Kannst kommen, Sommer! Plaid Rockabilly Dress von Gretchen Hirsch

Plaid Rockabilly Dress Gretchen Hirsch 1

Ihr merkt schon, ich habe immer noch so einige Gretchen-Schnitte aufzuarbeiten. Das Plaid Rockabilly Dress musste zum Beispiel ganze zwei Jahre auf die Realisation warten und das, obwohl ich sogar schon den passenden Stoff dafür hatte, der mitnichten ‚plaid‘, also kariert war, und den ich noch aus meiner Zeit im Stofffachgeschäft gehortet hatte.
Dabei handelt es sich um einen sehr dünnen und somit sommertauglichen Jeansstoff mit winzigen hellblauen Polka Dots. Der Stoff und ich sind übrigens auch nur wegen dieses dezenten Punktdurchmessers zusammengekommen, denn ein Kleid mit größeren oder gar großen Polka Dots wäre mir wirklich ein arger Graus.

Plaid Rockabilly dress Gretchen Hirsch 4

Das Schnittmuster  für das Plaid Rockabilly Dress stammt aus dem Buch ‚Gertie´s Ultimate Dress Book‘ und ist definitiv eines der leichter zu nähenden Modelle mit Puffärmeln sowie verspielten Details an Kragen und Saum. Letztere waren mir aber schon wieder zu krass, denn auf Zickzackband bin ich bisher nicht gerade abgefahren und einen harten Kontrast wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Aber wer weiß, Geschmäcker können sich ändern und vielleicht packt es mich ja eines Tages noch…für dieses Kleid habe ich mich aber einmal wieder für eine Paspel in einem blassen Blauton entschieden, die meiner Meinung nach den Kragen betont, aber zugleich auch „entschärft; denn um ehrlich zu sein, bei der ersten Anprobe fand ich den noch nicht festgenähten Kragen an mir nicht so prickelnd, viel zu Western-, viel zu Cowgirl-mäßig kam mir das vor, als ob ich dazu am besten nur meine uralten Biker Boots aus dem Keller anziehe und mir schnellstmöglich ein Accessoire wie zum Beispiel ne Mistgabel anschaffen sollte. Na, was soll ich sagen: Die Paspel hat´s irgendwie rausgerissen für mich, jetzt gefällt es mir!

Plaid Rockabilly Dress Gretchen Hirsch 5

Selbstverständlich ging es auch diesmal nicht ohne Anpassung. Wie schon bei meiner geliebten Vintage Jeans von Gretchen liegt mein Taillenumfang in der ihren Büchern zugrunde liegenden Größentabelle eine ganze Größe über der für Brust und Hüfte, also 6 – 8 – 6. Klingt irgendwie fast wie 60 – 90 – 60, nicht war?! Ist aber absolut weniger als halb so schlimm! ;)

Plaid Rockbilly Dress Gretchen Hirsch 2

Als alle Schnittteile vernäht bzw. geheftet waren, bin ich vor dem Einsetzen des rückwärtigen Reißverschlusses einmal ins Kleid hineingestiegen, weil ich ja aus Fehlern lerne und mir sicher war, dass ich wie sonst auch eine Hohlkreuzanpassung vornehmen muss. Das war diesmal jedoch gar nicht notwendig, was mich echt überrascht hat! Dass aber einmal etwas wie angegossen sitzt, gibt es bei mir trotzdem nicht: Korrekturbedürftig waren die Abnäher im Vorderteil, die sowohl verlängert als auch vertieft werden mussten, denn da war definitiv zu viel Platz für meine Körbchengröße.

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Der Rest war dann, ich traue mich das allmählich zu sagen, Routine. Nahtverdeckter Reißverschluss rein, hintere Naht schließen, säumen: Fertig war das sehr luftige, aber figurbetonte Sommerkleidchen mit Platz für ein Mittagessen (und Eis hinterher)! Nun fehlt nur noch ein real McCoy-Sommer, damit ich es auch ausführen kann.
Irgendetwas sagt mir, dass das dieses Jahr klappen wird!

