Die letzte Plastiktüte

Ich bin Lichtjahre zu spät! Der Plastiktüten-bügeln-und-vernähen-Trend ist (zu Recht!)schon lääängst wieder out. Außerdem  versuche ich doch seit Jahren weitestgehend auf Plastiktüten zu verzichten, ich habe also gar nicht viele in petto, mit denen ich etwas machen könnte!
Eine kleine, geblümte Tüte habe ich neulich beim Aufräumen zusammengeknüllt in unserer Speisekammer gefunden und eine weitere (hmmm, räusper…) wegen des Donald Duck-Motivs geschenkt bekommen. Da dachte ich bei mir, okay, haste zwei Stück mit ganz netten Motiven, also probierst Du das jetzt doch einmal aus, ist ja doch irgendwie spannend. Also habe ich die Tüten zerschnitten und drei bis vier Plastiklagen aufeinander gebügelt. Ganz kurz auf Stufe 2, denn sonst schmurgelt alles weg. Aber ganz ehrlich, überzeugt hat es mich nicht: Ich halte die so entstandene Verbindung des Plastiks in haptischer Hinsicht für eine Vollkatastrophe. Ich könnte daraus keinen Gebrauchsgegenstand nähen, den ich oft anfassen muss, Tasche/Etui fällt total aus. Habt Ihr das einmal ausprobiert, wie findet Ihr die Haptik?
Aus meinen beiden Tütenverbindungen habe ich dann lieber einen Freestyler-Übertopf für Bettys Katzengras sowie ein Hänge-Utensilo (das kostenlose Schnittmuster plus Anleitung findet ihr HIER) für unsere Spülschwämmchen genäht. Plastik darf ja schließlich nass werden.

Fazit: Das mache ich nicht noch einmal! Aber der Hängekörbchen-Schnitt ist ganz knuffig, oder?!

Die Koje ist kein Hobby!

Ich muss da mal etwas loswerden: Es gibt einen Beitrag in diesem Blog, der ziemlich regelmäßig Auftragsanfragen nach sich zieht und zwar ist es dieser. Tatsächlich ist es so, dass kein einziges der offiziellen Koje-Produkte so viele Anfragen bekommt wie das Schnuller-Utensilo, das ich vor knapp drei Jahren einmalig für eine Kindertagesstätte angefertigt habe.

Ich antworte daraufhin recht ausführlich mit Angabe der  voraussichtlichen Arbeitszeit, meines Stundensatzes  sowie der Materialkosten bzw. gebe Einkaufstipps hochwertige Wachstücher betreffend, damit die Interessentin sich einen Überblick verschaffen kann.

Eine Antwort, dass ob des Preises noch einmal Rücksprache gehalten werden muss, habe ich bislang nur von einer einzigen Interessentin erhalten. Ansonsten nicht einmal eine Rückmeldung á la  „Danke für die Info, aber das sprengt unser Budget“. Also gehe ich mittlerweile davon aus, dass mein Stundensatz als völlig überzogen betrachtet wird.   Ja, ein Schnuller-Utensilo ist definitiv kein Schnäppchen, aber meine Arbeit ist das wert.

Als Kleinunternehmen, das Gewinn abwerfen soll, bin ich nicht gewillt eine andere Preispolitik  zu betreiben.
Außer einem 450 €-Job, mit dem ich meinen Krankenkassenbeitrag und die Miete für meinen Arbeitsplatz in der Schneiderei bestreite, ist Zwölfte Koje links meine einzige Einnahmequelle. Ich lebe davon. Nicht auf großem Fuß, aber meistens sehr ausgeglichen und zufrieden. Wer der Meinung ist, ich könnte es mir leisten, mir allerhöchstens den aktuellen Mindeststundenlohn von 8,50 € auszuzahlen und einen Artikel, für den ich zweieinhalb Stunden Arbeitszeit einrechnen muss, für 29,90 € inklusive Materialkosten anzufertigen, der möge bitte von Anfragen absehen.

No hard feelings, überhaupt nicht, aber bitte vergegenwärtigt Euch, dass meine Arbeit kein Hobby ist, bei dem ich es mir herausnehmen kann, am Monatsende mit Plus/Minus Null dazustehen.

Da ich versuche, nach Möglichkeit immer genau hinzuhören und keine hörbare bzw. in diesem Fall lesbare Reaktion schließlich auch als Antwort gewertet werden kann, habe ich mir eine sehr viel günstigere Lösung für das Schnuller-Herumflieg-Problem in Kindertagesstätten überlegt: Statt der aufwendigeren Einstecktaschen  kann ich auch farbige Ripsbänder  auf dem Wachstuch aufnähen, die durch Anbringung eines Druckknopfes eine Schlaufe bilden, in die der Schnuller „eingehängt“ werden kann. Dies setzt voraus, dass der Schnuller entweder an einem Schnullerband hängt oder einen Greifring hat. Namensschilder können z. B. auf Washi Tape geschrieben werden, das sich auch von Wachstuch rückstandslos wieder ablösen lässt.
Kosteneinsparung gäbe es auf diesem Weg nicht nur durch eine geringere Anfertigungszeit, sondern auch durch Einsparung an Material. Und ein Unikat habt Ihr trotzdem!

Wäre das eine Alternative?
Gebt mir gern ein Feedback!

