Flohmarktmäuse

Mickey Mouse Minnie Mouse Vintage Skulptur

‚If you can dream it, you can do it. Always remember that this wohle thing was started by a mouse.‘ 

Walt Disney

Gerties Bleistiftkleid aus…Jersey

Pencil Dress Gretchen Hirsch

Das finden sicher einige ganz schön unmöglich: Einen von Gretchen Hirsch modifizierten Vogue-Schnitt aus den Fünfzigern aus…böse Tina!…Jersey nähen. Pfui! Und dann sieht das nicht einmal richtig doof aus! Im Gegenteil, finde ich!

Ich finde den Schnitt sowieso so selten cool, den könnte man nach diesem von Erfolg gekrönten Nähversuch bestimmt auch noch einmal mit Strickware realisieren. Denn klar war ich skeptisch, ob das mit einem derartigen Rückenausschnitt klappen würde und in der Schneiderei, in der ich eingemietet bin, hieß es auch von den beiden Profis: „Möchtest du den Ausschnitt nicht wenigstens ein bisschen verkleinern?“
Wollte ich nicht.

Das Kleid ist seiner Entstehungszeit entsprechend für feste Stoffe konzipiert und wird im Rücken mit einem Reißverschluss geschlossen. Bei der Jersey-Variante habe ich den Reißer natürlich weglassen können, aber nicht nur mit einer Blende gearbeitet, sondern die Stoffkanten des hinteren Ausschnitts mit einem breiten aufbügelbaren Nahtband versehen, damit dieser in Form bleibt. Es mag unkonventionell sein, aber für mich funktioniert es, der Ausschnitt liegt gut an und hängt nirgendwo durch.

Ein richtiges Wohlfühlkleid ist es geworden, werde ich oft tragen! :)

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Der Schnitt für das Bleistiftkleid ist aus folgendem fabelhaften Buch von Gretchen Hirsch entnommen und sogar vorne auf dem Cover abgebildet.

Vor gut zwei Jahren habe ich mich das erste Mal an eine Variante mit halblangem Arm gewagt. Damals hatte ich noch viel mehr dazuzulernen als heute und oft wollte ich nach hinten auf den Hof laufen und den ganzen Klumpatsch einfach anzünden.  Dank Sevgi, meiner Vermieterin und Mentorin, habe ich aber durchgehalten und erhielt am Schluss ein klassisches, auch bürotaugliches Bleistiftkleid im Fünfzierjahre-Stil (obwohl ich ja gar nicht mehr ins Büro gehe!).

Das Buch kann ich in jedem Fall immer noch uneingeschränkt empfehlen! Man kann ne Menge lernen, wenn man sich etwas eingehender damit beschäftigt. Wirklich wahr! :)

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Neu: Koje zu Schnäppchenpreisen

Reduziertes

Nicht ganz neu, aber jetzt auch hier!

Es gibt in meinem Onlineshop auf DaWanda von Zeit zu Zeit eine SALE-Sektion, in der man Einzelstücke aus älteren Kollektionen zu Schnäppchenpreisen erwerben kann.
Ich habe mich nun dazu entschlossen, Euch hier unter Reduziertes Artikel anzubieten, die ihre Zeit im Shop und im Schaufenster der Schneiderei hatten, sozusagen ein kleines Outlet oder nennen wir es Flohmarkt mit Neuware. ;).

Ich habe noch kein Shop-System eingerichtet, was man mir verzeihen möge, habe aber versucht, es Euch so bequem wie möglich zu machen: Wenn Euch ein Artikel interessiert, nutzt den KONTAKT-Button unter dem jeweiligen Angebot und gebt in Eurer E-Mail das Betreff-Kürzel an. Auf Wunsch schicke ich auch gerne noch weitere Abbildungen und Detailaufnahmen!

