten im Schrank, die ich seit Jahren bei jeder Flohmarkt-Sortierung immer wieder einräume, weil ich sie doch so schön finde, aber die ich irgendwie trotzdem nicht mehr trage. Die flogen diesmal raus, alle!

Dann gab es aber auch das kleine, traurige Häufchen Kleidung, das überhaupt nie getragen wurde, klassische Fehlkäufe. Darunter befand sich auch ein T-Shirt, das ich nur wegen seiner Farbe gekauft hatte, dessen Ausschnitt ich, nun ja, vor dem Kauf akzeptabel, aber danach absolut indiskutabel fand. Viel zu eng!

Fast wäre es auch in der Flohmarkttüte gelandet.
Ja, aber die Farbe fand ich doch so schön!

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Also stöberte ich ein wenig im Netz. Und fand dort auch eine mögliche Lösung, wenn man es ein wenig verspielt und Retro mag: Auf dem Blog der Tagträumerin mit dem bürgerlichen Namen Laura, einer gelernten Schneiderin, Designerin und Verfasserin von Nähbüchern, gibt es einen schon älteren Beitrag über ein T-Shirt-Upcycling. Sie zeigt darin, wie man einen Bubikragen an einen individuell zugeschnittenen T-Shirt-Ausschnitt annäht. Die Idee finde ich genial und das Anfertigen des Schnittmusters sowie die Umsetzung aufgrund der bebilderten Anleitung ganz leicht.

Für meinen Kragen habe ich ein Stück Baumwolle mit einem Mid Century-Retromuster auf einem hellen Gelb gewählt. Den Ausschnitt habe ich fast gar nicht vergrößert, sondern lediglich die Einfassung des Ausschnitts weggeschnitten. Da mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm gearbeitet wird, wird ebendieser Ausschnitt ja noch einmal ein gutes Stück prominenter, sobald der Kragen an das Shirt angenäht wurde.

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Ich bin sehr angetan.  Das Teil kommt jetzt nicht mehr nach hinten in den Schrank. Glück gehabt, liebes T-Shirt! ;)

Retrokühltasche aus einer Tiefkühltüte

upcycling Kühltasche aus Kühltüte

Ist auch beim Umzug ganz weit hinten in der Speisekammer aufgetaucht: Meine Tiefkühltüte von ALDI. Die ich vielleicht ca. vier Mal mithatte, wenn ich einkaufen war, inklusive dem einen Mal als ich sie gekauft habe. Ja. Wollte P. natürlich wegwerfen und was wollte ich? Das Gegenteil.

Ich mach´ da ja noch was draus!“
„Aha.“
„Ja, e-echt!“

Nun war ich aber in Zugzwang!
Zwischendurch habe ich ja aber auch mal ne Idee. Okay, zugegebenermaßen eine naheliegende. Ich hatte nämlich auch noch ein wunderbares Stück beschichtete Baumwolle, das ich einmal hinten in der Umkleide von Alexa´s gefunden hatte. Aus welchem Jahrzehnt weiß ich nicht, aber in jedem Fall mit einem ganz famosen Retromuster versehen, wie gemacht für eine richtig coole Kühltasche.

Upcycling Kühltasche aus Kühltüte
Und hier ist sie nun, die praktische, faltbare Kühltasche,  unter maximal möglicher Ausnutzung der inneren Folienbeschichtung  einer ALDI-Kühltüte.
30 cm hoch ist sie, 22 cm breit und 19 cm tief. War auch gleich im Einsatz beim Eis holen und schon beim Abendpicknick auf dem Spielplatz vorm Haus dabei.

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Habt Ihr eventuell auch noch so eine Kühltüte herumfliegen? Lust bekommen, das selbst einmal auszuprobieren?

Ich habe folgendes Material verwendet:

  • Kühltüte
  • Wachstuch
  • dicht gewebtes Baumwollmolton als stabilisierende und hitzeabsorbierende Zwischenlage
  • Reißverschluss (64 cm)
  • Schrägband zum Versäubern der offenen Kanten (1,8 cm)
  • Paspel (optional)

Achtet gleich zu Anfang darauf, dass ihr die Tüte so knapp wie möglich an der seitlichen Schweißnaht aufschneidet. So habe ich z. B. eine Fläche von 98 cm x 51 cm erhalten, mit der man ja schon einiges anfangen kann.

Das mit der Größe müsst ihr selbst entscheiden. Ich z. B. wollte die Kühltasche möglichst hoch nähen, damit ich darin auch mal eine Flasche aufrecht kühl halten kann, also habe ich mir die kürzere Seite der Kühlfolie (51 cm) vorgenommen und herumgerechnet, was am besten passen würde.