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Eine Übersicht, welche Kosten in die Preiskalkulation mit einfließen müssen, um als gewerbliche Handmaid über die Runden zu kommen, findet Ihr HIER.

Es wird nach Anleitung genäht!

Ihr wisst ja, vor zwei Wochen habe ich mich aus einer Laune heraus fürs Probenähen des neuen eBooks von Kreativlabor Berlin beworben. Das war für mich auch so eine überfällige Angelegenheit, die einfach mal gemacht werden musste!

Julia vom Kreativlabor Berlin hat mich dann freundlicherweise auch ausgewählt und ich bekam am Sonntag vor Ostern das eBook Pinsel- & Stiftetasche in 3 verschiedenen Größen zum Probenähen zugeschickt. Gleich die Woche drauf habe ich mich ans Werk gemacht, eine Pinseltasche sollte es sein, für die mir schon folgende Kombi vor meinem inneren Auge schwebte: Außenseite aus Baumwolle in einem hellen Türkis, Innenseite BELLA von Lotta Jansdotter und der Verschluss sowie der Pinselschutz aus schrillem türkisfarbenem Kunstleder. Das Resultat ist jetzt bereits im Koje-Familieneinsatz und beherbergt unser gesamtes Pinselkontingent.

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Was Julias Anleitung einigen anderen voraus hat, sind die sehr guten Farbfotos, die zahlreiche Einzelschritte illustrieren, sowie die übersichtliche und trotzdem freundlich-bunte Gestaltung. Dahinter steckt die Intention, auch absoluten Nähanfängern gerecht zu werden. Abgesehen davon, dass ihr das offensichtlich gelungen ist, finde ich diese Einstellung auch noch enorm sympathisch, denn wir haben ja alle mal einen Anfang finden müssen, stimmt´s?! :)

Alle Ergebnisse des Probenähens sind übrigens im Blog von Kreativlabor Berlin einsehbar. Das eBook Pinsel- & Stiftetasche inkl. Schnittmuster zum Download findet ihr HIER und die kostenlose Anleitung HIER.

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Ich wünsche euch noch ein superschönes Wochenende mit Sonne und ganz viel Blau am Himmel!
Bis nächste Woche!

Von der Anfrage bis zum fertigen Produkt

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Was hab´ ich mich gefreut diese Woche! Ich find´ total super, dass eine meiner Sonderanfertigungen so viele postive Reaktionen zur Folge hatte! So etwas geht mir runter wie Öl! Danke!

Ich werde übrigens gern gefragt, ob ich Sonderaufträge annehme. Die Frage kann ich gar nicht pauschal beantworten, denn es kommt immer auf den Artikel selbst und den Aufwand an, den ich mit der Konzeption und der Schnittmustererstellung habe. Denn letzten Endes muss die Bereitschaft vorhanden sein,  mich auch für diesen Teil meiner Arbeit zu bezahlen.

Ende letzter Woche kam so eine Anfrage: „Bei uns in der Kita kommen im Laufe des Tages die Schnuller der Lütten irgendwie immer durcheinander, und die Namen stehen da ja eher selten drauf…wir bräuchten etwas zur Aufbewahrung, an das man schnell rankommt. Kannst Du da was machen?“

Manchmal haben die Kunden schon sehr genaue Vorstellungen, manchmal erhalte ich „freie Hand“. Mal fällt mir gleich etwas ein, ein anderes Mal brainstorme und rechne ich und melde mich dann beim Auftraggeber zurück, um alles durchzusprechen.
Im Falle der Schnulleraufbewahrung für die Kindertagesstätte schoss mir erst einmal das Weihnachtsutensilo von pattydoo durch den Kopf. Okay. Also ein Utensilo, das man nicht herumräumen muss, sondern aufhängen kann. Waschmaschinengeeignet und am besten abwischbar sollte es sein. Da lag Wachstuch nahe.

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Für die einzelnen Taschen, sechzehn an der Zahl, war das Hauptkriterium, dass sie nicht fummelig knapp geschnitten sind, sondern man gut in sie hineingreifen kann, wenn´s mal schnell gehen muss. Jaha, nicht lachen, Usability ist schließlich nicht nur in den Weiten des Internets von Bedeutung! :)
Schließlich fiel die Wahl auf Zieharmonikataschen, die ich an den Seiten jeweils großzügig gefaltet habe, um mehr Tiefe zu erhalten. Damit beim Aufnähen nichts verrutschen kann, habe ich für das Ausrichten der Einstecktaschen Stylefix von farbenmix verwendet, ein doppelseitig klebendes Klebeband, das später auch problemlos mitgewaschen werden kann, ohne hart und knubbelig zu werden.
Die Kita hat sich übrigens für Metallösen als Aufhängung entschieden. Damit´s stabiler wird, habe ich am oberen Rand das Wachstuch umgenäht, bevor ich die Ösen eingeschlagen habe. Über die so entstandene Naht habe ich ein quietschbuntes Webband in Orange und Pink genäht. Zuletzt das Ganze mit türkisfarbenem Schrägband eingefasst eeeeet….
VOILÁ!

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Wie findet Ihr es?

Nachtrag vom 21. Januar 2017: Bitte lest hierzu auch folgenden Blogeintrag! Da wird noch eine Alternative vorgestellt und etwas zur Preispolitik gesagt! Vielen, vielen Dank!