Wenn eine Kaufentscheidung gefallen ist, erhaltet Ihr von mir eine Rechnung im pdf-Format per E-Mail. Bezahlt werden kann per Banküberweisung oder Paypal.
Dein Artikel wird spätestens einen Tag nach dem Zahlungseingang an Dich versendet.

Es gelten auch hier meine AGB inklusive Widerrufsrecht.

Wollt Ihr mal gucken, ob etwas für Euch dabei ist? ;)

SALE Clutch Handtasche Accessoires

Ich wünsch Euch viel Spaß beim Stöbern!

Carmen-Shirt auf die ganz einfache Tour

Carmen Shirt

 

Als ich noch im Textilfachhandel gearbeitet habe und meine Kolleginnen und ich wegen  neu eingetroffener Stoffe in Verzückung gerieten, fiel häufig der Satz: „Ich darf den gar nicht kaufen, erst, wenn ich dafür ein Projekt gefunden habe.“ Aber sehr oft haben wir uns nicht daran gehalten und man schnitt sich dann doch ein Stück ab unter den verständnisvollen Blicken der anderen.

Letzten Winter auf einem Markt lief es mal wieder genauso: Ich kaufte von meiner Kollegin Y. ein Stück Jersey der Größe 0,5 m x 1,50 m. Und ich wusste natürlich da auch erst nix damit anzufangen, fand ihn einfach nur unfassbar schrill. Tja, und die Gestaltungsmöglichkeiten für „Erwachsenenkleidung“ ist bei der geringen Stoffmenge ja auch eher begrenzt.
Dann kamen endlich die ersten warmen Tage und ich guckte mich im Netz nach einem Schnittmuster für ein Carmen-Shirt mit gerafftem Ausschnitt um. Ich fand im Ranking ziemlich weit oben eine Zeichnung einer Carmen-Bluse, für die es bei der Hobbyschneiderin auch eine Anleitung gibt. Nach der ich aber nicht nähen konnte, da ich nicht genug Stoff zur Verfügung hatte, um je ein Vorder- und Rückenteil mit angesetzten Ärmeln  zuzuschneiden. Mir kam jedoch durch die Zeichnung eine Idee: Ein horizontal gestrecktes  Sechseck als Vorder- und Rückenteil und ein Trapez als Ärmel. Alles gerade Linien, keine Rundungen. Ehrlich, mehr ist es nicht. Für das Schnittmuster Maß genommen habe ich folgendermaßen:

  • Taillenumfang halbiert plus 6 cm (hier ist die Nahtzugabe von 0,7 cm schon enthalten) = untere und obere Breite des „Vorder- und Rückenteil-Sechsecks“ (bei den Winkeln des Trapezes habe ich experimentiert und schließlich oben mit 120 Grad, unten mit 110 Grad angesetzt)
  • Oberkörperlänge gemessen von der Drosselgrube bis zur Taille plus 3 cm (davon untere Nahtzugabe 0,7 cm sowie 2,3 cm für den Tunnel am Halsausschnitt, durch den das Flachgummi gezogen wird = Länge des Vorder- und Rückenteils.
    CAVE: Dies gilt nur, wenn man ein Taillenbündchen von 5 cm Breite annähen möchte und das Shirt auf Taillenhöhe enden soll, also wenn man es zu Röcken und High Waist-Hosen tragen möchte. Ohne Bündchen, aber auf Taille gebracht würde ich 10 cm zugeben.
  • Oberarmumfang, damit ich das Gummiband für den Ärmeltunnel gut anpassen kann und es später beim Tragen nicht einschneidet; des Weiteren zum Oberarmumfang 4 cm dazu addieren, so erhält man die untere Breite des Ärmel-Trapezes. Wenn man nun zur unteren Breite 15 cm dazu addiert, erhält man die obere Breite des Ärmels. Die Ärmellänge habe ich abgeschätzt, indem ich am Vorderteil die Länge der kürzeren oberen Seite, an die die Ärmel genäht werden, abgemessen habe und dazu für die Kurzarmvariante 10 cm dazu addiert habe (8 cm Ärmellänge plus 2 cm zur Tunnelbildung).