Ausgehend von der kurzen Seite habe ich dann 31 cm Höhe für die Kühltasche angesetzt und einen Streifen in der Länge des Reißverschlusses zugeschnitten, also 64 cm x 31 cm. Vom oberen Rad habe ich 4 cm abgemessen und Ober- und Unterteil  für den Reißverschlussteil zugeschnitten, das ergab zwei Streifen 64 cm x 4 cm und 64 cm x 27 cm.

Aus dem verbleibende Folienstreifen von 20 cm Breite habe ich das Ober- und Unterteil zugeschnitten, was bei mir jeweils 23 cm x 20 cm betragen hat.  Die Ecken habe ich jeweils abgerundet. Aus dem Umfang des Bodens und der Länge des Reißverschlussteils konnte ich sodann errechnen, wie breit der Streifen sein muss, der zwischen die beiden Reißverschlussenden eingesetzt werden muss und dieses Stück ebenfalls zuschneiden. Dabei müsst Ihr darauf achten, dass Ihr auch die Nahtzugaben mitberücksichtigt. (Wie man an der geöffneten Kühltasche unschwer erkennen kann, habe ich mich doch tatsächlich einmal verrechnet…aber Schrägband und ein weiteres Stück Kühlfolie haben´s gerichtet! ;) )

CAVE: Wie auch immer die Kühltasche am Ende aussehen soll, rechne zuerst genau durch und vergewissere Dich, dass Du genügend Kühlfolie für Dein Projekt hast!

Ich habe gemäß der vier Kühlfolien-Zuschnitte alle vier noch einmal aus Wachstuch und Molton zugeschnitten. Jeweils bei der Ober- und Unterseite der Tasche, also beim Deckel und beim Boden habe ich alle drei Schichten (Folie-Molton-Wachstuch) innerhalb der Nahtzugabe von 0,7 cm, also sehr knappkantig, inklusive einer olivgrünen Paspel zusammengenäht.

Für das Reißverschlussteil wurden zuerst die beiden Zuschnitte aus Wachstuch und Molton als Außenseite aufeinander genäht. Der Reißverschluss wird dann wie gehabt zwischen Außenseite und Innenfutter eingenäht. Anschließend habe ich das Reißverschlussteil mit dem Rückteil der Kühltasche zu einem Ring vernäht und die offenen Kanten im Innenfutter mit Schrägband versäubert. Ober- und Unterteil eingenäht (natürlich bei offenem Reißverschluss um wenden zu können ;) ) und auch diese Kanten im Innenfutter mit Schrägband etwas schicker gemacht.

Fertig!

Bin hochzufrieden!

Die Kühltasche ist tatsächlich sehr geräumig geworden. Wenn es zukünftig nur noch mit dieser famosen Tasche zum Picknicken geht, passen da locker noch ein paar Kühlelemente hinein, die Getränke und Lebensmittel länger kühl halten. Klar habe ich noch schnöde blaue Coldpacks im Gefrierfach liegen, aber mittlerweile schwöre ich auf die kleinen patentierten Breenbüdel mit der Spielfigur drin. Die übrigens alle von Kindern bespielt sind, ein richtiges Upcycling-Produkt also. Genau wie meine Kühltasche! :)

Upcycling Kühltasche mit Breenbüddel

Die letzte Plastiktüte

Ich bin Lichtjahre zu spät! Der Plastiktüten-bügeln-und-vernähen-Trend ist (zu Recht!)schon lääängst wieder out. Außerdem  versuche ich doch seit Jahren weitestgehend auf Plastiktüten zu verzichten, ich habe also gar nicht viele in petto, mit denen ich etwas machen könnte!
Eine kleine, geblümte Tüte habe ich neulich beim Aufräumen zusammengeknüllt in unserer Speisekammer gefunden und eine weitere (hmmm, räusper…) wegen des Donald Duck-Motivs geschenkt bekommen. Da dachte ich bei mir, okay, haste zwei Stück mit ganz netten Motiven, also probierst Du das jetzt doch einmal aus, ist ja doch irgendwie spannend. Also habe ich die Tüten zerschnitten und drei bis vier Plastiklagen aufeinander gebügelt. Ganz kurz auf Stufe 2, denn sonst schmurgelt alles weg. Aber ganz ehrlich, überzeugt hat es mich nicht: Ich halte die so entstandene Verbindung des Plastiks in haptischer Hinsicht für eine Vollkatastrophe. Ich könnte daraus keinen Gebrauchsgegenstand nähen, den ich oft anfassen muss, Tasche/Etui fällt total aus. Habt Ihr das einmal ausprobiert, wie findet Ihr die Haptik?
Aus meinen beiden Tütenverbindungen habe ich dann lieber einen Freestyler-Übertopf für Bettys Katzengras sowie ein Hänge-Utensilo (das kostenlose Schnittmuster plus Anleitung findet ihr HIER) für unsere Spülschwämmchen genäht. Plastik darf ja schließlich nass werden.