Marokkanischer Mini-Teppich aus Baumwollkordel

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel

Ich gucke mir schon sehr gern farbenfrohe Häkelgeschichten bzw. Crocheting-Arbeiten an, und besonders einige gehäkelte Läufer (ja, ernsthaft!), die ich gesehen habe, finde ich richtig schick (auch ernst gemeint!)!
Da ich selbst es aber mit Häkeln und Stricken irgendwie so gar nicht halte, habe ich etwas ausprobiert, was vom Effekt her auch als „Quick and dirty“-Variante dessen betrachtete werden kann. Also, nur auf die Entfernung natürlich, aber ich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis.

Für meinen Mini-Teppich habe ich 30 Meter naturweiße Baumwollkordel mit einem breiten, großen Zickzackstich immer rundherum aneinandergenäht und das Ganze der Stabilität wegen noch ein zweites Mal mit einer Zickzack-Naht fixiert. Indem man einen Anschiebetisch benutzt, stellt man auch sicher, dass die Kordel jeweils immer parallel zum bereits genähten Teil festgenäht wird, schließlich wollen wir keine große Kordel-Schüssel, sondern eine Fläche, die plan liegt! Wenn es aber doch passiert und sich ein Teil ein wenig hervorwölbt, so kann man mit dem Dampfbügeleisen kleine Unebenheiten noch ganz gut korrigieren.

Marokannischer Teppich aus Baumwollkordel 2

Weil mir der Läufer unifarben dann doch zu schlicht für unseren Haushalt war, habe ich ein einfaches, aber effektvolles marokkanisches Muster auf zwei aneinandergeklebte Bögen Freezer Paper kopiert, mit dem Cutter das Muster ausgeschnitten und das Papier dann vorsichtig auf den kleinen Teppich aufgebügelt. Mir gefallen die Texturen marokkanischer und im Allgemeinen arabischer Muster sehr. Für den Teppich durfte es jedoch keine allzu komplizierte, detailreiche Verzierung sein, aber ich finde, auch diese großflächige hier entfaltet schon eine leicht orientalische Wirkung.

Die Aussparungen der papierenen Druckvorlage habe ich mit dunkelblauer Textilfarbe für helle Stoffe ausgefüllt und dafür einen ganz normalen Borstenpinsel benutzt. Das Schöne ist, das die Farbe mit nur einem bis zwei Anstrichen nicht alle Stellen der Kordel erreicht, sodass an manchen Stellen immer noch ein wenig Naturweiß durchschimmert, was mir persönlich famos gut gefällt.

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel 3

Nach der Trocknungszeit von ca. einer Stunde kann man das Freezer Paper dann abziehen, lässt das Muster noch einmal ordentlich über Nacht durchtrocknen und kann dann den Farbauftrag per Bügeln waschecht fixieren.

Unser Mini kommt bei uns nun im Flur zum Einsatz, aber ich kann mir die kleinen Läufer auch sehr gut als Balkon-Deko für den Sommer  oder aus Kordel in dunkleren Farben sogar als Alternative zum Fußabstreifer vorstellen. Wichtig ist nur, dass man darauf achtet, reine Baumwollkordel zu verarbeiten, wenn man den Teppich noch bedrucken möchte. Ansonsten tut´s auch eine Kordel mit synthetischen Anteilen.

Marokkanischer Teppich aus Baumwollkordel 4

Für meinen Teppich habe ich folgende Materialien und Gerätschaften benötigt:

  • 30 m Baumwollkordel mit einem Durchmesser von 8 mm
  • farblich passendes Polyestergarn
  • Freezer Paper
  • Cutter / Skalpell
  • Bleistift
  • Textilfarbe
  • Borstenpinsel
  • Bügeleisen
  • Nähmaschine
  • optional Anschiebetisch der Haushaltsnähmaschine (ist heute bei vielen Nähmaschinen standardmäßig als Zubehör dabei)

Boxbag Ysabel von LaLilly Herzileien

 Boxbag Ysabel Midi EBook

+++ Dieser Beitrag enthält Werbung. Das digitale Schnittmuster ‚Boxbag Ysabel‘ wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst. +++

Oha, da hat meiner einer aber sofort laaange Stielaugen bekommen, als ich den Aufruf zum Probenähen des neuen Schnittmusters ‚Boxbag Ysabel‘ vom Blog und Schnittmusterlabel LaLilly Herzileien gelesen habe. Da war auf jeden Fall Handlungsbedarf meinerseits angesagt!
Man kann meine Arbeiten zum Probenähen ja an einer Hand abzählen, da ich es aus Zeitgründen recht selten schaffe, aber das Timing war diesmal äußerst günstig, also schickte ich flugs meine Bewerbung ab und erhielt, wie schön, eine Zusage, sodass ich mit dem heutigen Tag schon ganze zwei Hände zum Aufzählen meiner Probenäh-Erfahrung benötige. :)