Genäht wird entweder mit der Overlock oder auf der Haushaltsnähmaschine mit Zickzack- oder, wenn vorhanden, mit Overlock-Stich.

Carmenshirt Kopie

Nachdem ich die Ärmel an Vorder- und Rückenteil genäht hatte, bekam ich zugegebenermaßen Zweifel, ob ich da nicht doch einen Denkfehler drin habe: Das Gebilde sah aus wie ein U-Boot! Aber seit dem Einziehen des oberen Gummis geht es eindeutig als Carmen-Shirt durch!

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Für die Tunnel an Halsausschnitt und den Ärmeln habe ich 2 cm umgeklappt und mit einem Geradstich längs genäht. Die Wendeöffnung beträgt jeweils ca. 5 cm und eingezogen habe ich ein 0,5 cm starkes Flachgummi, mit 0,7 cm geht es aber bestimmt auch.
An der Gummibandlänge für den Halsausschnitt habe ich einfach herumprobiert, wie weit oder eng es mir selbst am besten gefällt, also grob verknotet und ins Kleidungsstück reingeschlüpft bis es mir gefiel. Das würde ich auch immer empfehlen, da Gummis oft sehr unterschiedlich dehnbar sind, eine Längenangabe gibt´s deshalb von mir nicht.

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Ich bin reichlich zufrieden mit dem Schnitt. Den nähe ich mir noch einmal unifarben oder meliert. Aber natürlich nur wenn mir der richtige Stoff übern Weg läuft. ;)

Material:

  • dehnbarer Stoff, am besten Jersey oder Interlock (Länge in der Abmessung des Vorder- und Rückenteils bzw. zzgl. der Ärmellänge, wenn man das Shirt aus einem Stoff nähen möchte, Stoffbreite muss mind. 1,40 m betragen)
  • Flachgummi zwischen 1,50 m und 2 m

 

„Der Schein bestimmt das Sein.“

Nahaaa…habt Ihr mal wieder so richtig Lust auf ein handwerklich hochwertiges Umkleide-Selfie, das ein perfekt aufeinander abgestimmtes Outfit zeigt?
Wusste ich´s doch! ;)

We are the Mods

Es ist ja bereits wieder ein paar Monate her, dass ich einen Schatz in München beim weltbesten Vintage-Bekleidungsgeschäft Alexa´s gehoben habe.
Ein schwarzweiß kariertes Kleidchen mit Bubikragen, Original Sechzigerjahre, der Bekleidungsmarke Fritzi of California, deren Kopf und Namensgeberin Fritzi Lehmann Benesch im Übrigen 1939 aus Deutschland geflohen ist und zunächst in London, später dann in den USA Fuß gefasst hat und die Damenwelt mit einfallsreicher, erschwinglicher Mode beglückt hat. Guckt mal auf Etsy, da finden sich immer noch Kleidungsstücke von ihr!

Viel ändern musste ich an meinem Fritzi of California-Kleid nicht, lediglich die Rückenabnäher wurden sowohl nach oben als nach unten verlängert, weil das Kleid aufgrund meiner 157 cm Körpergröße auf Steißbeinhöhe eine Falte geworfen hat. Ist ja nicht wirklich was Neues, dass mir zum guten Sitz ca. 5 cm an Körpergröße fehlen.
Und keine Sorge, ich trage dieses astreine Mod-Kleidchen draußen auf der Straße nicht mit Kniestrümpfen und Chucks, das mache ich nur total geheim in der Umkleide! ;)