Fazit: Das mache ich nicht noch einmal! Aber der Hängekörbchen-Schnitt ist ganz knuffig, oder?!

Weitgereiste Säcke – aber keine Seesäcke

Nix Japan, nix Fifties, heute geht es um Kaffeesack!

Vor einigen Wochen bekam meine Kollegin Caro von Burlemann eine Anfrage hinein, die sie freundlicherweise an mich weiterleitete: Die Kundin wünschte sich eine große, geräumige Tasche aus Kaffeesack, dem Material, mit dem Caro hauptsächlich arbeitet. Sie fertigt daraus Artikel wie z. B. Tischsets, Brotkörbe in verschiedenen Größen sowie alltagstaugliche Seesäcke, aber an eine Umhängetasche wollte sie nicht so recht ran.

Uns war beiden klar, dass sich Jute allein nicht dafür eignet, stabile, belastungsfähige Taschen zu nähen und so schlugen wir der Interessentin vor, lediglich auf die Außentaschen bedruckten Kaffeesack aufzubringen. Der Vorschlag wurde angenommen und so schickten wir Abbildungen infrage kommender Kaffeesäcke  und ich machte mich alsbald an die Schnittmustererstellung sowie den Materialeinkauf. Schwarzer Canvas sollte es sein, der zusammen mit dem derben Gurtband sehr gut zur bodenständigen Jute passt.

Die Arbeit daran hat sehr großen Spaß gemacht, insbesondere weil die Auftraggeberin, mit der zwischenzeitlich hochfrequent zwischen dem Schwarzwald und Hamburg hin- und hergemailt wurde, immer unfassbar fix reagierte. So hatten wir schnell eruiert, welche Ausschnitte vernäht werden sollen und die Arbeit ging schnell voran.

Hier ist nun das Ergebnis nach Maßangaben der Auftraggeberin:

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Breite 35 cm, Höhe 32 cm, Bodentiefe ganze 22 cm!
Geräumige „Lehrertasche“ aus schwarzem Canvas kombiniert mit Kaffeesack, ausgestattet mit zwei Reißverschluss-Seitentaschen, einer aufgesetzten Außentasche mit Klappe und Magnetschließe sowie zwei großen Reißverschlusstaschen und Karabiner für Schlüsselband im Innenfutter. Der abnehmbare Tragegurt wird mittels Karabiner in zwei 14 mm-Ösen eingehakt, zwei Tragegriffe runden die Tasche ab.

Nach dieser erstmaligen Zusammenarbeit haben Caro und ich besprochen, dass  Burlemann und Zwölfte Koje links diesen Service in Zukunft anbieten werden: Auf Bestellung fertigen wir robuste Taschen mit „Kaffeesackanteil“, vorzugsweise nach vorhandenen Schnitten, aber auch eine Schnittmusterkonzeption nach genauen Maßangaben können wir in den meisten Fällen anbieten.
Bitte beachtet, dass wir den Kaffeesack nicht als tragendes, also mit Gewicht zu belastendes Taschenteil einsetzen können, sondern nur als aufgesetzte Dekoration. Dies kann auf Taschenklappen, aufgesetzten Taschen oder auch auf einem Teil des Taschenkorpus erfolgen. Das Grundmaterial der Tasche muss jedoch immer ein festes Material wie z. B. Baumwollcanvas oder Tyvek sein.
Bei Interesse schreibt gerne an Caro, denn sie sucht, findet und lagert die Kaffeesäcke, während ich ausführende Kraft sein werde.

Makeover Lifetime-Hocker

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Als er ab 1974 in meinem Babyzimmer stand, war er weiß. Davor war er aber rot und danach (schon von mir selbst ) in Dunkelblau angestrichen gewesen. Dann 2004, als sich der Offspring ankündigte, habe ich ihn schnell in Sonnengelb umgefärbt, und so stand er bis neulich im Kinderzimmer und diente zuletzt als Nachtkästchenersatz. Vor fünf Wochen flog er aus selbigem raus und ich fand ihn ausrangiert im Flur stehen.