Eine glückliche Koinzidenz, das alles, denn ich war erst kurz zuvor auf LaLilly Herzileien aufmerksam geworden und folgte ihr auf Instagram vielleicht etwas mehr als eine Woche als der Aufruf kam; dafür hatte ich aber bereits bei meinem ersten Besuch auf ihrem Blog schon weit über zwei Stunden gelesen und herumgeklickt (ich musste eigentlich Licht ausmachen und schlafen!), denn da geht es sehr informativ und smart und ehrlich zu und es ist echt kurzweilig darin zu lesen.

Nun aber zurück zum Probenähen: Ich war nach der Zusage tatsächlich auch ein wenig verschreckt, denn Probenähen fand für mich in der Vergangenheit folgendermaßen statt: Da erhielt ich per Mail die Schnittmusterdateien und die Anleitung und füllte nach dem streng nach Anleitung ausgeführten Nähen und dem Korrekturlesen einen Feedbackbogen aus. Fotos wurden natürlich auch abgeliefert.
Die Zeiten scheinen sich in meiner ca. 15 Monate währenden Abstinenz im Schnittmustertesten sehr gewandelt zu haben, denn nun war ich Teil einer geschlossenen Probenäh-Facebook-Gruppe. Ich fühlte mich wie ein komplettes Greenhorn. Und ich war auch ein komplettes Greenhorn!

Boxbag Ysabel Midi Leder

Alle benötigten Dateien erhielt ich über die Gruppe und auch mein Feedback schrieb ich direkt in Dokumente, die auf Facebook hinterlegt waren, es erfolgte sozusagen eine laufende Korrektur der Anleitung. Gar keine schlechte Lösung, was!?

Viele meiner Kolleginnen waren schon vom ersten Tag an (einem Samstag) so dermaßen fleißig, sodass die ersten Ergebnisse bereits nach einem Tag fotografisch festgehalten und gepostet wurden. Ich fing zu dem Zeitpunkt gerade mal an das Schnittmuster auszudrucken und die Anleitung zu lesen und war deshalb ein bisschen irritiert: Hatten wir  wirklich alle den gleichen Abgabetermin bekommen, denn meiner lag gut zwei Wochen in der Zukunft?  Oder hatte ich etwas überlesen? Ne, die Kolleginnen waren wirklich alle so fix, denn da stand er ja, der Abgabetermin, nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin Schwarz auf Weiß! ;)

Ysabel Mini tragefoto 3

Na, ich fing dann drei Tage nach der Zusage auch mal an zu nähen und traute mich dann abends, ebenfalls einen Schnappschuss meiner ersten Tasche in der Gruppe zu posten. Schließlich muss man ja einmal einen Einstieg finden in so eine neue interaktive Arbeitsform! Und von da an guckte ich mir täglich auch alle Ergebnisse meiner 54 Kolleginnen an, oft noch als stille Leserin, aber nicht immer! Ich arbeite am „Micheinbringen“, versprochen!

Boxbag Ysabel ist, wie der Name bereits ankündigt, ein Taschenschnitt in einem wunderbar kastigen Format.  Das E-Book bietet drei Größenvarianten, sodass man eine klassische Handtaschengröße (Midi), eine kleinere Handtasche für das Nötigste (Mini) sowie eine sog. Microbag nähen kann, also einen absoluten Zwerg, der auch gut als Gürteltasche oder Portemonnaie fungieren kann.
In der Anleitung finden sich verschiedene Möglichkeiten, Klappe und Verschlusslasche zu realisieren sowie zwei Schultergurtvarianten mit Riemenschnalle oder Schieber. Lisa zeigt auch, wie man eine Reißverschlusstasche sowie aufgesetzte Taschen näht, was die Anleitung auch für absolute Anfänger attraktiv macht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich in dem Zuge, dass es auf ihrem Blog ergänzend auch zwei sehr ausführliche Tutorials zu Taschenverschlüssen gibt, die man sich als Anfänger doch einfach mal reinziehen sollte. Da lernt man noch etwas! :)

Ysabel Mini Polsterstoff E-Book

Konzipiert ist der Schnitt für festere Stoffe wie Canvas, Leder und Kunstleder, die je nach Bedarf noch mit Style Vil, Decovil oder kaschiertem Schaumstoff verstärkt werden. Dass auch andere Materialien gut funktionieren und Ysabel eine regelrechte Leinwand für individuelle Ausführungen ist, zeigt die schier unglaubliche Vielfalt des sensationellen Lookbooks, das sämtliche Ergebnisse des Probenähens zeigt. Knaller, echt! Nicht vergessen: Wir waren 55 Probenäher und viele haben alle drei Varianten genäht!