Mir gefällt dieser schlichte Schnitt samt Bubikragen, den ich noch vor wenigen Jahren höchst befremdlich fand, inzwischen sehr gut, sodass ich mir auf der Grundlage des Schnittmusters Mathilda, das ursprünglich mit einem kontrastierenden Vorderteileinsatz genäht wird, ein weiteres Modell Marke Modmädchen genäht habe. Es ist ein einfacher Schnitt, der für dehnbare Stoffe konzipiert wurde, es fallen also nicht zwingend Abnäher an, aber die Variationsmöglichkeiten sind enorm!
Meine abgewandelte Mathilda ist ganz schlicht aus schwarzem, hochwertigem Jersey genäht, lediglich zwei große Knöpfe als Hingucker habe ich mit kontrastierendem Stoff bezogen. Zusammen mit halbhohen Stiefeln übrigens sehr apart! Das ging aber fürs Foto nicht, Stiefel bei dampfigen 25 Grad Außentemperatur nach einem Mega-Hamburg-Unwetter, nö, wirklich nicht!

Easy Sixties Dress

Kommt die Sprache auf Mods, woran denke ich denn da überhaupt?

An The Who!
An Rebis alte Vespa, die wir im Jahr 2000 in einem kleinen Ort an der Ostsee abgeholt haben und mit der sie bis letztes Jahr in Hamburg herumgefahren ist!
Und natürlich an NATO-grüne Parkas, am besten noch gepimpt mit The Who- oder Lambretta-Aufnähern!

Die Subkultur der Mods ( „modernists“) entstand in der britischen Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht im England der späten Fünfzigerjahre unter Fans des amerikanischen Modern Jazz, Soul, Ska und R&B und entfaltete sich bis Mitte der Sechzigerjahre zu seiner vollen Blüte.
Die Abgrenzung zu anderen war wie bei allen Jugendkulturen ein wesentlicher Bestandteil des Mod-Movements, aber auch die zur eigenen, bescheidenen Herkunft. Da wurde schon einmal der Wochenlohn beim Schneider in einen Maßanzug investiert, um erfolgreich rüberzukommen.
Der übergroße Parka, der so gar nicht zum Rest des Outfits zu passen schien, kam erst später hinzu und wurde in erster Linie von den Rollerfahrern unter den Mods getragen, um die kostspielige Kleidung bei der Fahrt zu schützen. So fuhr  man denn auch mit den Vespas und Lambrettas am Wochenende im Konvoi ins Seebad Brighton, um es im angesagten Club Electric Ballroom gepflegt krachen zu lassen, oder lieferte sich regelrechte Straßenschlachten mit den Rockern, die es ebenfalls am Wochenende oft nach Brighton zog.
Also, ihr seht schon, brave Jungs`n´Deerns waren das nicht und Drogen wurden auch zuhauf konsumiert.

Quadrophenia

Lesley Ash und Phil Daniels in Quadrophenia (1979)

Ende der Siebzigerjahre erlebte die Mod-Bewegung noch einmal ein Revival. Denn nicht alle fanden Punk damals so prall, es gab auch viele, denen das einfach zu schmuddelig und zu No future war. Und ganz ehrlich, in Sachen Melodie lieferte Punk nicht gerade Klangexplosionen ab. Trotzdem bedienten sich damals Bands gern beider Musikstile, allen voran The Jam, eine der einflussreichsten  Bands des Mod-Revivals.
1979 entstand auch der Film Quadrophenia, der auf dem gleichnamigen Konzeptalbum von The Who aus dem Jahr 1973  basiert und den ich wärmstens empfehlen kann. Ich war ja nun nicht dabei, möchte aber behaupten, dass es Quadrophenia gelingt, recht authentisch die Szene der Mods darzustellen, und eindrucksvoll das damalige Lebensgefühl einfängt.
Anfang der Achtzigerjahre versandete die Bewegung wieder, blitzt jedoch insbesondere in Rollerkreisen immer einmal wieder auf und nimmt definitiv immer noch Einfluss auf Musik und Popkultur, die aus dem Vereinten Königreich kommt. Mehr als wir manchmal denken…

In diesem Sinne: We are the Mods!

Very helpful link:
http://www.modculture.co.uk/