Zeit für´n Makeover, obwohl das Kleinstmöbel schon krumme Beinchen hat und bestimmt nicht mehr so richtig zum Draufsitzen taugt. Vermutlich wird der Hocker in erster Linie von Farbe zusammengehalten, aber den Job als kleines Beistelltischchen kann er schon noch übernehmen, deshalb ging es für ihn am ersten Oktoberwochenende ab auf den Balkon zum Aufhübschen.

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Ich wollte wohl gern einmal Kreidefarbe ausprobieren, also habe ich mir für alle Fälle drei Chalky Finish-Farben für Holz, nämlich Beige, das wie ein ganz helles Cremeweiß wirkt, Klassikrot und Ebenholz (mei, Schwarz halt!) geholt. Die beiden letzteren habe ich dann auch tatsächlich gemischt, weil mir der Vollton Rot auf dem Hocker dann einfach zu krass war.

Natürlich kam zu aller erst die ganz doofe Arbeit: Ohne gründliches Anschleifen haftet die Farbe später nicht gut und genaugenommen gehört auch unter Kreidefarbe nach dem Abschleifen ein Anstrich mit Grundierung. Ich habe stattdessen den Hocker zweimal mit einem weiteren gründlichen Schleifvorgang zwischen den beiden Farbaufträgen gestrichen.

Ich wollte zwar von Anfang an mit zwei kontrastreichen Farben arbeiten, die schlichte, aber effektvolle Art Deco-Nummer kam mir aber erst ganz zuletzt in den Sinn, als ich mich schon in einigen floralen Spielereien verrannt hatte. Zum Glück behielt da mein Faible für Klares, nicht allzu Schnörkeliges die Oberhand!

Nach der Trocknungszeit habe ich dann also die Sitzfläche jeweils parallel zu den Kanten mit Malerkrepp abgeklebt und mit einem sehr scharfen Bastelskalpell (niegelnagelneue Klinge!) das Klebeband zurechtgestutzt. Ich benutze sonst z. B. für den Lavendeldruck immer das günstige Billigheimer-Malerkrepp, weil´s für diesen Zweck einfach ausreicht, aber in diesem Fall habe ich das teure genommen, es gut festgedrückt und die Kreppkanten noch einmal mit Kreidefarbe in Beige überstrichen, damit im Anschluss der rote Farbauftrag nicht unters Kreppband laufen konnte.

Wieder nach einer Trocknungsphase habe ich die Seitenteile der Sitzfläche und die mit Krepp abgeklebte Sitzfläche rot gestrichen. Mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden, zu grell das Ganze. Also war der zweite Anstrich schon ein dunkles Burgunder durch das Mischen mit der schwarzen Kreidefarbe. Ein dritter Anstrich folgte und nach ca. eineinhalb Stunden Trocknungsdauer habe ich das Kreppband vorsichtig gelöst.

Länger habe ich mich nicht getraut zu warten, da ich Angst hatte, ich würde bei einer „staubtrockenen“ Oberfläche wieder die Hälfte der Farbe zusammen mit dem Krepp herunterreißen. Aber so wie ich es gemacht habe, war es zumindest nicht total verkehrt, ich musste lediglich zwei kleine Stellen mit einem feinen Pinsel ausbessern. ;)

So weit, so gut. Das Ergebnis gefällt mir. Die Farbe verläuft nicht zu einer glatten Oberfläche, sondern bleibt relativ grobkörnig. Man sieht die Pinselverläufe, das muss man natürlich mögen, und der Anstrich hat einen recht matten Effekt.
Ich habe das Hockerchen nach weiteren zwei Stunden Durchtrocknung mit Möbelwachs gewachst, zum einen, weil dann der Anstrich besser geschützt ist, zum anderen finde ich dann so ein ganz leichtes „Möbelschimmern“ doch sehr apart.

Insgesamt halte ich Kreidefarben für eine schöne Sache. Da auf Wasserbasis, riecht sie überhaupt nicht, das heißt, man muss zum Verarbeiten nie auf schönes Wetter warten, weil sonst die Bude wie ne Lackiererei duftet und der Schädel brummt. Des Weiteren mag ich den antiken, etwas rauen Look, den die Farbe erzeugt. Falls mir noch in Bälde etwas „Anstreichwürdiges“ unterkommt, würde ich es wohl einmal mit dem Schablonieren versuchen. Selbstverständlich mit selbstgemachter Schablone! ;)