Ich selbst bin bei Handtaschen eher eine Freundin des Einfarbigen, sodass meine Midi und meine Mini recht schlicht ausfielen.
Für die Midi habe ich grünes Spaltleder gewählt und mich sehr eng an die Anleitung gehalten: Riemen-Laschen, Klappe und aufgesetzte Tasche wurden genau so genäht wie angegeben. Einzig die Verstärkung habe ich aufgrund des robusten Materials weggelassen und auch die D-Ring-Laschen aus Leder  nur einlagig verarbeitet.
Die Mini sollte dann ein kleines Retroteilchen werden; sie wurde aus gelbschwarzem Polsterbezugsstoff genäht und mit einer schwarzen Paspel und einem Mappenschloss versehen. Verstärkt ist sie mit Decovil I, was bei der Größe schon furchtbar fummelig war, aber letzten Endes geklappt hat.
Gut finde ich alle beide, obwohl die Mini definitiv noch zur Gürteltasche umfunktioniert wird, denn so ne kleine Tasche umzuhängen ist mir…unheimlich. ;).

Übrigens: Zur Veröffentlichung gibt es das Ebook Boxbag Ysabel bis einschließlich 25. März 2018 zum Einführungspreis mit 40 % Rabatt bei Makerist zu kaufen!

Last but not least möchte ich mich sehr, sehr, sehr herzlich bei meinem partner in crime Anja Jung für die Fotos und bei Leder Detmer für die Erlaubnis, in den Lagerräumlichkeiten zu fotografieren, bedanken!

Retro-Jacke Clara von lillestoff

Jacke Clara lillestoff hellblau 2Jacke Clara lillestoff hellblau 3

Ne, im Ernst, ich bin ja gar nicht andauernd auf der Jagd nach neuen Schnittmustern, ich nähe ja hauptsächlich meine eigenen Schnitte für Euch, deshalb kriege ich auch 99 % der Neuerscheinungen gar nicht mit und stoße dann Monate / Jahre / ja, auch Jahrzehnte später durch Zufall auf etwas, was ich interessant finde und dass dann auf meiner Liste landet; was aber nicht heißt, dass es zeitnah eingekauft und realisiert wird.

Jacke Clara war so ein Fall. Letzten Herbst entdeckte ich sie auf einer Facebook-Seite und war gleich ganz verschossen in das schöne Retroteil. Und an allen, die Clara genäht und verbloggt hatten, sah sie auch noch super aus! An allen, echt wahr!

Ich also diesen Monat endlich den Schnitt gekauft, auf den ich dann noch ein paar Tage warten musste, weil´s die lillestoff-Schnittmuster gar nicht digital zum Download gibt. Aber Vorfreude ist ja…ach, ihr wisst schon. :)

Den Stoff für Clara habe ich mir bei kleinkariert Stoffversand geholt und zwar einen hellblauen Mini-Jacquard in Bioqualität von ALB Stoffe aus der Hamburger Liebe-Kollektion ‚Into the wild‘, den ich so extrem entzückend finde, dass ich ihn am liebsten noch auf Halde in anderen Farben geshoppt hätte. Aber noch konnte ich´s mir verkneifen! Es gilt gerade: Zuerst das Projekt, dann der Stoff. ;)

So! Nun aber zu Clärchen:
Die Anleitung ist vom Text her sehr überschaubar und enthält nur wenige Zeichnungen, sodass sie definitiv nix für Anfänger ist. Hat man aber schon ein bisschen Erfahrung im Kleidernähen und in der Arbeit mit dehnbaren Stoffen, sollte die Realisation kein Problem darstellen. Beim Übertragen des Schnittmusters auf den Stoff müssen die Nahtzugaben extra angezeichnet werden, da diese im Schnittmuster nicht enthalten sind. Empfohlen werden 1 cm bis 1,5 cm. Da ich in erster Linie mit der Overlock gearbeitet habe, habe ich mich gleich für eine Nahtzugabe von 0,7 cm entschieden. Größentechnisch stecke ich laut angegebener Größentabelle gerade zwischen 38 und 40, dachte mir aber, dass mein Umfang im Frühjahr ja eh wieder weniger wird und schnitt deshalb die Größe 38 zu. War auch gut so!

Jacke Clara lillestoff hellblau

Beim Nähen war für mich das Einsetzen des fertig genähten Ärmels in den fertig genähten Korpus Neuland. Hat auf Anhieb gut geklappt, obwohl ich sonst immer so verfahre, die Ärmel- und die Seitennähte des Oberteils in einem Rutsch zu verschließen, wie wahrscheinlich viele andere von Euch auch.
Absolut schmuck finde ich auch das Ergebnis, wenn man die Blenden mit der Einlage vor dem Bügeln miteinander verstürzt, also rechts auf rechts (die Klebefläche der Vlieseline gilt als linke Seite!) an den offenen Kanten des Schnittteils vernäht, dann wendet und ausformt und erst zuletzt festbügelt. Ergibt eine superschicke, saubere Kante, habe ich vorher nie drüber nachgedacht!
Das einzige, was ich echt frickelig fand, war das Verschließen des Wendelochs an der hinteren Stoßkante zwischen Korpus und Saum. Das lag aber am Stoff, denn der Jacquard rollt sich stark ein, so dass das Vernähen mit dem Matratzenstich für mich ein ziemlicher Kampf gewesen ist, denn die Oberteil-Stofflage soll ja zwischen den beiden Bündchen-Stofflagen liegen. Das Ergebnis, naja, ist okay, habe ich aber schon besser gemacht.

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Die Anprobe war dann allerdings auch erst einmal enttäuschend: Clara und ich, wir sahen zusammen aus wie A… mit Eimer. Einzig die Schulternähte saßen da, wo sie sitzen sollen. Ansonsten sah Größe 38 an mir jedoch viel zu kastig aus, um  einfach drei Häkchen als Verschlüsse anzubringen und die Jacke vorne etwas auseinanderklaffen zu lassen. Und sie offen zu tragen ging schon gleich dreimal nicht, das sah aufgrund der Beschaffenheit des Stoffes dann endgültig nach Lappen aus! Ja, Mist!
Also musste Puppe Reni das Jäckchen anziehen, und ich probierte, ob ich die Vorderseiten auch überlappen lassen könnte. Was war ich froh, dass das die Lösung war! Clara hat nun Knopflöcher und eine Knopfleiste selbst bezogener Knöpfe und die auslaufenden Enden des Bubikragens treffen von vorne betrachtet nur ein ganz klein wenig zu weit links aufeinander. Da sehe ich jetzt aber mal großzügig darüber weg!

Fazit: Sehr schönes Retroschnittmuster für Fortgeschrittene! Und ich kann nur wieder betonen: An allen Damen, an denen ich Clara gesehen habe, sah die Variante mit den Knebelverschlüssen oder Häkchen gut aus. Ich selbst plane lieber eine Knopfleiste für zukünftige Claras ein, denn wir zwei werden dicke Freundinnen! Ich hätte Bock auf ne Strickvariante!

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Tilly & the Buttons: Verknallt in Wickelrock Miette

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Eines sage ich gleich einmal vorneweg: Ich hatte von ungefähr 1996 bis 1999 eine ausgeprägte Wickelrockphase. Danach war aber auch gut.

Als ich das Schnittmuster Miette aus dem Hause Tilly & the Buttons entdeckte, dachte ich demnach auch zuerst, wie toll doch die Front mit den großen aufgesetzten Taschen im Stil der Siebzigerjahre aussieht, aber och, nööö, n Wickelrock, muss ich nicht haben!

Irgendwann letzten Herbst bin ich dann aber doch schwach geworden und habe mir das digitale Schnittmuster geholt mit dem Hintergedanken, ein bisschen daran herum zu basteln und da einfach einen A-Linie-Rock draus zu machen.

Mir hat die Jeansversion auf dem Cover unheimlich gut gefallen (das tut sie immer noch), aber da ich bis einschließlich Weihnachten sowieso überhaupt keine Zeit und Muße zum „Privatnähing“ hatte, wurde auch kein Stoff gekauft. In der Zwischenzeit kam mir dann jedoch ein feines Leinenbaumwollgemisch (90% BW, 10% Leinen) von Sevenberry unter, das ich sowohl von der Struktur als auch vom Print her so super finde, dass meine Miette letzten Endes nun doch nicht einfarbig geworden ist.
Ich stehe generell sehr auf florale Hawaii-Prints mit Blüten und Blättern aller Art und obwohl sich die Kombi mit dem Siebzigerjahre-Schnitt irgendwie schon stark Richtung handfestem Stilbruch bewegt, kam für mich nach der Sichtung kein anderer Stoff mehr für dieses Projekt infrage.

Ich entschied mich kurzerhand, es doch einmal wieder mit einem Wickelrock zu versuchen, aber erst, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass  wirklich üppig gewickelt wird und ich nicht bei jedem Hamburger Windstoß halb im Freien zu stehen drohe. Jetzt nach Fertigstellung überlappen sich die Rockteile um etwas mehr als eine Lineallänge, was bei der Schwere des Stoffes vollkommen ausreichend ist.

Damit der Rock überm und nicht unterm Knie endet, denn für „Unter-Knie-Länge“ fühle ich mich zu klein, habe ich den Schnitt erst einmal gekürzt. Ja, ich weiß, die Lösung wäre, stets hochhackige Schuhe dazu zu tragen; aber, tja, danach steht mir einfach nicht immer der Sinn. Und da ich vorhatte, an der unteren Saumkante ein Einfassband anzunähen, musste auch keine Saumzugabe berücksichtigt werden, also kamen radikal ganze 10 cm weg.

Damit der Bund und die aufgesetzten Taschen mit einer Doppel- bzw. bei den Taschen Dreifachlage nicht zu starr werden, habe ich das Taschenfutter und die Innenseite des Rockbundes aus einer dünneren Baumwolle in Dunkelblau mit weißen Polka Dots zugeschnitten. Bei den beiden Bindebändern und dem äußeren Rockbund kam dann der Rest des tollen Jeansstoffs meines vorherigen Nähprojekts zum Einsatz, dessen Farbton sich auch im Schrägband des Rocksaums wiederfindet.

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Miette Rock Tilly & the buttons Detail 2

Die Anleitung ist wie alles von Tilly & the Buttons nicht übersetzt und bisher nur auf Englisch zu bekommen, aber absolut anfängertauglich, sehr ausführlich geschrieben und mit anschaulichen Bildern abgerundet. Ganz daran gehalten habe ich mich trotzdem nicht.

Wie man auf den Detailfotos erkennen kann, habe ich das Bindeband nicht rechts auf rechts zusammengenäht und mühsam gewendet (längliche Nähgebilde zu wenden nervt mich total!), wie das in der Anleitung beschrieben ist, sondern am unteren Rand außen knappkantig die Naht gesetzt und in einem Rutsch auch den Bund am Wickelrock nicht im Nahtschatten, sondern 2 mm darüber festgenäht und dabei die nach oben gebügelten Nahtzugaben des Rockteils mitgefasst. Sieht wunderbar aus, finde ich, und ich habe mir dieses Gefrickel erspart. :)

Ansonsten bin ich ein Riesenfan des Biesenbands und konnte es mir deshalb nicht verkneifen, die Eingriffe der Taschen mit staubblauer Paspel zu versehen. Für mich das schönste Detail an dem ganzen Rock. ;)

Fazit: Miette ist ein leichtes, einsteigergeeignetes Nähprojekt mit Erfolgserlebnisgarantie und bietet in seiner Schlichtheit genügend Spielraum für eigene Ideen.

Ich habe den Rock jetzt trotz reichlich Schneeregens schon mehrfach ausgeführt und fühle mich darin superwohl. Es mag sein, dass er eigentlich ne Sommerklamotte ist, aber ich finde, mit Stiefeln und dicker Strickjacke geht´s auch.
Außerdem: Hätte ich ernsthaft mit dem Tragen bis zu den ersten wärmeren Tagen warten können? Eben!

Miette Tilly & the Buttons 3

P.S Ich habe mir eine Verlinkung bei RUMS erlaubt.